Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oneplus-unsere-verkaufserwartungen-waren-falsch-1501-111499.html    Veröffentlicht: 07.01.2015 07:40    Kurz-URL: https://glm.io/111499

Oneplus

"Unsere Verkaufserwartungen waren falsch"

Am Rande der CES hat sich Oneplus-Mitgründer Carl Pei mit Golem.de über das erste Jahr seines Unternehmens, künftige Geräte und das Verkaufsverbot des One in Indien unterhalten. Dabei machte er deutlich, dass Oneplus' Hauptmärkte künftig nicht mehr in Asien liegen - und dass Oneplus auch mit Software Geld verdienen will.

Als das chinesische Unternehmen Oneplus sein Smartphone One offiziell vorstellte und Preise zwischen 270 und 300 Euro angab, wühlte das den Markt der Android-Smartphones auf. Ein Gerät mit dieser Ausstattung zu diesem Preis hatte es vorher noch nicht gegeben - zumal das One auch im Test sehr gut abschnitt.

Von Anfang an machte es das Einladungssystem aber vielen interessierten Käufern schwer: Auch wer ein One wollte, ohne eine Einladung von Oneplus oder einem anderen Käufer ging nichts. Der Oneplus-Mitgründer und Chef der globalen Sektion, Carl Pei, äußerte sich im Gespräch mit Golem.de am Rande der CES 2015 selbstkritisch über den Start des One.

Kalkulationen waren falsch

"Im Rückblick haben wir sicherlich Fehler bei der Kommunikation gemacht", sagte Pei. "Wir mussten allerdings aufgrund fehlender finanzieller Rücklagen eher konservativ kalkulieren - vom heutigen Standpunkt aus waren unsere Berechnungen falsch." Oneplus wurde von der Nachfrage überrumpelt - anfangs waren einfach nicht genügend Smartphones zum Verschicken da. "Unser Produktionszyklus betrug beim Start des One dreieinhalb Monate. Wir haben immer nur so viele Einladungen verteilt, wie wir Ones vorrätig hatten - so wollten wir eigentlich verhindern, dass Kunden wegen zu langer Lieferzeiten frustriert sind." Letztlich dürfte dieses System aber dennoch zu vielen unzufriedenen Kunden geführt haben.

Anfangs hatte Oneplus laut Pei nur fünf Mitarbeiter, die sich um das One kümmerten - mittlerweile sind es 80 Festangestellte aus 14 Ländern. Außerdem ging es in der Anfangsphase auch um Wirtschaftlichkeit: "Im ersten Jahr ging es vordergründig darum, dass wir als Firma überleben", erklärte Pei - daher die vorsichtige Kalkulation. Künftig werde es häufiger Sonderverkäufe geben, in denen das One ohne Einladung gekauft werden kann. Das Einladungssystem abschaffen wird Oneplus aber nicht: "Wir werden das Einladungssystem beibehalten, wahrscheinlich bis zum Ende des Produktzyklus des One", sagte Pei.

Diesen hat Oneplus gerade erst verlängert, das Unternehmen plant mit dem One jetzt bis Ende 2015. Dennoch sollen in diesem Jahr mit dem Oneplus Two nicht nur ein neues Top-Smartphone, sondern möglicherweise auch Mittelklasse-Smartphones sowie ein Fitness-Armband und eine Smartwatch erscheinen. "Beim Oneplus Two kann ich noch keine genauen Details zur technischen Ausstattung geben, es wird aber wieder ein Oberklasse-Smartphone werden. Wir probieren aktuell viele technische Ausstattungsdetails aus, mit denen wir die Nutzer überraschen wollen", sagte Pei.

Streit in Indien forciert Entwicklung eigener Android-Version

Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass das neue Smartphone mit einer eigenen Android-Version erscheinen wird. Aktuell streitet sich Oneplus mit dem indischen Hersteller Micromax über den Verkauf des One in Indien. Grund ist ein Vertrag, der Micromax die exklusive Verwendung des Betriebssystems Cyanogenmod in Indien garantiert - das One kommt allerdings auch mit Cyanogenmod. "Ich kann während des laufenden Verfahrens natürlich keine genauen Details dazu nennen", sagte Pei. "Wir sind allerdings von der Entscheidung des Gerichtes komplett überrascht worden, da es im Vorfeld keine Anzeichen für dieses Problem gab."

"Wir haben jedoch einen Plan in der Hinterhand, in Indien Cyanogenmod als Betriebssystem des One notfalls schnell ersetzen zu können", erklärte er weiter. Längerfristig will Oneplus komplett auf eine eigene Android-Version umschwenken. Diese soll - wie Cyanogenmod auch - eher wie ein pures Android aussehen.

Europa und die USA künftig wichtigste Märkte

Langfristig sieht Pei - anders als andere chinesische Hersteller - zudem nicht mehr China oder Asien als wichtigste Märkte für Oneplus. Zwar wolle sich der Hersteller zunächst noch auf aufstrebende Märkte wie Indien konzentrieren. "Wir sind aber ein Global-First-Unternehmen: In Zukunft werden unsere Geräte als erstes in Europa und den USA angeboten werden", sagte er.

Das Oneplus Two soll wie das One auch wieder mit einer recht geringen Gewinnmarge verkauft werden - also zu keinem besonders hohen Preis. Langfristig möchte Pei mit Oneplus ähnlich wie Google auch Geld mit Software verdienen. "Wir planen, eine eigene Software-Suite zu erstellen, mit der wir Einnahmen generieren können." Wie genau diese aussehen soll, konnte Pei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Nachtrag

Im Gespräch mit der PC World hat Oneplus verraten, dass bisher knapp eine Million One-Smartphones verkauft wurden. Anvisiert waren lediglich 30.000 bis 50.000 verkaufte Geräte. Das Oneplus Two will das Unternehmen in rund sechs Monaten fertig haben.  (tk)


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