Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/yotaphone-2-im-test-das-smartphone-neu-gedacht-und-endlich-auch-durchdacht-1412-110924.html    Veröffentlicht: 03.12.2014 19:00    Kurz-URL: https://glm.io/110924

Yotaphone 2 im Test

Das Smartphone neu gedacht - und endlich auch durchdacht

Ein ganz neues Smartphone-Konzept: Das ist Yota im zweiten Anlauf gelungen. Das Yotaphone 2 kann komplett über seinen E-Paper-Touchscreen bedient werden. Das ergibt ein komplett neues Smartphone-Gefühl, wie sich im Test zeigte.

Im zweiten Versuch wird alles besser: So lautet wohl die Devise bei Yota. Hat Yota mit dem Yotaphone das Smartphone neu gedacht, hat es mit dem Yotaphone 2 sein außergewöhnliches Konzept weiterentwickelt und konsequenter umgesetzt. Was wir am ersten Modell des Smartphones mit zwei Displays noch auszusetzen hatten, ist beim zweiten verbessert worden. Größte Neuerung: Das E-Paper-Display (EPD) auf der Rückseite des Geräts ist jetzt ein Touchscreen.

Wir haben getestet, ob es damit einfacher ist, das Gerät über die Rückseite zu bedienen - und dabei auch eine Topausstattung mit Amoled-Display samt Full-HD-Auflösung, einer guten Kamera und einem schnellen Snapdragon-800-Prozessor gefunden.

Das E-Paper-Display auf der Rückseite der Yotaphones ist vorwiegend dafür gedacht, Akkuleistung zu sparen. Beim ersten Modell war es allerdings noch mühsam, das Rückdisplay sinnvoll zu nutzen. Auch das Vorseriengerät, das wir Anfang des Jahres auf dem Mobile World Kongress gesehen haben, machte uns wenig Hoffnung auf eine bessere Umsetzung des Konzepts. Seither hat sich aber viel geändert.

Das E-Paper-Display ist endlich sinnvoll nutzbar

Als primäre Steuerung auf dem Rückdisplay dienen nun verschiedene sogenannte Panel. Sie sind eine Variante des normalen Startbildschirms und bestehen jeweils aus speziellen Widgets. Einerseits dienen sie zur Anzeige von Statusinformationen, können andererseits aber auch gezielt zur Bedienung verwendet werden. Der Nutzer kann die Widgets nach den eigenen Wünschen und Anforderungen auswählen. Ist der E-Paper-Touchscreen entsperrt, genügt ein Fingerwisch zur Seite, um zwischen den Panels zu wechseln.

Die Panels können zur Anzeige der Uhrzeit, anstehender Termine, verpasster Anrufe, SMS oder E-Mails verwendet werden. Aber auch Wetterbericht, Börsenkurse, Facebook-Neuigkeiten oder RSS-Feeds lassen sich dort anzeigen. Sobald etwa eine neue E-Mail eingeht, wird das Rückseitendisplay entsprechend aktualisiert. Neue Nachrichten in der GMail-App werden ebenfalls angezeigt; das funktionierte in einer älteren Entwicklerversion noch nicht. Allerdings werden GMail-Nachrichten nicht mit dem E-Mail-Icon signalisiert, sondern nur als Alarm-Benachrichtigung. So ganz optimal ist es also noch immer nicht implementiert.

Yota-Panels sind umfangreich konfigurierbar

Die Panels sind angenehm strukturiert und nicht mit Informationen überfrachtet, so dass der Nutzer die für ihn relevanten Inhalte bequem im Blick behalten kann. Geht etwa eine E-Mail ein, genügt ein Tippen darauf. Dann öffnet sich der E-Mail-Ordner mit der neuen Nachricht, die direkt auf dem E-Paper-Display gelesen werden kann. Auch beantwortet werden kann sie vom E-Paper-Display aus problemlos - die Bildschirmtastatur lässt sich ohne Einschränkungen verwenden.

Die Konfiguration der Yota-Panels wird über eine Yotahub genannte Android-App erledigt. Darin kann auch ein Sperrbild namens Yota-Cover konfiguriert werden.

Jede App kann auf der Rückseite verwendet werden

Mit dem Yotaphone 2 kann außerdem jede beliebige Android-App auf dem Rückdisplay verwendet werden, indem von unten nach oben über den normalen Touchscreen gewischt wird. Das ist ein gewaltiger Vorzug gegenüber dem Vorgängermodell: Beim ersten Yotaphone konnten nur speziell von Yota angepasste Apps genutzt werden - besonders schmerzlich haben wir einen Browser vermisst. Jetzt kann jeder beliebige Browser oder Feed-Reader auf dem E-Paper-Display genutzt werden. Als einzige Einschränkung bleibt, dass das E-Paper-Display keine Farben anzeigt.

