Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/20-jahre-playstation-von-der-cd-konsole-zum-wohnzimmer-pc-1412-110932.html    Veröffentlicht: 03.12.2014 13:43    Kurz-URL: https://glm.io/110932

20 Jahre Playstation

Von der CD-Konsole zum Wohnzimmer-PC

Am 3. Dezember 1994 erschien in Japan die erste Playstation. Mit zwei Nachfolgern etablierte Sony erst CDs, dann DVDs und schließlich Blu-rays als Spielemedium, inzwischen ist die PS4 in der Normalität angekommen: Konsolen sind universelle Unterhaltungsgeräte geworden.

"This is for the players" lautet Sonys aktueller Werbeslogan für die Playstation 4, die gerade erst ein Jahr lang erhältlich ist. Vor 20 Jahren war das Spielen der einzige Zweck von Konsolen, inzwischen haben sie sich zu Allzweckgeräten entwickelt. Sony will nun zurück zu den Wurzeln der Playstation. In den Anfangszeiten dieser Konsolen boomten Videospiele durch noch schnelleren technischen Fortschritt, als er heute in einem sehr veränderten Spielemarkt möglich wäre.

Die großen Wachstumschancen Mitte der 1990er Jahre, als Handys und Internetzugang für Privatpersonen sich langsam durchsetzten, bewegten Sony zu einem mutigen Schritt: Das Unternehmen wollte dem damals unangefochtenen Marktführer Nintendo mit einer eigenen Konsole Konkurrenz machen.

Das war für Sony leicht, denn das Unternehmen hatte zusammen mit Philips gut zehn Jahre zuvor die CD erfunden und viel Erfahrung mit der Herstellung der Laufwerke. Nintendo wollte sein damals aktuelles SNES um ein CD-Laufwerk erweitern, das Sony herstellen sollte. Daraus wurde aber nichts, so dass sich Sony entschloss, das Laufwerk und die schon existierenden Spezialchips für eine eigene Konsole zu verwenden.

Die CD als Speichermedium war für Videospiele reizvoll, weil die Titel vor allem auf Steckmodulen vertrieben wurden. Da die Spiele aber immer größer wurden, kosteten die mit ROM-Chips bestückten Cartridges in der Herstellung immer mehr. Die CD als schon seit über zehn Jahren in Masse hergestelltes und billig zu fertigendes Medium war der nächste logische Schritt.

Auch die Spiele hatten sich verändert, weg von actionlastigen Titeln aus der Spielhalle hin zu epischen Rollenspielen. Die Serie Final Fantasy, die später stets mehrere Discs benötigte, glänzte durch lange animierte Zwischensequenzen, was nur durch die größeren Kapazitäten der optischen Datenträger möglich wurde.

Neben dem Laufwerk entwickelte Sony vor allem den Grafikprozessor der ersten Playstation selbst, bei der CPU griff das Unternehmen auf die bewährte und sparsame MIPS-Architektur zurück, allerdings schon mit 32-Bit-Fähigkeiten. Zusammen mit der GPU war die erste Playstation so leistungsfähig, dass es bald auch eine neue Klasse von Actionspielen gab, die Sony selbst entwickelte. Schon 1995 erschien die erste Version von Wipeout, das mit sehr schneller 3D-Grafik beeindruckte.



Teure Konsolen wegen aufwendiger Technik

Wipeout stammte von dem in der Heimcomputer-Ära für seine Technik legendären britischen Studio Psygnosis, das Sony 1999 aufkaufte. Das Unternehmen hatte schnell erkannt, dass eigene Exklusivtitel für den langfristigen Erfolg einer Konsole zwingend erforderlich sind. Das führte Sony auch mit späteren Serien fort, vor allem die Reihe God of War, Playstation-exklusiv, kitzelte vorher nicht für möglich gehaltene Effekte aus den Konsolen - und zwar seit der PS2 bei allen Generationen, für die PS4 ist bisher kein neuer Titel der Serie erschienen.

Von Anfang an bewarb Sony seine Playstation neben den Spielen immer auch als universelles Multimediagerät. So entwickelte man hoch komplexe Spezialchips für CPU und GPU und führte mit der Playstation 2 ein DVD-Laufwerk ein. Das führte zum Marktstart in Deutschland im Jahr 2000 zum für eine Konsole enorm hohen Preis von 869 D-Mark. Viele Beobachter bezweifelten den Erfolg der PS2, was sich aber als falsch herausstellte: Nicht nur war sie eine der leistungsfähigsten Konsolen, sondern lange auch einer der günstigeren DVD-Player.

