Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gangnam-style-googles-y2k-problem-bei-youtube-zaehlern-1412-110927.html    Veröffentlicht: 03.12.2014 10:19    Kurz-URL: https://glm.io/110927

Gangnam Style

Googles Y2K-Problem bei Youtube-Zählern

Das Video "Gangnam Style" des Südkoreaners Psy wurde bei Youtube über zwei Milliarden Mal angesehen. Das konnte man bis vor kurzem aber nicht überprüfen, weil der Zähler festhing. Grund war ein typisches Versäumnis von Programmierern, durch das man schon einmal weltweite Katastrophen befürchtete.

Manchmal können sich Entwickler nicht vorstellen, dass ein Zähler irgendwann überlaufen könnte - das wäre nun auch fast bei Youtube passiert. Bis vor kurzem wurde die Anzahl der Abrufe eines Videos nämlich mit einem Integer-Wert von 32 Bit gespeichert. Die größte so darstellbare Zahl ist 2.147.483.647, also über 2 Milliarden. Dass ein Clip öfter angeklickt wird, war bei dem vor knapp zehn Jahren gestarteten Dienst offenbar nicht vorgesehen.

Das skurrile Musikvideo "Gangnam Style" des südkoreanischen Künstler Psy hat diese Marke aber kürzlich überschritten, wie Google in einem Blogpost erklärt. Der Clip erschien erst Mitte 2012 und entwickelte sich vor allem durch den neuartigen Tanzstil zu einem viralen Phänomen, das weltweit in zahllosen anderen Videos nachgeahmt wurde. Die Abrufe könnten wohl noch etwas höher sein, wäre Gangnam Style nicht zeitweise durch die üblichen Querelen um Musikrechte unter anderem in Deutschland gesperrt gewesen.

Inzwischen hat Youtube den Zähler auf ein anderes Verfahren umgestellt, ob dabei 64-Bit-Integer oder ein Long-Wert zum Einsatz kommt, erklärt das Unternehmen nicht. Als Long-Integer wären über 9 Trillionen Zugriffe zu erfassen, oder genauer: 9.223.372.036.854.775.807 Abrufe.

Erinnerungen an das Jahr-2000-Problem

Seinen typischen Fehler eines begrenzten Speicherplatzes für einen Zähler nimmt Youtube selbst auf die Schippe, was sich beim Psy-Video zeigt, wenn man den Mauszeiger über die Zahl der Zugriffe schiebt. Dann scheint der Zähler durchzudrehen, bis er einen negativen Wert erreicht - die klassische Darstellung, wenn ein Zähler übergelaufen ist.

Der bekannteste solche Fehler eines zu kleinen Speicherplatzes für einen Zähler war das Jahr-2000-Problem, auch Y2K genannt. Da bei zahlloser Software des vergangenen Jahrhunderts nur die beiden Endziffern der Jahreszahl gespeichert wurden, ließen sich größere Werte als 1999 nicht darstellen. Manche Programme gingen beim Erreichen des Jahres 2000 davon aus, dass sie sich im Jahr 1900 befanden.

Dieses Problem sorgte Ende der 1990er Jahre für große Verunsicherung. In der Silvesternacht 1999 wurden deshalb sogar in einigen europäischen Ländern die Züge absichtlich angehalten - auch in Deutschland. Wohl auch durch eine rund um Y2K entstandene Industrie, die Jahre im Voraus an der Umstellung von Software arbeitete, ergaben sich beim Jahreswechsel weltweit keine größeren Probleme.  (nie)


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