Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/russland-sperren-fuer-vpns-und-tor-gefordert-1502-112323.html    Veröffentlicht: 12.02.2015 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/112323

Russland

Sperren für VPNs und Tor gefordert

Behörden und führende Telekommunikationsunternehmen in Russland haben sich dafür ausgesprochen, VPNs und das Anonymisierungsnetzwerk Tor zu sperren.

Der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Informationspolitik, -technologie und Kommunikation Leonid Levin sowie Vadim Ampelonsky, der Sprecher des staatlichen Medienwächters Roskomnadzor, haben sich für eine Blockade von VPNs und Anonymisierungsnetzwerken wie Tor ausgesprochen. Diese Dienste würden hauptsächlich für kriminelle Handlungen genutzt, lautet die Begründung.

Zusätzliche Finanzierungen der Strafverfolgungsbehörden und der Streitkräfte reichten nicht mehr, um der zunehmend globalen und digitalen Kriminalität beizukommen, sagte Levin. Es fehle weiterhin an einer effektiven Kontrolle des Informationsflusses. Eine Sperrung der Dienste könnte helfen, den Zugang zu verbotenen Informationen und die Verbreitung von Malware zu erschweren.

Der einflussreiche Telekommunikationsverband Safe Internet League pflichtete dem Vorschlag umgehend bei. Dort sind neben der staatlichen Rostelecom auch führende Mobilfunkanbieter vertreten. Dessen Sprecher Denis Davydov sagte: "Wir unterstützen den Vorschlag, den Zugriff auf Anonymisierungsnetzwerke wie Tor einzuschränken. Diese unsichtbaren Netzwerke ermöglichen es Kriminellen, ihre Handlungen vor staatlichem Zugriff zu verstecken." Außerdem erinnerte Davydov daran, dass Tor von US-Amerikanern und auch den dortigen Geheimdiensten entwickelt worden sei, um den hegemonialen Einfluss der USA in der Welt zu vergrößern.

Eine Blockade Tors sei zwar eine schwierige, aber lösbare Aufgabe, sagte der Roskomnadzor-Sprecher Ampelonsky. Immerhin ist seit längerem bekannt, dass Tor nicht für eine vollständige Anonymisierung sorgen kann. In Kombination mit VPN ist es allerdings noch schwieriger, den Datenverkehr zu analysieren. In China wird inzwischen versucht, die IP-Adressen von Tor-Servern oder VPNs zu blockieren. Diese sammelt die staatliche Zensurbehörde etwa bei den öffentlichen Serververzeichnissen oder durch Deep Packet Inspection bei verdächtigen Datenpakten. In Russland werden bereits Internetsperren per DNS eingesetzt. Die Liste wird von Roskomnadzor verwaltet.  (jt)


Verwandte Artikel:
Wahlbeeinflussung: Russischer Präsident Putin will Verdächtige nicht ausliefern   
(05.03.2018, https://glm.io/133147 )
Online-Handel: Websperren sollen Verbraucherschutz stärken   
(28.06.2017, https://glm.io/128615 )
Linux und Mac: Tor-Browser-Exploit verrät IP-Adresse einiger Nutzer   
(04.11.2017, https://glm.io/130970 )
Cisco: Kritische Lücke im VPN ermöglicht DoS-Angriffe auf Switches   
(30.01.2018, https://glm.io/132470 )
E-Privacy-Verordnung: Verleger und Startups wollen mehr Daten verarbeiten dürfen   
(07.03.2018, https://glm.io/133201 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/