Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fedora-21-im-kurztest-eine-aufteilung-die-guttut-1412-111071.html    Veröffentlicht: 10.12.2014 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/111071

Fedora 21 im Kurztest

Eine Aufteilung, die guttut

Mit Fedora 21 wird die Linux-Distribution in drei Varianten aufgeteilt. Damit können Nutzer und auch die Fedora-Entwickler besser fokussieren, wie unser Kurztest zeigt.

Fedora 21 ist die erste Version nach der Aufteilung in eine Server- und eine Workstation-Variante. Dazu gibt es noch die Cloud-Version etwa für die Installation in Amazons AWS oder die Einrichtung einer eigenen virtuellen Umgebung. Diese Gliederung wurde im Rahmen des Projekts Fedora.Next vollzogen. Alle Varianten haben dennoch eine gemeinsame Basis, die jedoch lediglich aus dem Linux-Kernel, dem Installer Anaconda und Systemd besteht. Alleine sind die Pakete kaum lauffähig, stattdessen wird das Basissystem durch eine gezielte Paketauswahl dann erweitert. Die diversen Spins gibt es aber nach wie vor.

In Fedora 21 hat es der Linux-Kernel 3.17 geschafft, der erst Anfang Oktober 2014 freigegeben wurde. Die Pakete wurden mit GCC 4.9.2 kompiliert. Systemd kommt bereits rege zum Einsatz: Die Terminalverwaltung Getty, der SSH- oder der Firewall-Daemon sind nur einige der vielen Dienste, die über das neue, aber umstrittene Init-System gestartet werden.

Anaconda macht die Partitionierung schwer

Der Installer Anaconda bleibt seit der letzten Version weitgehend unverändert. Neu sind lediglich mehr Details in der Übersichtsseite zur Partitionierung. Das Werkzeug zur Festplattenaufteilung ist allerdings nach wie vor unübersichtlich und für Einsteiger kaum zu verwenden. Wenn Anwender beispielsweise bestehende Partitionen für Fedora verwenden wollen, müssen diese erst gelöscht und wieder angelegt werden. Auch die stets angezeigte Schaltfläche Fertig ist irritierend und gibt keinerlei Hinweise darauf, dass möglicherweise noch weitere Schritte in dem verschachtelten Konfigurationswerkzeug folgen müssen. Meist landen Anwender dann wieder in der Übersicht mit der Meldung, es sei kein Installationsmedium ausgewählt worden.

Standardmäßig richtet Fedora eine Boot-Partition mit Ext4 ein. Das System landet in einem virtuellen Datenträger (LVM), der ebenfalls mit Ext4 eingerichtet wird. Wer eine manuelle Partitionierung bevorzugt, kann auch Btrfs als Dateisystem verwenden. Darüber hinaus konfiguriert Anaconda die Sprachauswahl und die Zeitzoneneinstellungen anhand der IP-Adresse. Während die Pakete installiert werden, muss noch das Root-Passwort vergeben und ein Benutzer eingerichtet werden.

Fokussierte Softwareauswahl

Als Standarddesktop dient Gnome 3.14.2, der mit einer neuen Gestensteuerung sowie Optimierungen für die Darstellung auf hochauflösenden Displays ausgestattet wurde. Gnome lässt sich in Fedora 21 auch versuchsweise mit dem X.org-Ersatz Wayland betreiben. Das dafür benötigte Paket gnome-session-wayland-session ist bereits vorinstalliert. Im Anmeldebildschirm lässt sich Gnome dann mit dem alternativen Displaymanager starten. In einem kurzen Testbetrieb auf einem Laptop mit Intels Sandy-Bridge-Plattform lief der Desktop flüssig und ohne nennenswerte Einschränkungen. Ab und zu hüpfte der Mauszeiger oder verschwand für eine längere Zeit hinter einem Fenster. Den Entwicklern bleibt aber nach eigenem Bekunden noch viel Arbeit, die vollständige Umstellung auf Wayland umzusetzen. Viele Anwendungen nutzen noch die Wrapper Xwayland. Erst im übernächsten Fedora 23 soll Wayland als Standard eingesetzt werden.

