Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/smarthome-das-intelligente-haus-wird-nie-fertig-1411-110663.html    Veröffentlicht: 20.11.2014 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/110663

Smarthome

Das intelligente Haus wird nie fertig

Tor auf, Rollos zu, Licht an: Ein vernetztes Zuhause kann bequem sein - wenn es denn einmal fertig ist. Von Aktoren, unterbrochenen Funkkontakten und verständnisvollen Partnern. Ein Erfahrungsbericht.

Steckdosen. Damit hat alles begonnen. Mit ihnen konnte ich damals das Licht in meiner Wohnung fernsteuern. Das war bequem. So bequem, dass ich mich beim Einzug in ein Einfamilienhaus im Winter 2012 entschied, künftig nur noch auf Smarthome-Lösungen zu setzen. Neben dem Licht in meinem neuen Haus wollte ich die Rollläden automatisch steuern. Danach wollte ich die Heizungen und das Garagentor automatisieren.

Das ganze System wollte ich von unterwegs mit dem Smartphone bedienen. Damit wollte ich auch möglichst viele verschiedene Aktoren schalten. Das System musste deshalb aufrüstbar sein. Man kann ja nie wissen, was man noch so braucht. Denn wer einmal anfängt, kann nicht wieder aufhören. Smarthome macht süchtig.

Die Community hilft

Nach vielen Erkundigungen im Internet entschied ich mich für eine funkbasierte Lösung von EQ3 (Homematic). Die Gründe: Jeder Verbraucher kann mit einem eigenen Aktor angesprochen werden. Außerdem kann ich individuelle Skripte und somit eigene Abläufe programmieren - herstellerunabhängig. Bevor ich loslegte, meldete ich mich in einem Forum an, das sich auf mein geplantes System spezialisiert hat. Dort stellte ich meine Pläne vor. Die Unterstützung der Community war einer der Gründe dafür, dass ich mich für dieses System entschieden habe. Auf jede Frage gibt es Antworten oder einen Lösungsansatz.

Wann es dunkel wird, weiß das Haus

Noch vor dem Einzug in mein Haus begann ich mit der Installation der Rollladenaktoren. Während der Renovierung konnte ich die Leitungen schon vorab verlegen lassen. Die Installation der Aktoren verlief unproblematisch: Anschlussskizze erstellen und den Aktor zwischen Schalter und Antrieb in Betrieb nehmen.

Jetzt fahren die Rollos automatisch herunter, sobald die Dunkelheit hereinbricht. Wenn es hell wird, fahren sie wieder nach oben. Nur im Schlafzimmer funktionieren sie ein paar Stunden zeitverzögert, damit ich im Sommer nicht frühmorgens von der Helligkeit geweckt werde. Die Steuerung anhand der Tageszeiten übernimmt die Smarthome-Zentrale anhand der Sonnenauf- und -untergangszeiten.

Das erspart neugierige Blicke von Nachbarn und Passanten und zusätzlich Energie, da die Rollos die Wärme über Nacht im Inneren des Hauses halten. Und bequem ist es natürlich auch, wenn ich vor dem Schlafengehen nicht alle Rollos von Hand herunterfahren muss.

Nach den Rollos ist vor der Garage

Die nächsten Aktoren kamen im darauffolgenden Frühjahr zum Einsatz. Nach dem Einbau eines Flügeltor- und Garagentorantriebes wollte ich auch diese beiden in meine Haussteuerung integrieren. Nach dem Kauf zusätzlicher Aktoren und einer Fernsteuerung kann ich jetzt je nach Tastendruck beide Tore öffnen oder die Tore einzeln ansprechen. Außerdem gehen, sobald es dunkel wird, zusätzlich die Außenbeleuchtung sowie das Licht in der Garage an, wenn ich das Tor öffne.

Nervig: Bei den Aktoren im Garten hatte ich tagelang das Problem, dass der Funkkontakt zwischen Zentrale und Aktoren immer mal wieder unterbrochen wurde. Die ständigen Verbindungsabbrüche haben mich während dieser Zeit des Öfteren zweifeln lassen, ob das System langfristig die richtige Entscheidung war.

Ich fand aber eine Lösung. Die Steuerzentrale, die die Funkbefehle an die Aktoren sendet, musste ich vom Netzwerkschrank im Keller in das Erdgeschoss verlegen. Von da an funktionierte wieder alles.

Ein Thermometer im Garten ist kein Gartenthermometer

Ein paar Wochen später installierte ich ein Thermometer im Garten, das ich mit der Steuerzentrale verknüpfte. Dadurch fahren die Rollläden jetzt im Sommer automatisch ab einer bestimmten Temperatur herunter. Das ist bisher die genialste Funktion in meinem intelligenten Zuhause. Denn es ist einfach sehr angenehm, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und ein kühles Wohnzimmer vorzufinden.

