Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bootchess-487-byte-fuer-ein-vollwertiges-schachprogramm-1501-111987.html    Veröffentlicht: 28.01.2015 11:11    Kurz-URL: https://glm.io/111987

Bootchess

487 Byte für ein vollwertiges Schachprogramm

33 Jahre lang war ZX Chess für den Sinclair ZX81 mit 672 Byte das kleinste Schachprogramm der Welt - jetzt haben Programmierer diesen Rekord gebrochen: Ihr Programm hat nur noch 487 Byte und bietet dabei sogar einen KI-Gegner. Auf schicke Grafik sollte der Spieler aber keinen Wert legen.

Die Programmiergruppe Red Sector Inc. hat mit Bootchess das aktuell kleinste Schachprogramm der Welt veröffentlicht. Bootchess ist nur 487 Byte groß, also nicht mal ein halbes KByte. Zur Einordnung: 1.024 Byte sind 1 KByte, 1.024 KByte sind 1 MByte.

Bootchess bricht damit den seit 33 Jahren bestehenden Rekord des kleinsten Schachprogramms der Welt. Dieser wurde von ZX Chess für den Heimcomputer Sinclair ZX81 gehalten. ZX Chess ist mit 672 Byte zwar auch sehr klein, Bootchess kommt aber noch einmal knapp 200 Byte unter dessen Größe.

Grundfunktionen und grafische Oberfläche

Trotz der geringen Größe bietet Bootchess die Grundfunktionen des Schachspiels in einer grafischen Benutzeroberfläche - auch wenn diese nur aus Buchstaben und Zahlen besteht. Der Nutzer kann alle Figuren den Regeln entsprechend bewegen, das beinhaltet auch das Vorrücken um zwei Felder beim ersten Zug eines Bauern. Anders als ZX Chess ermöglicht es Bootchess zudem, einen Bauern zu einer Dame umzuwandeln, wenn er die gegnerische Grundlinie erreicht. Zudem ist die Spanische Eröffnung mit weißen Figuren programmiert.

Eine KI als Gegner ist ebenfalls einprogrammiert, hier mussten sich die Programmierer aufgrund der geringen Größe des Programms für einen Kompromiss entscheiden. Häufig wird bei Schachprogrammen eine KI verwendet, die nach dem Minmax-Prinzip ihre Züge wählt: Hier werden die möglichen Züge beider Seiten beurteilt und Figurenverluste minimiert sowie Figurengewinne maximiert. Bootchess hingegen maximiert die Figurengewinne, berücksichtigt aber keine möglichen Verluste. Stattdessen versucht das Programm, die Distanz zum gegnerischen König möglichst klein zu halten.

Abstriche bei bestimmten Zügen

Auch bei einigen Zügen mussten die Programmierer Kompromisse eingehen: So fehlt die Möglichkeit der Unterverwandlung, also die Verwandlung eines Bauern in eine andere Figur als eine Dame. Auch der En-Passant-Zug eines Bauern ist nicht möglich, ebenso wenig die Rochade. Nach drei gleichen Zügen endet die Partie zudem nicht automatisch in einem Remis.

Bootchess ist für Windows, Linux, Mac OS X, FreeBSD und MS-Dos erhältlich.  (tk)


Verwandte Artikel:
Spieletest: Wii Schach - Matt mit der Wiimote   
(22.02.2008, https://glm.io/57896 )
Tensorflow: Das US-Militär nutzt KI-Systeme von Google   
(07.03.2018, https://glm.io/133194 )
Security: Kopierschutz von Microsofts UWP ist nicht mehr unknackbar   
(16.02.2018, https://glm.io/132816 )
Google: Chrome wird künftig mit Clang statt Visual C++ entwickelt   
(06.03.2018, https://glm.io/133171 )
Microsoft Quantum: Q# kommt für MacOS, Linux und mit Python-Unterstützung   
(27.02.2018, https://glm.io/133020 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/