Die Nutzung von Android-Apps auf dem Rückdisplay funktioniert gut und unkompliziert. Geeignet dafür sind vor allem Apps, in denen viel gelesen wird. Die Bedienung der Apps unterscheidet sich nicht von der auf dem Frontdisplay, auch Wischbefehle sind kein Problem. Erst damit kann das volle Potenzial der Yotaphone-Idee ausgeschöpft werden. Denn der Besitzer des Geräts kann jetzt genau die Apps auf dem Rückdisplay verwenden, die er möchte.

Das Frontdisplay braucht man nur selten

Damit bleiben nur noch wenige Einsatzzwecke für das Hauptdisplay auf der Vorderseite übrig: Sinnvollerweise werden Fotos und Videos besser auf dem Farbdisplay angeschaut. Auch grafiklastige Webseiten machen sich auf dem Frontdisplay besser, das gilt noch mehr für grafikintensive Spiele.

Einfachere Spiele wie Schach oder Sudoku sind hingegen auch auf dem Monochrom-Display nutzbar, angepasste Apps liefert Yota gleich mit. Für das Einrichten einer App oder zur Konfiguration des Smartphones wählen wir meist doch lieber das Farbdisplay, aber das ist auch nur eine Frage der Gewöhnung.

Zusammenspiel der Bildschirme ist durchdacht

Gut durchdacht ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden Displays. Wird das Frontdisplay eingeschaltet, aktiviert sich automatisch auf der Rückseite die Displaysperre. Damit wird verhindert, dass Nutzer über die Rückseite unerwünschte Aktionen ausführen. Da dies mit einer leichten Verzögerung geschieht, ist es ratsam, das Smartphone beim Drehen vor allem am Rand zu halten. Daran gewöhnt man sich aber schnell. Wird die Displaysperre auf der Rückseite mit einem Wisch nach oben entfernt, schaltet sich umgekehrt das Farbdisplay aus.



Ein zweiter Displayknopf fehlt

Für das Einschalten respektive Entsperren der beiden Displays gibt es nur einen Einschaltknopf. Hier hätten wir uns einen zweiten Knopf gewünscht, der direkt nur einem der beiden Displays zugewiesen ist. Mit einer Einstellung in den Displayoptionen kann der Nutzer immerhin festlegen, dass der Schalter nur für das Display gilt, auf das der Nutzer gerade schaut.

Erst mit dieser Einstellung ist es möglich, die Displaysperre auf der Rückseite mittels Knopfdruck zu aktivieren, ohne dabei das Hauptdisplay einzuschalten. Ist die Option deaktiviert, schaltet sich immer das Hauptdisplay ein, ganz gleich, wie das Smartphone gehalten wird. Wenn dann nur die Displaysperre auf der Rückseite mittels Knopf aktiviert werden soll, muss das Gerät ein- und gleich wieder ausgeschaltet werden.

Unabhängig von dieser Einstellung kann die Displaysperre jederzeit aktiviert werden, indem drei Finger auf den Bildschirm gelegt werden. Das funktioniert auf beiden Displays zuverlässig, allerdings ist das einhändig nicht machbar, so dass es in der Praxis unbequem ist.

Android-Apps machen noch Probleme auf dem Rückdisplay

Wenn eine normale Android-App auf dem Rückdisplay aktiv ist, läuft diese bei ausgeschaltetem Display auch auf der Vorderseite. Sobald das Farbdisplay eingeschaltet wird, ist gleich die App aktiv, mit der der Nutzer auf der Rückseite gearbeitet hat. Das ist angenehm.

Leider ist die Displaysperre auf dem Farbdisplay noch immer nicht komplett vom Rückdisplay entkoppelt. Dadurch gibt es Probleme, wenn der Nutzer gezielt eine normale Android-App auf dem Rückdisplay behalten möchte. Denn sobald sich die Displaysperre auf der Vorderseite aktiviert, passiert es, dass die Android-App vom E-Paper-Display verschwindet und sich stattdessen das Yota-Cover oder das Yota-Panel aktiviert.