Aber auch im Winter hat mein smartes Heim seine Vorteile. Vor dem Wintereinbruch im vergangenen Jahr entschied ich mich dazu, zusätzlich alle Heizkörper mit intelligenten Thermostaten auszustatten. So konnte ich die Heizprogramme individuell anpassen. Eine gute Entscheidung! Das schöne Gefühl, morgens in ein aufgeheiztes Bad zu kommen, ohne dass die Heizung die ganze Nacht lief, ist unbeschreiblich.

Auch wenn ich an einem kalten Wintertag nach Hause komme und die Heizung dank der Zeitsteuerung bereits das Wohnzimmer gemütlich aufgeheizt hat, ist toll. Bevor ich das Haus außerplanmäßig für längere Zeit verlasse, drücke ich einen Schalter neben der Haustür. Dadurch werden sämtliche Heizungen auf eine vorher definierte Absenktemperatur gestellt, um nicht unnötig Energie zu verheizen.

Die smarte Heizung hat sich gelohnt

Die Heizvorrichtungen in Kombination mit den Rollläden hat mir im vergangenen Jahr eine Energieersparnis von rund 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr gebracht. Wobei ich zugeben muss, dass der vergangene Winter kürzer war als der Vorjahreswinter. Trotzdem hat sich gemessen an diesen Zahlen die Automatisierung der Heizung bereits im vergangenen Winter gerechnet.

Im Sommer 2014 folgte übrigens noch eine Zustandsanzeige der Waschmaschine. Mit Hilfe eines Aktors wird die Stromaufnahme der Waschmaschine gemessen und abhängig davon eine Systemvariable gesetzt. Diese gibt mir dann Auskunft, ob die Waschmaschine läuft oder fertig ist. So spare ich mir mit einem Blick auf das Tablet an der Wand den Weg in den Keller, um zu prüfen, ob das Waschprogramm bereits beendet ist. 

Zugegeben, diese Funktion habe ich nicht unbedingt gebraucht, aber man muss bei einem solch langfristigen und kostenintensiven Projekt schließlich auch im Hinterkopf haben, der Familie immer mal wieder Erleichterungen zu bescheren. Dann habe ich für die nächste technische Spielerei, die sicher kommen wird, wieder genug Rückendeckung.

Wie wird das Ganze gesteuert?

Bis heute sind also sämtliche Rollläden, alle Heizkörper, ein paar vereinzelte Lampen und die Zufahrtstore automatisiert. Trotzdem lässt sich alles manuell mit einfachen Schaltern bedienen. So können auch technisch wenig versierte Besucher wie Freunde oder Verwandte zum Beispiel ein Rollo öffnen oder die Heizung aufdrehen. 

Außerdem kann über ein an der Wand installiertes Tablet die komplette Anlage gesteuert werden, von unterwegs meldet man sich via VPN zu Hause im Netz an und kann dann per App ebenfalls sämtliche Teile des Smarthome steuern. So konnte ich schon des Öfteren von unterwegs das Heizprogramm anpassen oder bei einer Unwetterwarnung die Rollläden entsprechend positionieren.

Nur meine Freundin ist nicht so ganz von der digitalen Steuerungsmöglichkeit überzeugt und zieht derzeit noch den aus der Vergangenheit bekannten Schalter dem Tablet vor.

Smarthome - eine Erleichterung?

Wer mit Standardfunktionen einer Smarthome-Lösung zufrieden ist, bei demjenigen hält sich der zeitliche Aufwand zum Einrichten der Geräte in Grenzen. Wer hingegen eigene Skripte realisieren möchte, muss schon etwas tüfteln, bis alles so läuft, wie er es sich vorstellt.

Ähnlich gestaltet es sich bei der Möglichkeit, manuell in die Steuerung einzugreifen. Wer hier auf fertige Apps oder die Weboberfläche der Steuerungszentrale setzt und seine Aktoren darüber schaltet, bei dem ist der Zeitaufwand für die Einrichtung minimal. Wer seine eigene Oberfläche zur Steuerung über erhältliche Software verwirklichen möchte, dem fällt immer noch etwas ein, was zusätzlich mit hinein muss. Die Anzeige von örtlichen Unwetterwarnungen, Müllentsorgungsterminen und der Überwachungskamera in der Hofeinfahrt sind hier nur ein paar wenige der gängigen Beispiele.

Ist erst einmal alles eingerichtet, muss man allerdings kaum noch selbst eine Aktion anstoßen, die Heizung und die Rollläden schalten automatisiert per Zeitsteuerung und die Außenbeleuchtung geht dank Bewegungsmelder und Fernbedienung immer dann an, wenn man sie gerade benötigt.

Smart, smarter und immer noch smarter

Würde ich wieder ein Smarthome-System installieren? Die Antwort ist definitiv: ja. Alles in allem habe ich die Entscheidung bis heute nicht bereut und alle Anforderungen, die ich im Voraus an das System hatte, sind erfüllt worden.

Ich will meine Anlage im kommenden Jahr erweitern, um die Beleuchtung schalten zu können. Eventuell integriere ich zusätzlich eine automatische Gartenbewässerung, kombiniert mit einer Füllstandsanzeige der Regenwasserspeicher. Denn eines ist sicher: Mein intelligentes Heim kann noch intelligenter werden.  (sk)


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