Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/samsung-sdc-displays-werden-bunter-biegsamer-und-fast-durchsichtig-1411-110812.html    Veröffentlicht: 26.11.2014 19:20    Kurz-URL: https://glm.io/110812

Samsung SDC

Displays werden bunter, biegsamer und fast durchsichtig

Vor ihren Anlegern hat die Samsung Display Corporation (SDC) ihre Pläne für Bildschirme der Zukunft konkretisiert. Bei mobilen Geräten steht dabei Amoled im Vordergrund, das immer biegsamer werden soll. Fest gekrümmte LCDs sollen bald nicht mehr nur in Fernsehern zu finden sein.

Auf ihrer jährlichen Investorenkonferenz hat Samsungs Displayabteilung SDC vorgestellt, an welchen Techniken sie für künftige Geräte arbeitet. Drei Dinge stehen dabei im Vordergrund: Amoled, bieg- und sogar faltbare Displays sowie das, was bei Fernsehern "Curved" heißt. Dabei handelt es sich um herkömmliche LCDs, also nicht die selbstleuchtenden Amoleds. Diese sollen, wie Chang Hoon Lee von SDC in seinem Vortrag sagte, bald auch bei Computermonitoren zu finden sein.

Dabei will Samsung aber nicht die hohen Biegungsradien von vier Metern verwenden, wie sie bei den Fernsehern des Unternehmens üblich sind. Wohl durch den geringeren Betrachtungsabstand eines Monitors bedingt, ist nur ein Radius von zwei Metern vorgesehen. Bei den Fernsehern sind die Vorteile der konkaven Displays bis auf die geringeren Reflektionen von Umgebungslicht umstritten, in Nordamerika sind sie laut Samsung aber ein Erfolg. Den Marktforschern von NPD zufolge waren 40 Prozent der von Samsung dort im dritten Quartal des Jahres 2014 verkauften Fernseher krumm.

Als nächstes will sich Samsung der Farbauflösung (Wide Color Gamut, WCG) widmen. Sie soll bei Fernsehern bald wie bei professionellen Monitoren den Großteil des Adobe-Farbraums abdecken. Möglich wird das, was Samsung aber nicht betonte, wohl durch 4K-Übertragungen per Stream wie sie unter anderem Netflix und Wuaki anbieten. Dafür ist der HEVC-Codec (H.265) vorgesehen, mit dem per HDMI 2.0 auch höhere Farbtiefen möglich sind - das müssen Fernseher und Zuspieler aber auch unterstützen.

Während bei Fernsehern und Computermonitoren LCD wohl noch lange die Basistechnologie bleibt, setzt Samsung bei mobilen Geräten vor allem auf Amoled. Auch das aktuelle Topsmartphone Galaxy S5 des Konzerns ist mit einem solchen Display ausgestattet. Während es, beispielsweise mit dem Galaxy Note Edge, schon dauerhaft gekrümmte Displays gibt, sollen 2015 erste vom Nutzer verbiegbare Geräte erscheinen. Modelle oder gar Termine gab SDC nicht preis, aber einiges davon, was bei den Basistechniken bis dahin passieren muss.



0 Millimeter Biegeradius sind das Ziel

Am schwierigsten ist das Deckglas, das Samsung auf seinen Folien "Window" nennt. Es besteht bei Topgeräten bisher meist aus Glas, was aber nicht besonders biegsam ist. Daher setzt Samsung auf mehrere Schichten aus Kunststoff, die biegsam sind, aber verschiedene Zähigkeiten haben. Damit soll ein Kratzschutz ähnlich dem von Glas erreicht werden. Wie Chang Hoon Lee sagte, ist das Ziel ein Window, das nur noch einen Millimeter dünn ist.

Auch die weiteren Bestandteile eines Touchscreens müssen flexibel werden, der Samsung-Manager erklärte dabei vor allem, wie der kapazitive Sensor biegsam gemacht werden solle. Dafür sind in einer Schicht des Displays elektrisch leitfähige Strukturen nötig, die bisher meist aus Indiumzinnoxid (IOT) gefertigt wurden. Bei Beleuchtung aus einer Richtung - also einem Display in der Regel von hinten - ist das Oxid fast durchsichtig. Es biegt sich aber nicht besonders gut, so dass es durch Nanodrähte auf Basis von Silber oder Graphen ersetzt werden soll.

Welcher der Werkstoffe das Rennen macht, hat Samsung noch nicht entschieden. Den Grafiken zufolge liegt aber Silber vorne, was für die Displaybranche einen Umbruch bedeuten würde: Die Touchsensoren stellen bisher oft Drittunternehmen her, Nanodrähte müssen aber ins Display selbst eingebettet werden. Das kann nur der Hersteller der Anzeige selbst, Samsung hätte - falls die Technik funktioniert - hier einen Vorteil. Schon jetzt, so berichtete Lee, stammen 22 Prozent aller Displays von der SDC.

Bei den biegsamen Anzeigen hat Samsung zwei Etappenziele: Schon ab einem Biegeradius von fünf Millimetern sieht das Unternehmen ein Display als faltbar an, das erreicht in etwa schon das Note Edge. Bei einem Millimeter ist der nächste Schritt erreicht, danach soll die Anzeige aber beliebig weit geknickt werden können. Dann wären auch dehnbare Displays möglich, die sich beispielsweise auch an eine konvex geformte Oberfläche wie eine Kugel anpassen lassen.

Bei starren Amoleds arbeitet Samsung weiter an durchsichtigen Anzeigen. Diese sind bei den selbstleuchtenden Dioden einfacher zu realisieren als bei einem LCD, das eine zusätzliche Lichtquelle benötigt. Dafür werden die einzelnen LEDs heller, so dass zwischen ihnen im Substrat Lücken gelassen werden, durch die das Licht der Umgebung scheint. Auch die Leitungen zur Ansteuerung der LEDs werden um diese Lücken herum geführt. Schon jetzt erreicht Samsung nach eigenen Angaben 30 Prozent Lichtdurchlässigkeit, 2015 sollen es 40 Prozent sein.

Wie bei allen diesen Angaben nannte Chang Hoon Lee keine Termine für Produkte mit den Techniken. Da der Vortrag aber vor den Anteilseignern von Samsung und Analysten stattfand, darf man davon ausgehen, dass einige der Neuerungen schon 2015 in ersten Geräten zu finden sein werden.  (nie)


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