Das ist ärgerlich, weil die betreffende Android-App dann erst wieder aufgerufen werden muss, obwohl sie auf dem E-Paper-Display verbleiben könnte. Golem.de hatte die Möglichkeit, eine frühe Entwicklerversion des Yotaphone 2 auszuprobieren. Auf diesem Modell war es so, dass jede Android-App vom hinteren Display verschwand, sobald sich die Displaysperre auf der Vorderseite aktiviert hatte.

Unstimmigkeiten bei der Bedienung



In der aktuellen Vorabversion verhält sich das Smartphone etwas anders: Nicht mehr jede Android-App verschwindet vom Rückdisplay, sobald sich vorne die Displaysperre aktiviert. Ein zuverlässiger, dauerhafter Betrieb von Android-Apps auf dem Rückdisplay ist so aber noch immer nicht gewährleistet. Denn die vordere Displaysperre lässt sich nicht komplett abschalten, um das Problem zu umgehen.

Automatische Displaysperre stört

In jedem Fall empfiehlt es sich, die Zeitspanne zur automatischen Aktivierung der Displaysperre nicht zu kurz zu wählen, wenn idealerweise vor allem das E-Paper-Display verwendet wird. Die maximal einstellbare Zeit beträgt 30 Minuten. Dann ist es zumindest innerhalb dieser Zeitspanne garantiert, auf dem Rückdisplay etwas im Browser zu lesen und diesen dort eine halbe Stunde lang aktiv zu lassen.

In der zuletzt von uns getesteten Vorabversion des Yotaphone 2 gibt es ein weiteres Problem, wenn die hintere Android-App aufgrund der Aktivierung der vorderen Displaysperre verschwand und durch das Yota-Cover ersetzt wurde. Dann ist das Yota-Cover ohne Displaysperre aktiv - diese schaltet sich auch nach längerer Wartezeit nicht ein. Wenn das Smartphone sich in der Tasche befindet, besteht die Gefahr, dass unerwünschte Funktionen durchgeführt werden, weil das Display frei zugänglich ist.

Somit können zuverlässig derzeit nur drei Arten von Anwendungen auf dem Rückdisplay verwendet werden. Einerseits die Yota-Panels, das Yota-Cover oder ein mittels Yota-Snap auf das Rückdisplay gebrachter Screenshot. Diese bleiben dauerhaft auf dem Rückdisplay und werden durch die vordere Displaysperre nicht beeinflusst. Damit kann etwa der Code einer digitalen Bordkarte beim Flug darauf angezeigt werden. Selbst wenn der Akku fast leer ist, ist der Code weiterhin zu sehen.

Mit Yota-Mirror wechseln Apps die Seiten

Android-Apps können entweder direkt von der Rückseite aus gestartet werden oder vom Hauptbildschirm aus. Yota-Mirror heißt die Funktion, die eine Android-App von vorne auf das Rückdisplay bringt. Sie ist bequem mit einer Wischgeste von unten nach oben aus jeder App heraus erreichbar. Umgekehrt kann mit der gleichen Wischgeste eine Android-App vom Rückdisplay entfernt und zum Yota-Panel gewechselt werden. Das ist eingängig und leicht erlernt.

Vor allem in Android-Apps, aber auch etwa im E-Book-Reader wird nicht nach jedem Seitenwechsel die Seite komplett neu aufgebaut. Das sorgt für eine angenehmere Bedienung, kann aber auch zu leichten Darstellungsfehlern führen. Dann zeigen sich Schatten- oder Ghost-Effekte, bei denen noch Reste der vorherigen Seite erscheinen. Das ist bauartbedingt und stört bei der Nutzung nicht wesentlich. Wir empfinden das unterm Strich sogar als angenehmer als das ständige Flackern, wenn das Displaybild neu aufgebaut wird.

Vorne und hinten ein gutes Display

Für das Yota-Panel gibt es auch einen Musikplayer, allerdings dient dieser nur zur Steuerung der Google-App Play Music. Andere Musikplayer-Apps lassen sich darüber leider nicht bedienen. Hier wäre es wünschenswert, dass der Nutzer festlegen könnte, welche Musik-App damit gesteuert werden soll.

Prinzipiell kann das Rückdisplay auch für eine Karten-App verwendet werden. Ohne Probleme ist eine Navigation darüber möglich. Allerdings stößt die Darstellungsqualität des Displays an ihre Grenzen. Sowohl in Google Maps als auch in Maps.Me ist der Ortungsbereich nur schwer zu erkennen. In der Praxis ist der Blick aufs Farbdisplay hier einfach angenehmer.

