Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/alienware-alpha-im-test-beta-steam-machine-fuers-wohnzimmer-1502-112098.html    Veröffentlicht: 05.02.2015 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/112098

Alienware Alpha im Test

Beta-Steam-Machine fürs Wohnzimmer

Kleiner als eine Playstation 4, aber schneller und sparsamer: Alienwares einst als Steam Machine angekündigter Alpha-PC bietet dank schlauer Ideen viel Konsolenfeeling ab 500 Euro - wenn auch mit einigen vermeidbaren Ärgernissen bei der Hardware.

So hatte sich die Dell-Tochter Alienware das sicherlich nicht vorgestellt: Vor über einem Jahr präsentierte uns der Hersteller seine Steam Machine, einige Monate später aber kündigte Valve an, das komplette Projekt inklusive SteamOS auf 2015 zu verschieben, weil der Steam Controller ständig überarbeitet wird.

Alienware dauerte das zu lange, daher kündigte der Hersteller im Sommer den Alpha genannten Konsolen-PC mit einer eigenen Gamepad-Oberfläche an. Mittlerweile ist der Winzling verfügbar, wir haben ihn uns angeschaut.

Das Gehäuse des Alpha misst gerade einmal 198 x 198 x 53 mm und ist mit einem Volumen von 2,2 Litern nicht einmal halb so groß wie die Playstation 4. Anders als die Sony-Konsole benötigt der Alpha aber ein externes Netzteil, das aufgrund seiner 130 Watt Nennleistung recht groß ausfällt, und wenig überraschend bei den Maßen des Alpha fehlt ein DVD- oder Blu-ray-Laufwerk. Wer seine Spiele nicht digital bezieht, kann ein solches an einen der beiden rückwärtigen USB-3.0-Ports anschließen.

Der zweite USB-3.0-Port wird vom Funkempfänger des drahtlosen Xbox-360-Gamepads belegt, das Alienware mit dem Alpha ausliefert. Alternativ stehen an der Front zwei USB-2.0-Ports bereit, der dritte hinter der Klappe auf der Unterseite soll später den Empfänger des Steam Controllers aufnehmen.

Auf der Rückseite befinden sich zudem ein optischer SPDIF, Gigabit-Ethernet, ein HDMI-1.4a-Ausgang für Ultra-HD bei 30 Hz und ein HDMI-Eingang. An den kann beispielsweise ein Blu-ray-Player angeschlossen werden, der Alpha schleift dann Bild und Ton an den Fernseher durch.

Gutes Alpha-UI mit Treiber-Flop

Direkt nach dem Start begrüßt uns die typische Windows-8.1-Einrichtung (64 Bit). Die erledigen wir entweder flott per Maus und Tastatur oder wir nutzen Alienwares clevere Emulation per Gamepad. Der linke Analogstick steuert hierbei den Zeiger auf Schaltflächen oder die virtuelle Tastatur, der A-Button bestätigt, und der B-Knopf führt ein Menü zurück wie bei der Xbox One. Um die Emulation zu starten, müssen alle Schultertasten und der linke Stick gedrückt werden, das klappt aber oft nicht.

Ist die Einrichtung erledigt, bootet der Mini-PC gemächlich in die Alpha-UI genannte Benutzeroberfläche. Aus dem Standby braucht er nur wenige Sekunden. Das Alpha-User-Interface erinnert stark an das einer Konsole und wird intuitiv per Gamepad bedient. Im Optionsmenü stellen wir die Auflösung auf 720p, 1080i oder 1080p samt passendem Hz-Wert und korrigieren falls nötig den Overscan des Fernsehers.

Weitere Einstellungen betreffen die Beleuchtung: Der als Ein-/Aus-Schalter fungierende Alienkopf wie auch die linke vordere Ecke erstrahlen unabhängig voneinander in diversen Farben von Grün über Rot bis Blau und mit frei wählbarer Helligkeit. Lichteffekte wie Pulsieren gibt es nicht - wer möchte, schaltet die Beleuchtung einfach ab.

