Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0012/11123.html    Veröffentlicht: 01.12.2000 10:41    Kurz-URL: https://glm.io/11123

PC Praxis wegen Anleitung zum CD-Kopierschutz-Knacken gerügt

Electronic Arts erwägt Klage gegen Zeitschrift

Anlässlich einer in der heute erschienenen Ausgabe 01/2001 der Zeitschrift PC Praxis abgedruckten Anleitung zum Kopieren von kopiergeschützten CDs erwägt der Spielepublisher Electronic Arts (EA) eine Klage gegen den Verlag Data Becker. EA sieht in dem beanstandeten Artikel, trotz rechtlicher Hinweise der PC-Praxis-Redaktion, eine direkte Aufforderung zur Anfertigung von Raubkopien.

Stein des Anstosses
Stein des Anstosses
In einer Pressemitteilung vom Mittwoch zeigte sich Oliver Kaltner, Marketingdirektor von EA Deutschland, verärgert darüber, dass dies ausgerechnet durch eine Computer-Fachzeitschrift geschehe: "Die Redaktion zieht sich eindeutig aus der Verantwortung, die Leser über die Illegalität der Anfertigung von Raubkopien in ausreichendem Maße aufzuklären. In keinem Fall werden wir diese Vorgehensweise tolerieren."

Die PC-Praxis-Redaktion hat zu den klagenden Worten von EA unterdessen Stellung bezogen und erklärt, dass man mit plastischen, etwas provokativen Worten auf die ganze Problematik hinweisen wollte, "im Bestreben, auch hier zu Lande eine offene Diskussion in Gang zu bringen". Im Rahmen der detaillierten Erklärung, wie man die auf der Heft-CD enthaltenen speziellen CD-Brenn-Programme zum Aushebeln verschiedener Kopierschutzmechanismen benutzt, scheint die PC Praxis allerdings weniger die Diskussionsbereitschaft der Softwarehersteller entfacht zu haben - vielmehr hat die Zeitschrift, trotz der nicht zu übersehenden Hinweise auf rechtliche Hintergründe, einen empfindlichen Nerv getroffen.

"Wir haben in dem Artikel an verschiedenen Stellen auf die Brisanz des Themas und die rechtlichen Hintergründe hingewiesen und sind somit aufklärerisch tätig gewesen. Vielleicht haben wir dies nicht deutlich genug herausgestellt. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass wir Raubkopien in irgendeiner Weise gutheißen oder bagatellisieren", ergänzt Axel Telzerow, Chefredakteur der PC Praxis.

Die PC Praxis hat sich dem Thema sehr ausführlich angenommen und lockt mit dem etwas reißerischen Covertitel "Kopierschutz geknackt - Die besten CD-Brenner und Programme". In einer Serie von Artikeln erläutert die Zeitschrift alles vom Kopieren von PC-Software, PlayStation-CDs bis hin zum Entschlüsseln und Komprimieren von DVDs auf CDs. Freuen wird es allerdings nur den Verbraucher, für die Wirtschaft und damit auch die Anzeigenkunden der PC Praxis wird das weniger gelten. Zumindest EA will in Zukunft keine Anzeigen mehr in der PC Praxis schalten. Ob es auch zu einer Klage kommt, wird sich allerdings noch zeigen - gegenüber Golem.de erklärte Denise Schramm, Pressesprecherin bei EA, dass man erst beobachten wolle, wie andere Unternehmen auf den Artikel reagieren.

Laut Schätzungen des Verbandes der Unterhaltungsbranche (VUD) haben Raubkopien der Unterhaltungsbranche alleine in Deutschland im vergangenen Jahr einen Schaden von ungefähr einer Milliarde DM zugefügt, was etwa einem Drittel des gesamten Umsatzes der Branche entspricht.  (ck)


© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/