Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dienste-und-programme-was-2014-eingestellt-wurde-1501-111220.html    Veröffentlicht: 02.01.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/111220

Dienste und Programme

Was 2014 eingestellt wurde

Aus und vorbei: Auch 2014 haben Tech-Firmen Dienste eingestellt und Produkte vom Markt genommen. Von Enzyklopädien und Software-Opas.

Programme wie Lotus 1-2-3 sind uralt und längst überholt. Andere wie Prey 2 schaffen nicht mal die Veröffentlichung. Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass Software nicht weiterentwickelt wird, Dienste eingestellt oder Firmen geschlossen werden. Wir haben 2014 über viele solcher Unternehmen und Programme berichtet. Eine Auswahl.

Aus für Bump

Das neue Jahr zählt noch nicht mal 24 Stunden, da ereilt uns die Meldung, dass Google seine Datenübertragungs-App Bump einstellen wolle. Der Grund: Das Bump-Team sei zu sehr in die Entwicklung neuer Projekte bei Google eingebunden. Am 31. Januar ist Schluss mit Bump. Nutzer können bis zu diesem Zeitpunkt ihre Daten sichern. Google hat den Dienst knapp vier Monate vorher übernommen.

Mit der Bump-App für Android und iOS konnten Nutzer Daten drahtlos austauschen, indem sie ihre Telefone aneinanderstießen. Auch mit dem PC war ein Datenaustausch möglich. Das Smartphone musste an die Leertaste gestoßen werde.

LogMeIn stellt Free ein

Wenige Wochen später - Ende Januar - stellt LogMeIn sein kostenloses Remote-Desktop-Programm LogMeIn Free ein. Etwas übereilt werden die kostenlosen Zugänge für Nutzer gesperrt. Selbst Kunden, die die Apps für mobile Geräte bezahlt haben, müssen beinahe von jetzt auf gleich eine Jahresgebühr zahlen. Genau sieben Tage haben die Nutzer Zeit, sich zu entscheiden. Danach will LogMeIn nur noch ein kostenpflichtiges Abo anbieten.

Die Reaktionen auf die Einstellung der kostenlosen Anwendung im Herstellerforum sind überwiegend negativ. In E-Mails an die Nutzer erwähnt LogMeIn die auf eine Woche befristete Übergangsphase nicht. Noch etwas anderes ärgert die Nutzer: In einem Facebook-Post aus dem Jahr 2011 hat das Unternehmen geschrieben: "LogMeIn Free ist kostenlos und wird es für immer bleiben." Das Versprechen wird nicht gehalten.

Mit LogMeIn Free konnte kostenlos auf den heimischen Rechner zugegriffen werden - entweder von anderen Desktop-Betriebssystemen oder von mobilen Systemen wie iOS und Android.

Infopath wird nicht weiterentwickelt

Aus für Infopath: Über zehn Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Infopath-Version kündigt Microsoft im Februar das Ende für das Programm an. Infopath 2013 ist die letzte Version des Programms für Formulardesign.

Die Nutzer müssen sich mit der Suche nach einer Ersatzlösung allerdings nicht beeilen. Infopath wird noch lange unterstützt werden: Es wird wie bei Microsoft üblich noch bis 2023 mit Updates und vor allem Sicherheits-Support versorgt. Zudem wird an einer neuen Integration in Word und Access gearbeitet.

Windows Live Messenger nicht mehr nutzbar

Es hat sich ausgechattet: Im April, knapp einen Monat später als geplant, schaltet Microsoft seinen Windows Live Messenger ab. Die Ankündigung kam bereits im November 2012. Man wolle den Instant-Messenger mit Skype vereinigen, hieß es damals in einer Mail an die Nutzer des Dienstes. Kontakte würden automatisch übernommen und in Skype integriert.

Eine Ausnahme bei der Abschaltung ist China. Dort wird die Anwendung weiterhin angeboten, denn hier wird Skype von der Firma TOM betrieben. Diese bietet eine angepasste Skype-Version an, unter anderem, um den chinesischen Zensurvorschriften zu entsprechen.

Ade, Windows XP

Sieben Jahre Zeit hatten Anwender, um sich von Windows XP zu verabschieden - so lange ist das Support-Ende am 8. April schon bekannt. Trotzdem kommt das Ende der Unterstützung für einige zu früh. Nicht nur die britische Regierung, auch das Land Niedersachsen zahlt in den kommenden Monaten viel Geld dafür, dass Tausende oder gar Hunderttausende Windows-XP-Rechner weiterhin von Microsoft betreut werden.

Für alle anderen Anwender ist aber Schluss. Nach über zwölf Jahren bietet Microsoft, der Hersteller von Windows, keine Reparaturen mehr an. Nach Ablauf des Supports schauen sich XP-Nutzer nach Alternativen um. Der meistkommentierte Artikel bei Golem.de ist ein Vergleich von Linux-Distributionen.