Nach der Installation der Workstation-Variante fragt der Gnome-Desktop nochmals eine Sprachauswahl ab und bietet die Einrichtung diverser Internetdienste an, etwa für Twitter, Facebook oder Google. Hier zeigt sich beispielsweise die gezielte Paketauswahl. Es fehlen unter anderem die administrativen Werkzeuge für die Firewall- oder Netzwerkeinstellungen. Stattdessen soll die beigelegte Software für den täglichen Arbeitseinsatz dienen. Standardmäßig werden etwa Libreoffice in der aktuellen Version 4.3.4.1 oder Firefox 34 mitinstalliert. Ärgerlich ist nur die inkonsequente Umsetzung der Spracheinstellungen. Obwohl wir bei der Installation Deutsch angegeben haben, mussten wir die entsprechenden Sprachpakete für Benutzeroberfläche bei Libreoffice nachinstallieren.

Der DevAssistent macht die Entwicklung einfacher

Neu ist die Anwendung DevAssistent für Entwickler. Damit lassen sich Entwicklungsprojekte konfigurieren, darunter C oder C++, Java, Node.js, Perl, PHP, Python oder Ruby. Fehlen die entsprechenden Basispakete noch, werden sie installiert, etwa Eclipse. Bereits begonnene Projekte lassen sich in der Anwendung verwalten. Die in Fedora 20 entfernten Pakete Transmission und die Verwaltung für virtuelle Maschinen, Boxes, sind in der Workstation-Version wieder dabei.

Die Paketverwaltung wurde ebenfalls überarbeitet. Jetzt werden für die dort aufgelisteten Pakete Vorschaubilder angezeigt, was die Übersichtlichkeit deutlich verbessert. Eine Aktualisierung des Systems lässt sich von dort starten, ein Link in der Systemsteuerung von Gnome führt ebenfalls dorthin. Das Werkzeug meldete uns jedoch, dass die installierte Software auf dem aktuellen Stand sei, obwohl wir über Yum bereits zahlreiche Updates einspielen konnten.

Verwalten mit Cockpit

Die Servervariante kommt naturgemäß ohne grafische Oberfläche aus. Neu sind hier diverse Administrationswerkzeuge, darunter auch Cockpit. Über diese webbasierte Systemverwaltung lässt sich ein Server überwachen. Er zeigt die CPU-Auslastung, den verwendeten Arbeitsspeicher oder den Netzwerkverkehr an. Auch die von Systemd verwalteten Dienste können über Cockpit eingesehen werden. Damit von einem entfernten Rechner auf Cockpit zugegriffen werden kann, muss die Verbindung über Kerberos initiiert werden. Sie lässt sich lokal auch in der Workstation-Variante ausprobieren, muss aber zunächst über Yum installiert werden. Neben Cockpit gibt es auch das neue Verwaltungswerkzeug für Server Rolekit oder den Domaincontroller FreeIPA.

Verfügbarkeit

Fedora 21 Server und Workstation gibt es zum Download über die Webseite des Projekts. Die dritte Version für Clouds ist dort ebenfalls erhältlich. Insgesamt gibt es 21 Spins mit der aktuellen Version von Fedora, darunter mit den Desktops KDE, LXDE, Mate oder Xfce. Außerdem gibt es speziell angepasste Varianten mit Werkzeugen zur Sicherheitsanalyse, für Designer und Musiker oder für die Roboterprogrammierung.

Fazit

Bis auf ein paar Kleinigkeiten macht Fedora 21 insgesamt einen guten Eindruck. Möglicherweise hat der Linux-Distribution die längere Pause seit der letzten Veröffentlichung gutgetan. Die Entwickler haben sie offenbar nicht nur dazu genutzt, Fedora-Next umzusetzen, sondern auch an der einen oder anderen Kleinigkeit zu feilen. Lediglich das Partitionierungswerkzeug in Anaconda ist nach wie vor schlicht unübersichtlich. Aber die Aufteilung in Server und Workstation-Version hat der Linux-Distribution gutgetan und wurde auch konsequent umgesetzt.  (jt)


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