Benachrichtigungen lassen sich nur ungenügend steuern

Unzufrieden waren wir mit der Konfiguration der Datenschutzeinstellungen in der Yota-Hub-App. Es lässt sich zwar bestimmen, ob Benachrichtigungen auf dem Rückdisplay erscheinen und wie detailliert dies geschieht. Unpraktischerweise gelten die Optionen allerdings sowohl für das Yota-Panel als auch für das Yota-Cover, ohne dass dies für den Anwender ersichtlich wäre.

Denn eigentlich soll das Yota-Cover dazu dienen, mit einem Klick zu verhindern, dass vertrauliche Informationen auf dem Rückdisplay angezeigt werden. Da aber die Datenschutzeinstellungen für beide gleich sind, bringt das nicht viel. Hier sollte Yota unbedingt die Yotahub-App aktualisieren, um getrennte Einstellungen zu erlauben.

Wir finden es auch unpraktisch, dass sich das Yota-Cover nur manuell aktivieren lässt. Hier wäre praktisch, wenn es anhand bestimmter Bedingungen erscheint - sei es eine gewisse Wartezeit oder zu bestimmten Uhrzeiten. Trotz kleinerer Probleme bei der Bedienung sorgt der E-Paper-Touchscreen für ein komplett neues Smartphonegefühl. Endlich kann unbeschwert viel auf dem Smartphone gelesen werden, ohne Sorge zu haben, der Akku werde schlapp machen.

Die Hardware beider Displays wurde verbessert

Das Hauptdisplay im Yotaphone 2 ist ein 5 Zoll großer Amoled-Touchscreen mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und einer hohen Pixeldichte von 442 ppi. Der Vorgänger begnügt sich noch mit einem 4,3-Zoll-Display. Das neue Display zeigt die Inhalte scharf und klar, ist blickwinkelstabil und die Farben wirken angenehm. Die Spiegelung und das Zurückbleiben von Fingerschlieren auf dem Touchscreen liegen auf dem üblichen Niveau.

Im Vergleich zum ersten Yotaphone ist das E-Paper-Display deutlich besser. Mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixeln ist Schrift gut zu erkennen und nicht mehr so pixelig wie beim ersten Modell, das gerade mal eine Auflösung von 640 x 460 Pixeln bietet. Zudem ist das Display im neuen Modell 4,7 Zoll groß, beim alten nur 4,3 Zoll. Auch beim neuen Modell gibt es keine Hintergrundbeleuchtung für das E-Paper-Display. Das war Anfang des Jahres noch geplant gewesen, aber dann wäre das Gerät unnötig dick geworden, erklärte der Hersteller Golem.de.

Lange Akkulaufzeit dank E-Paper-Display

Bei ausreichend hellem Umgebungslicht ist das E-Paper-Display gut ablesbar, vor allem unter direktem Sonnenlicht ist es wesentlich angenehmer als das Display auf der Vorderseite. Dabei erweist es sich als angenehm, dass das Rückdisplay matt ist und kaum spiegelt. Aber schon bei schummerigem Herbstlicht drängt es den Nutzer, zum Hauptbildschirm zu wechseln. Der Kontrast wirkt dann zu gering und das Lesen macht zunehmend weniger Freude. Wer unbedingt eine lange Akkulaufzeit erreichen will, sollte so lange wie möglich das Rückdisplay verwenden.

Wer bei geringem Umgebungslicht auf das Hauptdisplay wechselt, kann sich darüber freuen, dass sich die Helligkeit angenehm weit herunterregeln lässt. Auch in sehr dunkler Umgebung blendet das Display dann nicht übermäßig. Beide Displays sind mit Gorilla Glass 3 vor Kratzern geschützt.

Das Rückdisplay ist etwas gewölbt, das ist bei der Bedienung kein Problem. Aber die harten Kanten der Vorderseite stören etwas, wenn das Smartphone vor allem über die Rückseite bedient wird. Hier wäre eine symmetrischere Gehäusegestaltung sinnvoller gewesen oder aber zumindest leichte Abrundungen auch auf der Vorderseite. Insgesamt ist das Yotaphone 2 vorzüglich verarbeitet, es fühlt sich angenehm an und liegt gut in der Hand.

