Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/palantir-big-data-fuer-nsa-justiz-und-journalisten-1501-111621.html    Veröffentlicht: 12.01.2015 11:32    Kurz-URL: https://glm.io/111621

Palantir

Big Data für NSA, Justiz und Journalisten

Aus einem Prospekt für Investoren geht hervor, was die Produkte der US-Softwarefirma Palantir alles können. Dazu zählen unter anderem die Vorhersage von Straftaten und von Anlagebetrug und die Analyse von Organhandel. Letzteres machen sich dem Bericht zufolge Journalisten zunutze.

Das seit zehn Jahren existierende Unternehmen Palantir sucht neue Investoren. Dafür hat die Firma, die ursprünglich von einem CIA-Ableger finanziert wurde, einen vertraulichen Prospekt erstellt. Dieser ist Techcrunch in die Hände gefallen und beschreibt, wie weitreichend die Fähigkeiten der Programme zur Auswertung von Big-Data-Beständen sind.

Bekannt wurde das Unternehmen in den USA unter anderem dadurch, dass mit seinen Produkten ein Datenbestand von 20 TByte im Fall des Anlagebetrügers Bernie Madoff von den Strafverfolgungsbehörden innerhalb weniger Stunden ausgewertet werden konnte. Auf dem Höhepunkt der Kontroverse um Veröffentlichungen von Geheimmaterial durch Wikileaks wurde Palantir auch für die Möglichkeit von gezielten Attacken auf das Enthüllungsprojekt durch US-Behörden angefragt. Nachdem das bekanntwurde, zog sich das Unternehmen aus dem Vorhaben zurück. Auf seiner Webseite stellt sich Palantir unter anderem als Dienstleister bei Katastrophenhilfe dar.

Die Werkzeuge von Palantir sind dem Bericht zufolge in der Lage, viele Datenbanken in einem gemeinsamen Index zusammenzufassen, der sich dann mit menschlicher Sprache abfragen lässt. Als Beispiel nennt Techcrunch die Polizei von Los Angeles (LAPD), die mit Programmen von Palantir 160 verschiedene Datenbanken zentral anzapfen können soll.

Geheimdienste und Krankenkassen gehören zu den Kunden

Solche Fähigkeiten sind auch bei den Geheimdiensten und dem Militär gefragt. In dem Prospekt wird ein Ex-Marinesoldat wie folgt zitiert: "Es ist die Kombination von allen Analysewerkzeugen, die man sich erträumen könnte. Man erkennt jeden Bösen in der Umgebung.". Neben diversen Militäreinheiten sollen auch CIA, NSA, die Heimatschutzbehörde und die Gesundheitsbehörde CDC Produkte von Palantir einsetzen.

Das Auswerten von medizinischen Daten scheint eine weitere Spezialität der Software zu sein, denn auch Krankenkassen in den USA sollen damit experimentiert haben. Im konkreten Fall ging es um möglicherweise betrügerische Abrechnungen, die sich mit Palantir-Produkten auffindbar gemacht haben sollen. Ähnlich wie im Fall von Bernie Madoff können die Programme offenbar die Zusammenhänge von Finanztransaktionen einfach darstellen.

Das soll sich auch das renommierte ICIJ zunutze machen, ein Netzwerk von investigativen Journalisten. Die Organisation soll Palantirs Software dazu verwendet haben, illegalen Organhandel aufzudecken. Inzwischen dürften die Fähigkeiten der Produkte von Palantir noch deutlich weiter entwickelt sein, denn der Prospekt datiert aus dem Jahr 2013.

Den Fallbeispielen aus dem Bericht von Techcrunch zufolge stellt die Software von Palantir wohl ein Gegenstück zum NSA-Tool Xkeyscore dar, das Telekommunikationsdaten aus verschiedenen Quellen kombiniert und durchsuchbar macht. Der wesentliche Unterschied: Programme von Palantir kann man offenbar frei kaufen.  (nie)


Verwandte Artikel:
Fireeye: Telekom feiert Partnerschaft mit US-Geheimdienst-naher Firma   
(29.10.2014, https://glm.io/110170 )
Ubisoft: Big-Data-KI entdeckt Bugs beim Programmieren   
(06.03.2018, https://glm.io/133162 )
BND-Gesetz: Journalisten klagen gegen Überwachung   
(30.01.2018, https://glm.io/132478 )
Verschlüsselung: Die NSA-Attacke auf VPN   
(29.12.2014, https://glm.io/111381 )
Bundeshack: Ausländischer Geheimdienst soll Regierung gewarnt haben   
(02.03.2018, https://glm.io/133112 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/