Die PS2 war auch deswegen so teuer, weil Sony fast die gesamte Hardware der ersten Playstation in die Konsole eingebaut hatte. Dadurch blieben ältere Spiele bis auf einige Ausnahmen noch nutzbar. Das führte Sony auch mit der ab 2006 eingeführten Playstation 3 fort, anfangs wiederum durch zusätzliche Hardware.

Kompatibilität wird abgeschafft

Schon die europäischen Versionen verzichteten aber auf diesen Aufwand, durch Emulation wurden immer weniger ältere Titel kompatibel. Später schaffte Sony auch das ab, so dass viele Playstation-Fans enttäuscht waren. Inzwischen gibt es wieder interne Emulatoren, die Spiele müssen aber neu gekauft werden. Auch die Entwickler beschwerten sich in den ersten Jahren der PS3 häufig: Sony hatte zusammen mit IBM und Toshiba einen angeblich revolutionären Prozessor namens Cell entwickelt, dem man sogar Konkurrenz für die immer weiter verbreitete x86-Architektur zutraute.

IBM bot die Cells einige Zeit lang auch auf eigenen Beschleunigerkarten für Supercomputer an. Die Programmierung des Cell mit seinen sieben aktiven Kernen, neuer Architektur und vielfältigen Datentypen erwies sich aber als kompliziert, zudem steigerte sich die Rechenleistung der PC-CPUs Mitte der 2000er Jahre durch ein Duell zwischen AMD und Intel rasant.

Die Playstation 3 wurde trotzdem ein Erfolg, aber nicht nur durch die Spiele. Lange galt sie als günstiger Blu-ray-Player und auch als einer der besten DVD-Spieler, denn: Sony hatte für seine GPU hochwertige Algorithmen entwickelt, welche die DVDs auf HD-Auflösungen hochrechnen konnten. Auch sonst war die Konsole, unter anderem durch die Unterstützung für Streaming von Audio und Video von DLNA-Servern, voll auf Multimedia ausgelegt.



PS3 als Vorreiter der Multimedia-Konsolen

Die PS3 war auch leichter erweiterbar als die ebenfalls populärer werdenden Xboxen von Microsoft. Ein Wechsel der 2,5-Zoll-Festplatte war auch ohne Garantieverlust ausdrücklich vorgesehen, zudem ließen sich CDs direkt mit der Konsole auslesen und auf der Festplatte ablegen. Das Kopieren von Videos wiederum von einem DLNA-Server auf die PS3-Platte war auch möglich, so dass die Konsole bei vielen Nutzern als einziger Medienzuspieler diente.

Eine Weiterentwicklung des Cell, den auch IBM kaum noch unterstützte, erschien Sony beim Design der Playstation 4 offenbar aber kaum noch sinnvoll. Zudem hatte AMD durch die Integration von CPU und GPU auf einem Chip eine attraktive Umgebung für günstige x86-Hardware geschaffen. Und so ist die PS4 heute im Kern ein PC, auch wenn sie mit anderer Software arbeitet. Da ein neues Disc-Format, auch mit Blick auf 4K, bei der Entwicklung nicht in Sicht war, ist die PS4 die erste Sony-Konsole, die mit dem Laufwerk des Vorgängers auf den Markt kam. Sie spielt weiterhin Blu-rays ab, was Sony aber erst mit einem Patch zum Marktstart ermöglichte.

Sony unterbietet Microsoft

Anders als Microsoft, das seine Xbox One unter anderem mit einem HDMI-Eingang als einziges Mediengerät im Wohnzimmer etablieren wollte, setzte Sony mit der PS4 von Anfang an voll auf Spiele. Das zeigt sich auch bei der Rechenleistung, die etwas über der neuen Xbox liegt. Durch Verzicht auf die bei Microsoft anfangs immer mitgelieferte Kamera ist auch die neue PS4 bisher die meistverkaufte Konsole der aktuellen Generation. Bis aber die über 104 Millionen Geräte erreicht werden, die Sony von der ersten Playstation verkaufen konnte, dürfte es noch einige Jahre dauern.

Zumindest um 12.300 Exemplare - die Zahl erinnert an das Datum 3. Dezember in US-Schreibweise - wird Sony wohl die Zahl der verkauften PS4 schnell steigern können. Denn auf diese Stückzahl ist die Sonderausgabe der aktuellen Konsole begrenzt, die im Grau der ersten Playstation gehalten ist. 499 US-Dollar soll sie inklusive Kamera kosten und nicht im regulären Handel verkauft werden. Wie man die moderne Konsole im Retro-Look bekommt, will Sony erst später verraten.  (nie)


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