Facebook ohne E-Mail

Milliarden Nutzer, aber wenig erfolgreich: Zwei Jahre nach der Einführung schafft Facebook im Februar die @facebook.com-E-Mail-Adressen für seine Nutzer wieder ab. Im April 2012 hatten Facebook-Mitglieder automatisch eine E-Mail-Adresse zugeteilt bekommen - eine Wahl hatten die Nutzer nicht. Zudem machte Facebook die E-Mail-Adresse in Profilangaben des Nutzers öffentlich sichtbar.

E-Mails an eine Facebook-Adresse werden ab jetzt an die persönliche E-Mail-Adresse weitergeleitet, die der Nutzer zum Anmelden verwendet.

Gamespy hat ausgespielt

Multiplayermatches ohne Gamespy? Vor Jahren beinahe undenkbar. Viele erfolgreiche Spiele wie Age of Empires, Quake und Counter Strike liefen über den Dienst. Im Mai wird Gamespy trotzdem eingestellt. Gründe werden nicht genannt. Immer mehr Publisher setzen inzwischen auf eigene Angebote. Dazu kommt die Konkurrenz der von den Konsolenherstellern selbst betriebenen Server.

Das 1997 gestartete Gamespy gehörte jahrelang zu den Marktführern bei der Ermöglichung von Multiplayermatches. Eines der bekannteren Angebote war etwa die Serversuchmaschine Gamespy Arcade.

Gamespy gehörte seit August 2012 zum US-Unternehmen Glu Mobile, das sein Geld eigentlich mit der Entwicklung und Vermarktung von Mobilegames verdient. Mit der Spielewebseite Gamespy hatte der vor der Einstellung stehende Dienst schon länger nichts mehr zu tun: Gamespy.com wurde Anfang 2013 vom Verlag Ziff Davis übernommen.

Yahoo gibt Do Not Track auf

Im Mai stellt Yahoo die Unterstützung für die Do-Not-Track-Option in Browsern ein. Grund: eine mangelnde Standardisierung und Adaption durch andere Anbieter. Nur wenige Unternehmen setzen Do Not Track (DNT) um, darunter Pinterest und Twitter. Zu wenig.

Außerdem gebe es zahlreiche alternative Werkzeuge zum Schutz der Privatsphäre, schreibt Yahoo in einer Mitteilung. Diese könnten im Yahoo Privacy Center eingestellt werden. Yahoo war laut eigener Aussage eines der ersten Unternehmen, das DNT umsetzte.

Ubuntu One ist nicht mehr von Interesse

Der Dateispeicher- und Synchronisationsdienst Ubuntu One wird am 1. Juni eingestellt. Mit der Konkurrenz könne das Unternehmen nicht mehr mithalten, teilt das Projekt mit. Die dazugehörigen Anwendungen sind auch schon nicht mehr in Ubuntu 14.04 LTS enthalten.

Das Unternehmen habe mittlerweile andere strategische Interessen, in erster Linie das Erstellen des "besten konvergenten Desktops für Smartphones, Tablets und Desktops", heißt es. Dieses Ziel ist aber noch längst nicht erreicht, da Unity 8 mit Mir immer wieder verschoben wurde.

Aus für Aperture

Nur noch Updates, aber keine Weiterentwicklung: Nach neun Jahren stellt Apple sein Bildbearbeitungsprogramm Aperture ein. Überraschend kommt die Ankündigung im Juni nicht. Anfang 2010 hat Apple mit Aperture 3 die letzte Hauptversion des Programms vorgestellt. Später gab es nur noch kosmetische Updates wie die Anbindung an iCloud. Als Alternative stellt Apple eine neue Foto-App vor. Diese bietet aber längst nicht alle Funktionen, die Aperture hatte. Professionelle Nutzer sind darum mit Adobe Lightroom besser bedient.

Googles Facebook-Konkurrent Orkut wird geschlossen

Zehn Jahre alt ist das Soziale Netzwerk Orkut, als die Ankündigung von Google im Juni kommt, dass Orkut beendet wird. Vor allem in Brasilien war der Dienst beliebt, konnte sich aber nicht gegen Facebook durchsetzen.

Das Google-Netzwerk startete wenige Tage nach Facebook Ende Januar 2004. Der Service war vom Google-Mitarbeiter Orkut Büyükkökten in den 20 Prozent der Arbeitszeit entwickelt worden, die man bei dem Internet-Konzern für eigene Projekte verwenden darf.

Damit geht die Auslese unter den lokal populären Facebook-Konkurrenten weiter. In Deutschland schlossen kurz vorher die VZ-Netzwerke und Wer-kennt-wen.

Brockhaus nur noch online

Aus für den Brockhaus. Zumindest die gedruckte Ausgabe wird es künftig nicht mehr geben. Die Online-Ausgabe gebe es weiterhin, teilt der Verlag Wissenmedia im August mit. Die Onlineenzyklopädie soll weiter gepflegt werden. Wie lange noch, ist nicht bekannt. Der Verlag spricht von mehreren Jahren.

Dem gedruckten Brockhaus hatten Onlineangebote wie die Wikipedia zu schaffen gemacht. Vor knapp zehn Jahren, im Jahr 2005, hatte man darin noch keine Konkurrenz gesehen. Auch wenn die Quantität bei der Wikipedia hoch sei, habe diese "noch nie irgendwie dafür gesorgt, dass auch eine Qualität entsteht", kritisierte Holoch damals die freie Enzyklopädie und verwies auf die hohe Zahl an Rechtschreibfehlern darin.