Die Akkulaufzeit ist lang - bei Nutzung des E-Paper-Displays

Das Yotaphone 2 hat einen fest verbauten 2.500-mAh-Akku. Der Hersteller selbst verspricht eine Akkulaufzeit von rund drei Tagen, wenn vor allem das E-Paper-Display verwendet wird und keine übermäßig starke Nutzung stattfindet. In unserem Test können wir die Werte zwar bestätigen, in der Praxis wird es aber eher auf eine Akkulaufzeit von zwei Tagen hinauslaufen. Wird das Gerät hingegen weniger intensiv verwendet, ist sogar eine Akkulaufzeit von vier Tagen möglich. All das setzt aber einen häufigen Gebrauch des E-Paper-Displays voraus.

Wer das Yotaphone 2 vor allem mit dem Farbdisplay betreibt, wird kaum längere Akkulaufzeiten erreichen als vergleichbar ausgestattete Smartphones und sein Gerät täglich aufladen müssen. Ein 1080p-kodiertes Video können wir bei maximaler Helligkeit und eingeschaltetem WLAN rund sieben Stunden lang anschauen - ein guter, aber kein überragender Wert. Um bei geringer Akkuladung das Smartphone noch möglichst lange verwenden zu können, gibt es die Möglichkeit, mit der Funktion Yota Energy einzelne oder mehrere Funktionen des Smartphones gezielt zu deaktivieren.

Für eine möglichst lange Akkulaufzeit empfiehlt es sich, entweder immer das Yota-Cover mit einem festen Hintergrundbild zu aktivieren oder aber in dem Standard-Panel keine Widgets anzuzeigen, deren Inhalte sich oft ändern. Das wäre beispielsweise bei der Uhrzeitanzeige so. Hier muss das E-Paper-Display minütlich aktualisiert werden, wodurch der Stromverbrauch erhöht wird.

Gute Kamera und schneller Prozessor

Das Yotaphone 2 hat eine 8-Megapixel-Kamera und macht vergleichsweise ordentliche Fotos. Bei Tageslichtaufnahmen hält sich das Rauschen in Grenzen und die Schärfe ist gut. Beim starken Hineinzoomen stößt die 8-Megapixel-Kamera an ihre Grenzen. Insgesamt macht die Kamera passable Aufnahmen und schneidet in einigen Punkten besser ab als so mache Smartphone-Kamera mit höherer Auflösung. In dunkler Umgebung hilft ein LED-Licht, das Motiv aufzuhellen. Auf der Vorderseite gibt es für Videotelefonate eine 2-Megapixel-Kamera.

Die Lautstärkewippe und der Ein-Aus-Schalter sind problemlos im Einhandbetrieb zu erreichen. Einen separaten Knopf zum Aufruf der Kamera-App gibt es nicht. In der Lautstärkewippe steckt wieder der Steckplatz für die SIM-Karte. Der Einsatz der Nano-SIM-Karte ist bequem möglich.

Das Smartphone läuft mit Android 4.4

Das von uns getestete Vorseriengerät läuft mit Android 4.4.3 alias Kitkat. Dabei wird im Wesentlichen das Basis-Android verwendet. Es gibt nur einige spezielle Optionen in den Einstellungen. Dadurch sind auch die Android-Schnelleinstellungen übernommen worden, was nicht jedermanns Sache ist. Zum Umschalten von WLAN, Bluetooth oder GPS muss der Schnelleinstellungsknopf länger gedrückt gehalten werden. Wir empfinden das als unpraktisch.

Noch im Februar 2014 hatte der Hersteller vorgehabt, das Yotaphone 2 in jedem Fall mit der dann aktuellen Android-Version zu veröffentlichen. Das hat nicht geklappt, denn kürzlich hat Google Android 5.0 alias Lollipop veröffentlicht.

Der schnelle Prozessor bringt gute Benchmark-Ergebnisse

Das Yotaphone 2 läuft mit Qualcomms nicht mehr ganz aktuellem Quad-Core-Prozessor Snapdragon 800, der eine Taktrate von 2,2 GHz hat. In den Benchmarks schneidet das Gerät erwartungsgemäß gut ab. Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erreicht das Smartphone im Single-Modus 894 Punkte, im Multi-Modus sind es 2.596 Zähler. Im 3D Mark von Futuremark schafft das Doppel-Display-Smartphone 16.021 Punkte, im T-Rex-Test des GFX-Benchmarks einen Offscreen-Wert von 22,4 fps. Damit liegt es minimal unterhalb der Werte der aktuellen Topgeräte von HTC, LG, Samsung und Sony. Das zeigte sich auch bei der Bedienung: Animationen laufen flüssig und das Gerät stockt nicht.

