Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vlc-hauptentwickler-appstores-machen-kopfschmerzen-1502-112071.html    Veröffentlicht: 01.02.2015 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/112071

VLC-Hauptentwickler

"Appstores machen Kopfschmerzen"

Der VLC-Hauptentwickler Jean-Baptiste Kempf berichtet von den juristischen Schwierigkeiten, den Mediaplayer über verschiedene Appstores zu vertreiben. Er erzählt auch von einer verblüffenden Entdeckung.

Um weiter eine große Nutzerbasis zu erreichen, müsse der VLC-Player auch auf mobile Geräte portiert werden und die jeweiligen Appstores vertrieben werden, sagt Jean-Baptiste Kempf, einer der Hauptentwickler von VLC. Er hat sich deshalb mit den Bedingungen der Stores vertraut gemacht und berichtet in einem Vortrag bei der Fosdem nun von einer erstaunlichen Erkenntnis: Microsoft schneidet laut Kempf im direkten Vergleich der großen Anbieter am besten ab.

Begonnen hat der Programmierer seinen Vortrag jedoch mit der Feststellung, dass sämtliche kommerziellen Appstores "kompletter Müll" und prinzipiell einfach nur "schlecht" seien. Die Arbeit damit bereite Kopfschmerzen. Gezwungenermaßen müsse er sich wie viele andere trotzdem mit diesen Verbreitungswegen auseinandersetzen, die insbesondere für freie Software mit einer Copyleft-Lizenz einige Tücken bereithielten.

Windows macht es sehr einfach

Die Hindernisse gelten oft nicht explizit für Open Source, sondern für alle Apps und ergeben sich aus teils absurden Bedingungen. Microsoft erlaubt zum Beispiel eine in die App eingebaute Höchstgrenze, für wie viele Geräte die Software maximal heruntergeladen werden darf. Dieses Maximum muss seit kurzem aber bei mindestens 81 Geräten liegen. Woher diese ungewöhnliche Zahl stammt, kann Kempf sich nicht erklären.

Von derartigen Widrigkeiten abgesehen, biete Microsoft die bestmöglichen Bedingungen. So blieben sämtliche Rechte am Code ohne Einschränkungen bei den Urhebern. Darüber hinaus seien das Erstellen und der Vertrieb denkbar einfach. Das Unternehmen bietet ein SDK sowie eines speziell für Smartphones, die genutzt werden dürfen.

Einzige Voraussetzung ist, dass sich aus der Lizenzierung der App nicht ergeben darf, dass Microsoft eigenen Code offenlegen muss. Davon abgesehen sei aber das ganze Prozedere für den Windows Store darauf ausgelegt, Open-Source-Software darüber vertreiben zu dürfen. Das habe ihm sogar ein Mitarbeiter des Unternehmens bestätigt, versichert Kempf.



Googles Play Store erfordert gutes Lizenzwissen

Für Android-Apps gebe es ebenso kaum Beschränkungen. Dies gelte jedoch nur für die eigentlichen Apps. Aus der Benutzung des Play Stores sowie aus der Entwicklung für Android selbst ergeben sich einige Details, die teils Schwierigkeiten bereiten. Klar zu verstehen und einfach umzusetzen sind etwa die Forderung, keinen eigenen Appstore über Google Play zu vertreiben oder die Verpflichtung, die Apps anderer Anbieter nicht zu untersuchen.

Die Verwendung von NDK und SDK sei prinzipiell ebenso unproblematisch. Wird jedoch mit Hilfe der Appcompat-Bibliothek auf die System-APIs zugegriffen, können sich Lizenzprobleme ergeben. Besagte Bibliothek steht unter der Apache-v2-Lizenz und darf in eine eigene App integriert werden. GPLv2 und Apache-Lizenz sind jedoch nicht kompatibel. Der Fehler, dennoch Code unter beiden Lizenzen zu kombinieren, werde insbesondere von Entwicklern begannen, deren Apps über den freien F-Droid-Store vertrieben werden und selbst Open Source sind.

Itunes "extrem verwirrend"

Am kompliziertesten ist wohl aber der Vertrieb für iOS-Geräte über den von Apple vorgesehenen Weg. So würden etwa die Vereinbarungen sehr häufig aktualisiert, teilweise sogar im Vier-Wochen-Rhythmus, so Kempf. Dies betreffe mehrere Dokumente, von denen allein die Vereinbarung für das Entwickler-Programm etwa 60 Seiten umfasse.

Aus allem ergebe sich, dass das Videolan-Team die App zwar entwickeln und über den Store "einigermaßen okay" vertreiben könne, die Benutzung der App durch Anwender in den meisten Fällen wohl aber den Bestimmungen von Apple widerspreche. Letztlich müsse das Team seine Software für iOS auch noch unter einer obskuren Kombination von MPL, GPLv2 sowie zwei speziell erstellten, zusätzlichen Klauseln bereitstellen.

Dass sich trotz allem der Aufwand lohnt, zeigen die Nutzerzahlen, die Kempf in einem anderen Vortrag präsentiert. Demnach gebe es mehr als 40 Millionen auf Android, sowie etwa zehn Millionen auf iOS.  (sg)


Verwandte Artikel:
Libavcodec: Fehler ermöglichen Codeausführung in VLC-Codecbibliothek   
(20.01.2015, https://glm.io/111816 )
Freier Media-Player: VLC 3.0 eint alle Plattformen   
(09.02.2018, https://glm.io/132646 )
Videolan: VLC Player für Windows Phone ist da   
(05.01.2015, https://glm.io/111429 )
VLC, Kodi, Popcorn Time: Mediaplayer können über Untertitel gehackt werden   
(24.05.2017, https://glm.io/128020 )
Vialight Communications: Die Daten kommen per Laser vom Himmel   
(03.03.2017, https://glm.io/126505 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/