Nur drei Jahre später hatte der Brockhaus ein Lexikonportal online gestellt.

Kein iPod Classic mehr

Heimlich, still und leise: Mit der Vorstellung seiner neuen iPhones im September hat Apple auch den iPod Classic sterben lassen. Ohne weitere Ankündigung ist das Gerät, das es seit 2001 gab, von den iPod-Produktseiten verschwunden.

Nachdem es bereits 2009 Gerüchte über ein Aus für den Medienplayer mit Festplatte gab und Apple seitdem auch keine neuen Modelle mehr vorgestellt hatte, wird das Gerät mit seiner 160-GByte-Festplatte nun bereits knapp. Viele Händler bieten den Mediaplayer mit Festplatte gar nicht mehr direkt an, andere erhöhen die Preise.

Amazon Deutschland hatte den iPod Classic Anfang September noch im Programm, inzwischen bietet das Unternehmen den Player nicht mehr selbst an, sondern nur noch über Händler.

Nokia Sync gibt es nicht mehr

Kein Nokia Sync mehr: Microsoft kündigt im September an, den Cloud-Dienst zum 5. Dezember einzustellen. Alle Funktionen könnten dann aber mit einem Microsoft-Konto genutzt werden. Die Nutzer werden von Microsoft aufgefordert, ihre Daten zu sichern, da diese dann auf den Servern gelöscht würden.

Mit Nokia Sync ließen sich mehrere Symbian- und Meego-Smartphones synchronisieren. Nutzer konnten Kontakte, Termine und Notizen austauschen. Bis Mitte 2015 will Microsoft übrigens den bisherigen Nokia Store komplett einstellen.

IBM schickt Lotus 1-2-3 in den Ruhestand

30 Jahre alt und am Ende: Die Tabellenkalkulation Lotus 1-2-3 stammt aus der Anfangszeit der PCs. Seit September wird die Software von IBM nicht mehr unterstützt. Beworben wird Lotus 1-2-3 schon seit Mitte 2013 nicht mehr. <#youtube id="UTxmR5ryeE"> Wer sich für die Geschichte der Software interessiert, kann den Wikipedia-Eintrag dazu lesen. Außerdem gibt es ein Youtube-Video, das die Anfangsjahre der Software betrachtet.

Mac Mini ohne Server

Ausgemustert: Der Verkauf des Mac Mini Server wird im Oktober eingestellt. Kurz zuvor hat Apple den Mac Mini mit neuer Prozessorausstattung vorgestellt. Für diesen steht OS X Server 4.0 zur Verfügung. Damit lassen sich auch andere Apple-Geräte zu einem Server umfunktionieren.

Seit 2010 gab es verschiedene Versionen des Mac Mini Server. Die letzte Variante hatte 4 GByte Ram und einen 2,3 GHz Intel Core i7 und kostete mit zwei 1-TByte-Festplatten rund 1.000 Euro.

Das Beten für Prey 2 war vergebens

Auch im Spielebereich gibt es in diesem Jahr einige Abschiedsmeldungen. Bethesdas Vize Pete Hines bestätigt im Oktober zum Beispiel das Ende der Entwicklung von Prey 2. Acht Jahre nach Prey sind die Arbeiten an einem Nachfolger damit beendet. 2008 hatten die Arbeiten an einem zweiten Teil des Shooters begonnen. 2012 sollte das Spiel veröffentlicht werden, wurde dann aber zurückgezogen. Im Juni 2013 teilte Hines mit, dass Prey immer noch in der Entwicklung sei. Damals hatte Bethesda das Projekt bereits an die Arkane Studios übergeben, die an einer Umsetzung für PC und Next-Gen-Konsolen arbeiteten. Die Veröffentlichung war für das dritte Quartal 2016 angesetzt.

Yahoo schafft Directory ab

Yahoo nimmt seinen Katalog Directory vom Netz. Am 31. Dezember ist Schluss mit dem vor 20 Jahren gestarteten Internetverzeichnis. "Mit dem Katalog verschwindet ein Stück Netzgeschichte", schrieben wir in unserer Nachricht dazu.

Die beiden Yahoo-Gründer Jerry Yang und David Filo hatten den Katalog 1994 zunächst als "Jerry and David's Guide to the World Wide Web" ins Netz gestellt. Sie wollten ein thematisch geordnetes Verzeichnis des Internets einrichten. Zwei Jahre nach dem Start des englischsprachigen Angebots folgte ein Katalog auf Deutsch.

Neben Yahoo Directory will das Unternehmen zwei weitere Angebote abschaffen: Yahoo Education, ein Katalog für Bildungsangebote, und die Video-App Qwiki.

Dabei wird es nicht bleiben. Auch im kommenden Jahr werden Dienste von Anbietern eingestellt und Programme nicht weiterentwickelt werden. Wir werden darüber berichten.  (sha)


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