Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/telekom-wir-benoetigen-den-de-cix-eigentlich-nicht-1502-112122.html    Veröffentlicht: 03.02.2015 15:38    Kurz-URL: https://glm.io/112122

Telekom

Wir benötigen den DE-CIX eigentlich nicht

Um Umwege über das Ausland zu vermeiden, will die Telekom nun stärker den Netzknoten DE-CIX nutzen. Allerdings behält sie ihre restriktive Peering-Politik bei.

Die Deutsche Telekom hat offiziell erklärt, künftig den Frankfurter Internetknoten DE-CIX stärker nutzen zu wollen. Im Blog der Telekom heißt es: "Da das Netz der Telekom mit fast allen großen Netzbetreibern direkt zusammengeschaltet ist, benötigte sie die größere Präsenz am DE-CIX eigentlich nicht." Doch Anbieter hätten eine verstärkte Nutzung des Netzknotens als Voraussetzung für kurze Wege vorgeschlagen.

"Uns geht es um mehr Sicherheit für Internetnutzer. Dafür muss gewährleistet sein, dass Daten auf möglichst kurzen Strecken vom Sender zum Empfänger gelangen", sagte Thomas Kremer, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Telekom.

Die Telekom schlägt jetzt vor, dass sich alle Anbieter verpflichten, Daten ohne Umwege durch andere Rechtsräume vom Sender zum Empfänger zu leiten.

Noch im November 2013 hatte DE-CIX-Geschäftsführer Harald A. Summa die Pläne der Telekom für ein nationales Routing oder auch Schlandnet als "öffentlichkeitswirksame Augenwischerei und einen Versuch" bezeichnet, "ihr altes Monopol in Deutschland de facto wieder herzustellen". Bisher habe die Telekom alle Gesprächsangebote des DE-CIX ignoriert.

DE-CIX und Telekom würden aneinander vorbei-peeren. Die Telekom sei der einzige unter den Top-10-Anbietern, der bisher nicht am DE-CIX angeschlossen sei. Die Netzbetreiber würden zusammen 98 Prozent der Internetzugänge in Deutschland bereitstellen.

Die Telekom organisiere den Transport ihres Datenverkehrs über Private Peerings direkt mit anderen Netzbetreibern, so die DE-CIX-Betreiber. In einer solchen Topologie komme es häufiger vor, dass Datenverkehr zwischen deutschen Betreibern den Weg auch über ausländische Netze nehme, bevor das Zielnetz erreicht werde.

Telekom peert weiter restriktiv

Der DE-CIX ist eine Plattform für Public Peering von Datenverkehr im Internet. Alle angeschlossenen Anbieter können Daten aus ihrem Netz über den Internetaustauschpunkt in die Netze der anderen angeschlossenen Anbieter weitergeben. Der Datenverkehr bleibe innerhalb deutscher Grenzen und damit im deutschen Rechtsraum.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche wurde ein Vertrag zwischen Telekom und DE-CIX in der vergangenen Woche unterzeichnet. Mit dem Einzug in den Knoten könne die Telekom das darüber abgewickelte Datenvolumen verzwanzigfachen.

Nachtrag vom 3. Februar 2015, 18:25 Uhr

Laut DE-CIX-Geschäftsführer Summa erhöht die Telekom den IPv6-Datenverkehr von 1 GBit/s auf zweimal 10 GBit/s. Die Ports seien bereits provisioniert, sagte Summa auf Anfrage von Heise-Netze. Wann darüber Verkehr laufe, entscheide der Kunde.

Allerdings handele es sich bei der Telekom nicht um ein allgemeines Public Peering, sondern ein restriktives Peering, bei dem die Telekom prüfe, welcher Betreiber sich eigne. "Wenn sie Partner findet, müssen die sich bestimmten Regeln der Telekom unterwerfen", sagte Summa. Die frühere Peering-Politik der Telekom sah vor, dass ein Provider in drei verschiedenen Ländern mit ihr peeren musste, damit sie überhaupt über ein Peering-Angebot verhandelte.

Gegen eine Ausweitung der Peering-Präsenz in Frankfurt spricht laut Summa zudem, dass die Telekom ihre dezentrale Netzstruktur mit sieben Austauschpunkten in Deutschland nicht aufgeben wolle. Die bestehenden Netzknoten sollten aus Sicht der Telekom weiterhin ausreichend ausgelastet werden.

Ob weitere Tier-1-Provider wie Level 3 dem Beispiel der Telekom folgen, ist unklar. Summa sprach von einer "Bewegung gegen den Trend" am DE-CIX. "Wenn Sie Vergleiche mit anderen Austauschknoten ziehen, werden Sie sehen, wir haben zuletzt deutlich mehr an Verkehr gewonnen als andere. Jetzt sind wir den 4 TBit/s nahe, der Mitbewerb ist fern davon", sagte Summa. Gerade bei Filmen oder Spielen mache sich das höhere Synergiepotenzial durch den DE-CIX bemerkbar.  (asa)


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