Ausgehend vom Alpha-UI gibt es nur zwei Möglichkeiten: Wir beenden die gamepadoptimierte Oberfläche und landen auf dem normalen Windows-Desktop oder starten per Knopfdruck den Steam Big Picture Mode. Ab diesem Punkt unterscheidet sich der Alpha nicht von anderen PCs mit Steam: Wir filtern unsere Spielebibliothek nach controllertauglichen Titeln wie Ryse oder The Elder Scrolls 5 Skyrim, laden sie herunter und legen los.

Außer Steam Music gibt es keine Option für Multimediainhalte wie Netflix, und bei Spielen, die sich nicht zur Steam-Bibliothek hinzufügen lassen, fehlt noch die Unterstützung. Alienware hatte auf der Gamescom 2014 zugesichert, bis zum Release der Alpha solche Funktionen anzubieten, sie bisher aber nicht geliefert. Nach einmaliger Einrichtung funktionieren zwar Origin-Spiele oder Modern-UI-Apps wie Netflix mit der Maus-Emulation, vom Desktop muss der Alpha jedoch neu gebootet werden, um wieder auf das Alpha-UI zu kommen.

Eigene Device-ID blockt normale Treiber

Die Oberfläche unterdrückt Windows-Meldungen, spätestens für Updates müssen wir aber das Microsoft-Betriebssystem bemühen. Per Alienware-Software halten wir das Alpha-UI und auch den Grafikkartentreiber auf dem aktuellen Stand. Statt die übliche Geforce-Software zu verwenden, setzt Alienware aber auf einen proprietären Treiber - und der ist von November 2014, weswegen Dragon Age Inquisition den Start verweigert.

Selbst per Inf-Modding konnten wir den Alpha nicht dazu überreden, den normalen Geforce-Treiber zu akzeptieren. Das Alpha-UI scheint eine bestimmte Version zu erwarten und zeigt kein Bild, wenn nicht der proprietäre Alienware-Treiber installiert ist. Geforce Experience fehlt, aber immerhin ist die vertikale Synchronisation auf 60 Hz voreingestellt.

Ryse läuft flüssig - Battlefield ruckelt

Das Innenleben der Alienware Alpha ist leicht zugänglich, da die Unterseite mit nur vier Schrauben gesichert ist. Auf der Rückseite des Mainboard-Trays sitzt die 2,5-Zoll-Festplatte, was die vergleichsweise lange Bootdauer erklärt. In unserem Mini-PC steckt eine Toshiba MQ mit 500 GByte Kapazität und 5.400 U/min, Flash-Cache fehlt. Wer das Laufwerk tauschen möchte, sollte die maximale Höhe von 7 mm beachten; selbst viele aktuellen HDDs sind dicker. Neben ac-WLAN bietet der Alpha Bluetooth 4.0 Low Energy.

Die Hauptplatine ist von zwei Radiallüftern und zwei großen Luftkanälen bedeckt, die über zwei Kühlkörpern mit Kupferkern sitzen. Die beiden Propeller pusten die Abwärme nach hinten aus dem Gehäuse und arbeiten auch unter Last sehr leise - kein Wunder bei der verbauten Hardware.

Alienware setzt auf gesockelte 35-Watt-Haswell-Prozessoren bis hin zum Core i7-4765T mit vier Kernen. In unserem Sample steckt ein Core i3-4130T mit zwei Kernen und Hyperthreading. Alle Alpha-PCs nutzen weiterhin die Maxwell-basierte Geforce GTX 860M mit 2 GByte GDDR5-Videospeicher; die entspricht der Geforce GTX 750 Ti. Grundlegend entspricht der Alpha damit einem günstigen PC, wohlwollend gesehen einem Mittelklassemodell.

Flotte Hardware für aktuelle Spiele

Die Leistung überzeugt meist: Selbst sehr anspruchsvolle Titel wie Crysis 3 oder Ryse laufen in 1080p mit hohen Details mit rund 30 Bildern pro Sekunde. Das sind mehr, als eine Xbox One bei schlechterer Grafik schafft (900p bei oft deutlich unter 30 fps). Ältere Spiele wie The Elder Scrolls 5 Skyrim stemmt der Alpha mit maximaler Qualität inklusive Textur-Mods und in vierfacher Multisampling-Kantenglättung mit meist weit über 50 Bildern pro Sekunde.

