Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/asus-eeebook-x205ta-im-test-die-gelungene-rueckkehr-des-netbooks-1501-111692.html    Veröffentlicht: 19.01.2015 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/111692

Asus Eeebook X205TA im Test

Die gelungene Rückkehr des Netbooks

Klein, leicht und 220 Euro günstig: Das X205TA ist ein klassisches Netbook, wie es sie heute kaum noch gibt. Zwar drosselt Asus die Geschwindigkeit, dafür ist die Akkulaufzeit dank extrem niedriger Leistungsaufnahme äußerst lang.

Erinnert sich noch jemand an den ersten Eee-PC? Vor gut sieben Jahren veröffentlichte Asus ein winziges 7-Zoll-Notebook für gerade einmal 300 Euro, einige Monate später die 9-Zoll-Version zum gleichen Preis. Die verhalf Intels Atom-Serie zu einer solchen Marktdominanz, dass der Hersteller sie erst 2013 grundlegend überarbeitete. Heute spricht von Netbooks kaum noch jemand, Tablets haben ihnen längst den Rang abgelaufen. Das möchte Asus mit dem Eeebook X205TA wieder ändern.

Mit dem arg klobigen Design der frühen Netbooks hat Asus' abgerundetes, sauber verarbeitetes 11,6-Zoll-Gerät wenig gemein: Es mit 17,5 mm nur halb so dick wie beispielsweise der 36 mm hohe Eee-PC 901, zudem wiegt es nur 961 statt 1.112 Gramm. Bei den Anschlüssen hat sich weniger getan: Anstelle von VGA gibt's einen Micro-HDMI-Anschluss für Bildschirme mit bis zu 1.920 x 1.080 Pixeln, statt drei sind nur zwei USB-2.0-Ports vorhanden.

Der SD-Karten-Leser schrumpft zum Micro-SD-Kartenleser, der kombinierte Kopfhörer-Mikrofon-Anschluss mit mäßiger Ton- und Sprachqualität ist heute leider üblich. Die kleinen Stereo-Lautsprecher klingen auch nicht viel besser: Sie verschlucken Höhen, zeigen keine Tiefen, sondern überpräsente Mitten - und sonderlich laut sind sie auch nicht. Statt Ethernet wie früher gibt es beim X205TA heute Dual-Band-n-WLAN und Bluetooth.

Beim Aufklappen fällt sofort das spiegelnde Display auf, die mäßige maximale durchschnittliche Helligkeit von 192 (Netz) beziehungsweise 157 (Akku) cd/m² hilft da ohnehin nicht. Eine vertikale Blickwinkelstabilität ist beim verbauten TN-Panels kaum vorhanden, seitlich betrachtet verblassen und invertieren die Kontraste deutlich weniger. Detail am Rande: Mit 1.366 x 768 Bildpunkten auf 11,6 Zoll zeigt das Eeebook X205TA die nahezu identische Pixeldichte wie der 9-Zoll-Eee-PC vor sechs Jahren. Die oberhalb des Displays angebrachte Webcam mit VGA-Auflösung ist gefühlt genauso alt, ihre Bildqualität grottig.

Waren früher direkt nebeneinandersitzende Tasten typisch, geht Asus beim Eeebook X205TA mit dem Trend und verbaut ein unbeleuchtetes Chiclet-Keyboard. Die Beschriftungen der flachen, nicht konkaven Tasten sind nur aufgeklebt, dürften sich also mit der Zeit ablösen. Der Hub ist überraschend lang, der Druckpunkt hart, die kleinen Pfeiltasten sind gut erreichbar.

Das Touchpad nimmt viel Platz ein, gleitet gut und klickt sich sehr fest. Für Gesten liefert Asus eine spezielle Software mit, die es auch erlaubt, das Pad bei Nutzung einer Maus zu deaktivieren - eine gute Idee.

Langläufer mit lahmer eMMC

Asus verbaut im Eeebook X205TA Intels passiv gekühlten Atom Z3735F, eines der günstigsten Modelle der Bay-Trail-T-Reihe. Verglichen mit den schnarchigen Atoms von vor einigen Jahren stellt der Z3735F dank vier statt eines Kerns einen riesigen Sprung dar, zumal statt der uralten Bonnell- die neuere Silvermont-Technik verwendet wird. In Kombination mit 2 GByte verlötetem DDR3L-1333 entspricht das Eeebook X205TA bei der Ausstattung einem typischen Windows-8.1-Tablet.

