Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/510-systems-street-view-und-roboterauto-technik-von-google-zugekauft-1411-110690.html    Veröffentlicht: 20.11.2014 14:38    Kurz-URL: https://glm.io/110690

510 Systems

Street-View- und Roboterauto-Technik von Google zugekauft

Google Street View und Googles Roboterautos sind bekannt. Der Name 510 Systems nicht. Aber das kalifornische Unternehmen hat viel mit beidem zu tun. Auch wenn Google das geheim hält.

Die Straßenansichten und das fahrerlose Auto haben in den vergangenen Jahren für viele Schlagzeilen gesorgt - und immer mit dem Namen Google davor. Dabei stammt die Technik gar nicht von dem kalifornischen Internetkonzern selbst. Er hat sie gekauft, wie ein US-Magazin aufgedeckt hat.

Vor einigen Jahren hat Google seine digitalen Landkarten um Straßenansichten ergänzt: Google Street View ermöglicht es Nutzern, Straßen virtuell zu erkunden. Dazu hat Google Fotofahrzeuge auf die Reise geschickt, die Städte und Landschaften mit einer speziellen Kamera auf dem Dach fotografierten. Wenige Jahre später ließ Google selbstfahrende Autos auf den Straßen Kaliforniens und Nevadas rollen - mit einem ähnlichen Aufbau auf dem Dach.

Thrun wird genannt

Immer war von eigener Technik die Rede. Bei den Roboterautos betonte Google stets, sie seien eine Entwicklung des deutschen Robotikers Sebastian Thrun und eine Fortführung seines Stanford-Projekts Stanley - dem Auto, das 2005 den Roboterautowettbewerb der Darpa gewann.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Ein großer Teil der Technik sei gar nicht von Google selbst entwickelt worden, sondern von dem 2007 gegründeten kalifornischen Startup 510 Systems, berichtet das US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum.

Google kauft ein

Google kaufte das Unternehmen im Herbst 2011 - und damit auch dessen Technik. An sich kein ungewöhnliches Vorgehen: Das Videoportal Youtube etwa ist ja auch keine Eigenentwicklung von Google, sondern wurde 2006 zugekauft. Der Unterschied: Während der Kauf von Youtube und diversen anderen Unternehmen offen kommuniziert wurde, hielt Google die Übernahme von 510 Systems geheim.

Die Mitarbeiter wurden zu Stillschweigen über den Kauf verpflichtet. Google erwähnt die Beiträge von 510 Systems zu den Roboterautos mit keinem Wort. IEEE Spectrum fand aber Hinweise auf dessen Beteiligung: Einer der drei ersten Roboter-Prius war auf 510 Systems zugelassen.

Ein verräterischer Antrag

Das fiel auf, als Google im Frühjahr 2012 Lizenzen für den Testbetrieb der Roboterautos im US-Bundesstaat Nevada beantragte - Nevada hatte Anfang 2012 Jahres als erster Bundesstaat Regeln für den Betrieb von fahrerlosen Autos auf öffentlichen Straßen erlassen.

Einer Mitarbeiterin der Verkehrsbehörde Nevada Department of Motor Vehicles (DMV) habe eine Ungereimtheit bemerkt, berichtet IEEE Spectrum: Bei einem Auto war die Versicherung auf Google ausgestellt. Zugelassen war es aber auf 510 Systems, namentlich auf Suzanna Musick.

Ein Google-Mitarbeiter weiß Bescheid

Die Behörde verlange, dass beides gleich laute, schrieb die DMV-Mitarbeiterin an den Google-Mitarbeiter Anthony Levandowski. Der antwortete, Musick sei die Chefin von 510 Systems, und 510 Systems sei seit einem halben Jahr ein Teil von Google.

Levandowski musste es wissen: Er ist einer der drei Gründer.

Kamerasystem mit GPS kennt die Postion

510 Systems habe ein spezielles Kamerasystem entwickelt, erzählte Bryon Majusiak, ein ehemaliger Mitarbeiter, dem US-Wissenschaftsmagazin: Es kombinierte Kameras mit sehr präzisen GPS-Empfängern und Trägheitssensoren, so dass die Bilder gleich mit der Position versehen wurden. Gebaut wurde die Kamera von einem Unternehmen namens Topcon Positioning Systems. Der Käufer war Google.

Robotermotorrad navigiert ohne Lidar

Topcon hatte 2005 ein Projekt von Levandowski unterstützt: den Bau des Roboter-Motorrads Ghostrider. Dafür entwickelte sein Team ein Navigationssystem, das auf einem sehr genauen GPS und einer Stereokamera beruhte - und kam so ohne das teurere Lidar aus.

Später beschäftigte sich das Unternehmen doch mit Lidar und setzte das optische Pendant des Radars erstmals überhaupt für die mobile Kartierung ein. 2008 baute 510 Systems ein Lidar in ein Roboterfahrzeug ein: Der US-Fernsehsender Discovery Channel hatte das Unternehmen beauftragt, für eine Sendung ein autonomes Fahrzeug für eine Pizzalieferung zu bauen. Es wurde jener Prius, der 2012 der Mitarbeiterin der Verkehrsbehörde im Nachbarstaat Nevada auffiel.

Google beauftragt - und kauft

Über die Sendung wurde Google auf 510 Systems aufmerksam. Das Unternehmen arbeitete mehrere Jahren mit Thrun zusammen an dem Roboterauto-Projekt - bis Google schließlich 510 Systems übernahm und in die Abteilung Google X eingliederte. Levandowski und die beiden anderen Gründer Andrew Schultz und Pierre-Yves Droz arbeiten immer noch bei Google. Majusiak hat Google dieses Jahr verlassen.

Darüber, warum Google den Kauf unbedingt geheim halten wollte, kann das IEEE Spectrum nur spekulieren: Eine Möglichkeit sei, dass Google nicht zugeben wollte, das Roboterauto nicht komplett selbst entwickelt zu haben. Eine andere sei, dass nur Sieger ein angemessenes Aushängeschild darstellen: Levandowski trat 2005 mit Ghostrider ebenfalls in der Darpa Grand Challenge an. Ghostrider konnte sich aber für die Endrunde, das Wüstenrennen, nicht qualifizieren.  (wp)


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