Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/websicherheit-chrome-will-vor-http-verbindungen-warnen-1412-111157.html    Veröffentlicht: 13.12.2014 11:35    Kurz-URL: https://glm.io/111157

Websicherheit

Chrome will vor HTTP-Verbindungen warnen

Die Entwickler des Google-Browsers planen Warnsymbole bei unverschlüsselten HTTP-Verbindungen. Langfristig ist das Ziel, dass HTTPS-Verbindungen der Standard und HTTP-Verbindungen die Ausnahme werden.

Bisher ist es nur ein Plan, den Chrome-Entwickler Chris Palmer zur Diskussion stellt - doch der dürfte für Furore sorgen: Künftige Versionen des Chrome-Browsers von Google könnten vor HTTP-Verbindungen ohne TLS-Verschlüsselung im Benutzerinterface warnen. Eine Verbindung zu einer HTTP-Webseite würde dann so aussehen wie heute eine HTTPS-Verbindung mit fehlerhaftem Zertifikat.

Abwesenheit von Sicherheitssymbol wird ignoriert

Dass Google HTTPS zum Standard im Netz machen möchte, ist nicht neu, aber dieser Plan dürfte das Vorhaben auf eine neue Stufe heben. Bisher werden HTTPS-Verbindungen üblicherweise mit einem grünen Schloss angezeigt, bei gewöhnlichen HTTP-Verbindungen erscheint dies nicht. Das sei aber ein Problem, wird in dem Google-Vorschlag argumentiert, denn Nutzer nähmen die Abwesenheit eines Sicherheitssymbols oft nicht wahr. Künftig könnten daher HTTP-Inhalte mit einem Warnsymbol angezeigt werden.

Dieses Vorgehen würde eine lange vorhandene Paradoxie bei HTTPS-Verbindungen beenden. Bisher riskieren Webmaster, die HTTPS einsetzen, dass ihre Nutzer diverse Warnungen angezeigt bekommen - wenn vergessen wird, das Zertifikat auszutauschen oder auch, wenn HTTP-Inhalte auf HTTPS-Seiten eingebunden werden (sogenannter Mixed-Content). Daher schafft das momentane System eher Anreize, unsichere Verbindungen einzusetzen, um sich mögliche Probleme zu ersparen.

Google will Seiten künftig in drei Kategorien einteilen: Sichere Webseiten, fragwürdige Seiten (etwa Seiten mit Mixed Content oder kleinen Fehlern bei der TLS-Konfiguration) und unsichere Seiten (fehlerhafte TLS-Konfiguration oder eben HTTP). Langfristig will Google die Sicherheitssymbole bei HTTPS ganz abschaffen und verschlüsselte Verbindungen so anzeigen wie heute HTTP-Verbindungen.

Aufruf zur Diskussion

Einen genauen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht. Laut dem Google-Plan kann man sich vorstellen, die Umstellung in verschiedenen Stufen in Abhängigkeit von der Anzahl der verschlüsselten Webseiten im Netz durchzuführen. Palmer wünscht sich zunächst Feedback von Webentwicklern, Interfacedesignern und Nutzern. Andere Browserhersteller werden indirekt aufgefordert, ebenfalls über ähnliche Pläne nachzudenken.

Google treibt bereits seit längerem die Verbreitung von HTTPS voran. Vor zwei Jahren hat der Konzern seine Suchmaschine auf HTTPS umgestellt. Inzwischen sind sämtliche Google-eigenen Seiten zusätzlich als HSTS-Seiten in gängigen Browsern voreingestellt. Eine verschlüsselte Webseite wird auch im Suchindex von Google besser bewertet.  (hab)


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