Programme starten verglichen mit den alten Eee-PCs sehr zügig, dafür werden Daten nur langsam übertragen. Grund hierfür ist die verlötete eMMC von Hynix, die im besten Fall sequenziell mit 88 MByte pro Sekunde liest und mit 46 MByte pro Sekunde schreibt. Einen viel langsameren Speicher hätte Asus kaum verbauen können, selbst nicht mehr taufrische Festplatten sind schneller.

Ärgerlich: 8 der 32 GByte der eMMC sind durch die Recovery Partition belegt, Windows 8.1 (32 Bit) braucht ebenfalls einiges an Platz. Für den Nutzer stehen daher nur 13 GByte zur Verfügung, weswegen wir dazu raten, eine mittelgroße Micro-SD-Karte als dauerhaftes Daten-Grab einzustecken. Wir selbst haben eine 64-GByte-Micro-SD-Karte erfolgreich betrieben, laut Asus unterstützt das Eeebook X205TA bis zu 128 GByte an Zusatzspeicher.

Rein von der Prozessorgeschwindigkeit entspricht das Eeebook X205TA beispielsweise der Zbox Pico. Einfache Aufgaben wie im Internet surfen oder HD-Videos anschauen funktionieren wunderbar, bei mehr als einem Dutzend Tabs lahmt das kleine Notebook aber. Mit Netflix in 1080p oder Steams In-Home-Streaming gibt es keine Probleme. Einzige Auffälligkeit: Asus scheint den Turbo des Atom Z3735F beschnitten zu haben, die bis zu 1,83 erreicht das Eeebook X205TA nur höchst selten. Meist liegen nicht merklich langsamere 1,6 GHz an.

Warum das der Fall ist, konnte uns der Hersteller auf Nachfrage nicht erklären. Denkbar wäre eine längere Laufzeit, denn die überzeugt: Asus verbaut einen austauschbaren 38-Wh-Akku, der mittels eines 33-Watt-Netzteils mit proprietärem Stecker aufgeladen wird. Im Betrieb benötigt das Eeebook X205TA nur 3,7 (Leerlauf bei minimaler Helligkeit) über 5,8 (Leerlauf bei maximaler Helligkeit) bis 10,2 Watt (Luxmark auf CPU und GPU bei maximaler Helligkeit) mit aktivem WLAN im 5-GHz-Band.

Im Productivity-Test des Futuremark Powermark erreicht das kleine Notebook bei einer auf 150 cd/m² eingestellten Bildschirm-Helligkeit eine Laufzeit von satten 516 Minuten - das entspricht knapp neun Stunden. Im echten Alltag mit Tippen, Surfen, dem Betrachten von PDFs, dem Streamen von Videos und dem Verkleinern von Bildern hält der Akku nicht ganz so lange.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Asus X205TA ist in verschiedenen Farben für rund 220 Euro lieferbar. Allen Modellen gemein ist das vorinstallierte Windows 8.1 mit Bing, eine zwölf Monate gültige Version von Office 365 Personal und der Zugriff auf 5 GByte im Asus Webstorage (maximal 500 MByte pro Datei). Die Herstellergarantie beträgt nur ein Jahr, für 50 Euro Aufpreis immerhin zwei Jahre.

Fazit

Auch wenn Asus das X205TA aus Marketing-Gründen als Eeebook bezeichnet: Faktisch handelt es sich hierbei um die moderne Inkarnation eines Netbooks - und im Inneren steckt Technik wie in Tablets. Das 11,6-Zoll-Notebook ist kompakt und wiegt etwas weniger als ein Kilogramm. Trotz der geringen Maße gefallen uns die Eingabegeräte wie das große Gesten-Touchpad.

Die Schnittstellen entsprechen heutigen Standards, wenngleich wir USB 3.0 vermissen und statt des Micro-HDMI-Ausgangs lieber einen Port in voller Größe gesehen hätten. So ist ein Adapter notwendig, um das X205TA an den Fernseher oder Monitor zu hängen.

Die Geschwindigkeit ähnelt einem typischen Windows-8.1-Tablet, genügt also alltäglichen Ansprüchen wie Office, Streaming und Web-Browsing. Einzig die sehr langsame eMMC trübt die Leistung, dafür gibt sie wie das restliche Eeebook keinen Laut von sich. Das niedrig auflösende Display mit TN-Panel ist für die Preisklasse typisch, das Mikrofon geht in Ordnung, die Webcam ist allerdings mies. Sehr schön: Der Akku hält rund neun Stunden durch.

Für 220 Euro ist Asus' X205TA im Gesamtpaket das empfehlenswerteste Gerät. In der gleichen Preisklasse gibt es nur Chromebooks sowie schwerere Windows-Geräte mit Dual- statt Quadcore-Atom und kürzerer Laufzeit.  (ms)


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