Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-tales-from-the-borderlands-witze-statt-waffen-1411-110825.html    Veröffentlicht: 27.11.2014 14:16    Kurz-URL: https://glm.io/110825

Test Tales from the Borderlands

Witze statt Waffen

Es sieht aus wie die Actionspielserie Borderlands, ist jedoch ein typisches Episodenabenteuer von Telltale - und erinnert somit zwar an The Walking Dead und The Wolf Among Us, ist aber lustiger und deutlich schräger.

Die Sache mit der "Beförderung" hat sich Rhys ganz anders vorgestellt: Statt einen großen Schritt auf der Karriereleiter zu machen, wird der junge Mann durch den Sand von Pandora befördert - in dicke Fesseln geschnürt. Und während Rhys so von einem mysteriösen Maskierten durch die Einöde gezogen wird, erzählt er, wie das so war mit dem verpatzten Aufstieg und dem neuen fiesen Chef und dem ganzen Rest.

Rhys ist eine der beiden Hauptfiguren von Tales from the Borderlands, einem aus fünf Episoden bestehenden Adventure des Entwicklerstudios Telltale Games. Die erste Episode mit dem Untertitel Zero Sum und einer Spiellänge von etwas mehr als zwei Stunden ist jetzt erhältlich. Das Besondere ist, dass das Programm in der Welt der Actionserie Borderlands angesiedelt ist - und im Großen und Ganzen genauso aussieht. Nur die in den Actiontiteln so wichtige Masse an unterschiedlichen Waffen spielt keine große Rolle.

So verwendet Tales from the Borderlands den gleichen, der Actionserie fast immer zum Verwechseln ähnlichen Cel-Shading-Look. Die Ingame-Menüs sind ähnlich, es gibt die gleiche Art von Zwischenbildschirm für neue Figuren. Und auch der Planet Pandora mitsamt dem Superkonzern Hyperion, den vielen Fraktionen und bekannten Figuren wie Handsome Jack taucht auf. Das Adventure wirkt dadurch wie ein echtes Borderlands und nicht wie ein locker verbundenes Abenteuer.

Die zweite, erst nach gut einer halben Stunde spielbare Hauptfigur ist die Kleinkriminelle Fiona. Der Spieler steuert die beiden abwechselnd - das Programm bestimmt, wann wer an der Reihe ist. Erst sind sich die beiden Protagonisten gar nicht zugetan. Dass sich das noch grundlegend ändern dürfte, ist schon früh abzusehen. Jedenfalls wollen sie gemeinsam ans ganz große Geld kommen, haben aber dabei gegen allerlei Unbill zu kämpfen.

Das Spiel ist schriller inszeniert als etwa The Walking Dead - es gibt wesentlich mehr Humor, aber dafür etwas weniger emotionale Tiefe. So liefern sich Rhys und sein Kumpel einige herrliche Dialoge mit viel Nerd-Humor, während Fiona mit ihren Gaunereien für minimal subtilere Gags zuständig ist. Im Großen und Ganzen setzt Tales from the Borderlands aber auf Knalleffekte und auf Überraschungen, über die wir hier möglichst wenig verraten wollen.

Feuergefechte und Fazit

Inhaltlich ist Tales from the Borderlands ein typisches Telltale-Adventure, ähnlich wie zuletzt The Walking Dead und The Wolf Among Us. Die Handlung läuft also mehr oder weniger selbstständig ab, und nur gelegentlich darf sich der Spieler einmischen. Dann kann er etwa in einem Dialog eine von mehreren Antwortmöglichkeiten auswählen und sich so für ein eher aggressives oder eher defensives Verhalten entscheiden.

Außerdem kann er in Actionsequenzen die vorgegebenen Ziele anvisieren und dann den Feuerknopf drücken, oder mit den Pfeiltasten vor Angriffen ausweichen. Beides ist alles andere als herausfordernd - aber das soll es auch gar nicht sein. Immerhin: Wer sich in den Gefechten zu viel Zeit lässt, kann auch mal sterben und muss dann vom letzten Checkpoint aus weitermachen. Die Entscheidungen in den Dialogen bestimmen lediglich einige Details beim Handlungsverlauf.

Die erste Episode von Tales from the Borderlands ist jetzt als Download erhältlich. Die Verfügbarkeit ist je nach Plattform unterschiedlich: So müssen Käufer auf Steam für 21 Euro die ganze Staffel kaufen, während es auf Xbox Live momentan nur die erste Episode für rund 5 Euro gibt; später soll auch ein Season Pass erhältlich sein. Das Spiel ist derzeit für Xbox 360 und One, die Playstation 3 und 4 sowie für Windows-PC und Mac OS verfügbar. Ende 2014 sollen auch Umsetzungen für Android und iOS erscheinen. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Derzeit liegt das Programm nur mit englischer Sprachausgabe und optional zuschaltbaren Untertiteln vor. Ob eines oder beides noch übersetzt wird, ist derzeit nicht bekannt. Besonders die gesprochene Sprache setzt fortgeschrittene Englischkenntnisse voraus, weil die Figuren teils sehr schnell und umgangssprachlich reden.

Fazit

Wer die Welt von Borderlands und den zynisch-morbiden Humor der Actionspiele mag, wird Tales from the Borderlands lieben. Das Adventure greift den typischen Look, aber auch die Atmosphäre der Vorlage von Gearbox auf fast schon geniale Art auf. Toll!

Figuren und Handlung gefallen uns - insbesondere die ebenso vielschichtige wie undurchsichtige Fiona sorgt für Spannung. Ein paar der Actionsequenzen sind sehr gut inszeniert. Die Mischung aus schnellen und dramatischen Momenten sowie ruhigen Passagen stimmt. Ganz so emotional und berührend wie die erste Telltale-Staffel von The Walking Dead ist Tales from the Borderlands zwar nicht - das liegt aber auch am Szenario.

Die einzige echte Einschränkung: Sehr viel mehr als Knöpfchendrücken im richtigen Augenblick macht der Spieler wie in den anderen Adventures von Telltale wieder nicht. Das ist einfach so - wer sich damit arrangiert hat, kann aber in Tales from the Borderlands wieder viel Spaß auf Pandora haben.  (ps)


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