Der einzige Totalausfall in unserem Test war Battlefield 4 im Mehrspielermodus auf einem vollen 64-Mann-Server: Das Spiel belegt viel Arbeits- und Videospeicher und ruckelt furchtbar. Warum? Weil Alienware uns die kleinste Version des Alpha mit nur 4 GByte RAM geschickt hat.

Nachdem wir kurzerhand ein zweites 4-GByte-Modul eingebaut haben, läuft der Shooter durchweg flüssig, wenngleich in 1080p mit hohen Details und 45 fps nicht so rund wie auf den aktuellen Konsolen. Allerdings rendert die Xbox One nur in 720p und die Playstation 4 in 900p, jeweils hochskaliert.

Im Spielebetrieb bleibt der Alpha stets leiser als eine Xbox One oder die gut hörbare Playstation 4, die Leistungsaufnahme liegt je nach Spiel bei bis zu 92 Watt. Im Leerlauf mit Alpha-UI sind es niedrige 18 Watt und beim 1080p-Streaming der Netflix-Serie Marco Polo benötigt der Mini-PC 27 Watt. All das sind Werte, die deutlich unter den aktuellen Konsolen liegen.

Verfügbarkeit und Fazit

Dell verkauft den Alienware Alpha als Late-2014-Version für 550 bis 900 US-Dollar, in Deutschland sollen die kleinen Rechner künftig ab 500 Euro lieferbar sein. Alle Mini-PCs sind mit einer Geforce GTX 860M und einer je nach Modell 500 GByte bis 2 TByte großen Festplatte ausgestattet. Der kleinste Alpha bietet nur 4 GByte Arbeitsspeicher, alle anderen die doppelte Menge.

In den beiden größeren Mini-PCs steckt statt eines Haswell-Dualcore ein Quadcore-Pendant. Am ausgewogensten für seinen Preis erscheint uns der Alienware Alpha für 800 US-Dollar mit einer Geforce GTX 860M, 8 GByte Arbeitsspeicher, einer 1-TByte-HDD und einem Core i5-4590T.

Fazit

Alpha kommt aus dem Griechischen und steht für die Zahl 1. Es wird daher gerne als Synonym für eine frühe Version von Hardware oder Software verwendet. Allerdings ist Alpha auch der erste Buchstabe im Alphabet und bildet somit den Beginn. Auf Alienwares Alpha treffen beide Bedeutungen zu.

Der leise Mini-PC versteht sich als Vorreiter der Steam Machines, mangels finalen Steam OS und Steam-Controllers musste Dell aber selbst Hand anlegen. Uns gefällt die aus der Not geborene Alpha-UI genannte Oberfläche gut: Sie ist intuitiv zu bedienen, bietet alle relevanten Optionen für Gaming am Fernseher und als schlaue Idee die emulierte Maussteuerung. Die Beschränkung auf Steam Big Picture ist logisch, wenngleich nach einmaliger Einrichtung auch Origin-Spiele oder Modern-UI-Apps wie Netflix mit der Maus-Emulation funktionieren.

Ärgerlich: Was hat Dell dazu getrieben, der verbauten Geforce-Grafikeinheit GTX 860M eine proprietäre Devide-ID zu verpassen? Nvidias eigene Treiber sind zum Alienware Alpha inkompatibel, Inf-Modding funktioniert nicht. Damit müssen Käufer des Mini-PCs auf Dells Treibersupport hoffen, die letzte Version aber ist von Mitte November 2014 - Dragon Age Inquisition verweigert den Start.

Die langsame Festplatte ist angesichts des Preises zu verschmerzen, die Ladezeiten von beispielsweise Ryse sind auf einer Xbox One ähnlich. Unverständlich hingegen: Dell hat an alle Tester den kleinsten Alpha mit nur 4 GByte Arbeitsspeicher geschickt. Damit laufen zwar die meisten Spiele in 1080p bei hohen Details flüssig, Titel wie Battlefield 4 aber ruckeln erbärmlich.

Wir empfehlen allen Interessenten daher, entweder den kleinsten Alpha aufzurüsten oder gleich das nächstgrößere Modell zu kaufen. Dann trifft auf den Minirechner die dritte Bedeutung des griechischen Alpha zu: Es ist der bisher beste Wohnzimmer-Konsolen-PC.  (ms)


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