Die Speicherbestückung mit 2 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte Flash-Speicher ist wie beim Vorgänger, es gibt weiterhin keinen Steckplatz für Speicherkarten. Das begründet Yota auf unsere Anfrage damit, dass das Gerät sonst zu dick werde; die beiden Displays müssten entsprechend untergebracht werden. Vom internen Flash-Speicher stehen dem Nutzer rund 25 GByte zur Verfügung.

Das neue Modell wird von Haus aus LTE unterstützen und ist auch mit Dual-Band-WLAN nach 802.11 a/b/g/n mit dem schnellen ac-Standard ausgerüstet. Zudem gibt es Bluetooth 4.0, einen GPS-Empfänger und als Neuerung einen NFC-Chip.

Verfügbarkeit und Fazit

Yota verkauft das Yotaphone 2 für 700 Euro. Es soll noch in dieser Woche über die Yotaphone-Homepage zu haben sein. Auch bei Congstar soll es das Doppel-Display-Smartphone geben und es soll im lokalen Handel zu finden sein.

Fazit

Yota hat sein außergewöhnliches Smartphone-Konzept deutlich optimiert. Wer viel auf seinem Smartphone liest, findet im Yotaphone 2 das ideale Gerät dafür. Das Lesen auf dem E-Paper-Display ist besonders bei hellem Umgebungslicht wesentlich angenehmer als auf einem herkömmlichen Touchscreen. Im Vergleich zum ersten Modell macht sich die deutlich aufgestockte Auflösung positiv bemerkbar, die pixelige Darstellung des E-Paper-Displays des ersten Yotaphone-Smartphones machte keine Freude.

Weil das E-Paper-Display weniger Strom verbraucht, kann der Nutzer viel auf dem Smartphone lesen und braucht es dennoch nur alle zwei bis drei Tage aufzuladen. Bei weniger intensiver Nutzung hält der Akku auch mal vier Tage durch - vorausgesetzt, das Rückdisplay wird intensiv verwendet. Auch die Prozessorbestückung ist in Ordnung und sorgt für eine flüssige Bedienung. Die Kamera macht ordentliche Bilder. Weniger erfreut sind wir über den fehlenden Steckplatz für Speicherkarten.

Die neuen Yota-Panels sind beim Einsatz des E-Paper-Displays eine große Hilfe. Sie lassen sich umfangreich konfigurieren und anpassen. Erfreulicherweise läuft auch jede beliebige Android-App auf dem Rückdisplay, so dass die Einschränkungen des Vorgängermodells Vergangenheit sind. Bezüglich des Zusammenspiels zwischen den beiden Displays sollte der Hersteller mit einem Firmware-Update aber schleunigst nachbessern, damit auch Android-Apps bedenkenlos auf dem Rückdisplay bleiben können.

Auch sonst hat Yota noch einige Arbeit vor sich: Das Zusammenspiel der Yota-Panel-Widgets mit Apps von Drittanbietern funktioniert noch immer nicht reibungslos, etwa beim Musikplayer. In der Yotahub-App waren wir mit den unzureichenden Datenschutzeinstellungen unzufrieden. All das sollte sich aber mit einem Software-Update beheben lassen.

Trotz kleinerer Probleme an der einen oder anderen Stelle hat uns das Konzept des Yotaphone mit dem neuen Modell gut gefallen. Es vermittelt ein ganz neues Smartphonegefühl, auch viele Stunden auf dem mobilen Begleiter lesen zu können, ohne ständig nach der nächsten Steckdose schielen zu müssen. Bleibt als Nachteil der hohe Preis von 700 Euro. Käufer sollten daher überlegen, ob sie sich mit den bereits bekannten Problemen arrangieren können oder ansonsten lieber warten, bis Yota die Probleme korrigiert hat.

Nachtrag vom 4. Dezember 2014, 7:28 Uhr

Mittlerweile kann das Yotaphone 2 im Online-Store des Herstellers für 700 Euro bestellt werden. Wer es jetzt bestellt, soll es in zwei Tagen geliefert bekommen.

Nachtrag vom 5. Dezember 2014, 10:30 Uhr

Über Congstars spezielle Prepaid-Seite kann das Yotaphone 2 bei der Telekom-Tochter ohne Vertrag bestellt werden. Ohne Ratenzahlung kostet es dort 700 Euro, mit Ratenzahlung erhöht sich der Preis auf knapp 820 Euro. Bei einer Ratenzahlung über zwei Jahre liegt die monatliche Belastung bei 34 Euro.  (ip)


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