Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/everycook-per-routenplaner-zum-perfekten-risotto-1502-112114.html    Veröffentlicht: 03.02.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/112114

Everycook

Per Routenplaner zum perfekten Risotto

Der Everycook macht selbst aus Nerds Spitzenköche. Mit ihm lässt sich nicht nur frittieren und schnipseln, sondern auch perfektes Risotto kochen - softwaregesteuert.

Rezepte sollen wie Routenplaner funktionieren. So stellt sich Alexis Wiasmitinow das Kochen vor. Er ist der Entwickler des Everycook, eines Universalkochers. Mit Everycook lässt sich wiegen, schnipseln, kochen, frittieren, rühren, dämpfen. Nach mehrjähriger Entwicklungszeit hat Wiasmitinow jetzt eine fünfte Version vorgestellt - und die ist fast verkaufsfertig. Everycook ersetzt aber nicht nur nahezu eine komplette Küchenzeile, sondern sorgt dafür, dass jedes Rezept gelingt.

Everycook soll dazu später eine umfangreiche Rezeptdatenbank mitbringen - quelloffen, so wie Openstreetmap. Jeder soll der Rezeptsammlung etwas beisteuern können, sagte Wiasmitinow Golem.de. Sei es mit einem eigenen Rezept oder Ergänzungen an bestehenden. Denn Everycook und seine Rezeptsammlung führen Schritt für Schritt zum perfekten Gericht. Seine Maschine denke voraus.

Über eine App wird ein Rezept ausgewählt und wie viele Personen bekocht werden sollen. Die errechnet zunächst die benötigte Menge der Zutaten, wo sie im näheren Umkreis eingekauft werden können und integriert die Informationen in eine Kartenanwendung. Alternativ kann ein Onlineshop mit dem Einkauf beauftragt werden.

Das Rezept als Routenplaner

Zu Hause führt ein Display den Koch durch jeden Schritt des Rezepts. Es zeigt an, ob der Schneideaufsatz benötigt wird, etwa für eine geschälte Zwiebel, die dem Risotto hinzugefügt werden soll. Der Everycook berechnet, wie lange die Zwiebelstücke angebraten werden sollen. Ein Fortschrittsbalken zeigt auch an, ob genügend Reis und Brühe hinzugefügt wurde. Eine integrierte Waage berechnet die benötigte Menge. Den meisten Maschinen müssten Nutzer sagen, was sie tun sollen. Beim Everycook wollte Wiasmitinow das genaue Gegenteil, sie sagt dem Benutzer, was er tun muss, um ein perfektes Mahl zu kochen. Und trotzdem passt sich Everycook dem Nutzer an. Falls das Gerät bemerkt, dass der Anwender den Reis noch nicht hinzugefügt hat, unterbricht das Gerät den Kochvorgang. So können auch Hobbyköche mit wenig Zeit und viel Ablenkung fast nichts falsch machen, sagt Wiasmitinow.

Gesteuert wird der Everycook mit einem Raspberry Pi. Die größte Hürde sei die Anpassung von Rezepten für den Everycook. Denn neben der Zutatenliste und deren Garzeiten müssen auch weitere Befehle an den Everycook per JSON übergeben werden, etwa Rührbefehle oder Druckvariablen für den Dampfgarer. Beim Würzen muss der Koch aber manchmal selbst eingreifen.

Der lange Weg zum Allzweckkocher

Das Open-Source-Projekt hat eine lange Entwicklungszeit hinter sich. Die ersten Prototypen gab es schon vor fünf Jahren. Damals explodierte noch die ein oder andere Induktionsspule. Probleme gab es auch mit dem Druck, den der integrierte Dampfgarer erzeugt. Bis zu dem jetzt fertigen Produkt seien die Prototypen auch hässlich gewesen, sagte Wiasmitinow. Hübsch sei das Gerät auch deshalb nicht gewesen, da es beim Design vor allem um Modifizierbarkeit, Robustheit und leichte Reparaturen gegangen sei.

Erst bei der Entwicklung des letzten Prototyps habe er Zeit und Muße gehabt, sich auch wegen des Designs Gedanken zu machen. Davor musste er sich auf zusätzliche Kleinigkeiten konzentrieren, etwa dass alle Teile des modularen Everycooks leicht gereinigt werden können und weitgehend spülmaschinentauglich sind, dass die Dichtungen für den Dampfgareraufsatz halten.

Teurer Edelkocher

Inzwischen ist Everycook nicht mehr Open Source, zumindest die aktuelle Hardware nicht. Ein Gerät wird aktuell für 2.000 Schweizer Franken, etwa 1.900 Euro, angeboten. Fertig sei der Everycook aber nicht, sagte Wiasmitinow. Noch gebe es Kleinigkeiten zu verbessern. Erste Alphaversionen sollen im Laufe des Jahres gefertigt und ausgeliefert werden. Außerdem stünden noch einige Zertifizierungen aus.

Die Rezeptdatenbank samt Rezepten gibt es ebenfalls weiterhin unter einer Open-Source-Lizenz. Der Code dafür liegt bei Github. Rezepte für den Everycook anzupassen, sei allerdings aktuell nicht sehr einfach, sagt Wiasmitinow. Rezepte liegen nicht in maschinenlesbarer Form vor und schon gar nicht so, dass sie der Everycook versteht. Das Gerät benötigt neben Angaben in Gramm auch die dazugehörigen exakten Garzeiten, die zunächst ermittelt werden müssen. Dem Everycook könne nicht einfach gesagt werden, "brate bitte eine Zwiebel an", das müsse in mathematische Gleichungen übersetzt werden, sagt Wiasmitinow. Je größer der Grundstock werde, desto einfacher werde es, weitere Rezepte zu erstellen.

Algorithmen sollen Rezepte übersetzen

Zusammen mit einer Schweizer Hochschule arbeitet Wiasmitinow daran, Algorithmen zu entwickeln, die herkömmlichen Rezepte in maschinenlesbare umzuwandeln. Noch wisse Everycook nicht, dass Zucchini eine kürzere Garzeit hätten als Kürbis. Bis ein Rezept perfekt sei, bräuchte es vermutlich zwei bis drei experimentelle Durchgänge. Aber auch der erste Versuch würde schon jetzt ein zumindest genießbares Essen hervorbringen, sagte Wiasmitinow.  (jt)


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