Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-gta-5-next-gen-schoener-leben-und-sterben-in-los-santos-1411-110586.html    Veröffentlicht: 17.11.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/110586

Test GTA 5 Next Gen

Schöner leben und sterben in Los Santos

Mit der Ich-Sicht von Trevor, Michael und Franklin können Spieler in das generalüberholte Los Santos eintauchen - in der Neuauflage von GTA 5 für PS4 und Xbox One. Im Video zeigt Golem.de die Ego-Perspektive und wie das Spiel im Vergleich zur alten Fassung aussieht.

Gleich einer der ersten Einsätze läuft schief: Wir wollen nur als Franklin für unseren Auftraggeber, den Autohändler Simeon, ein Motorrad zurückgeben. Doch dann pfeifen uns in der Kampagne von GTA 5 plötzlich Kugeln um die Ohren. In der neuen Fassung des Actionspiels von Rockstar Games ist das noch wörtlicher gemeint als in der vor über einem Jahr veröffentlichten Version: Auf der Xbox One und der Playstation 4 können wir auch in der Ich-Perspektive antreten. Das fühlt sich etwas echter an als die bislang verfügbare Third-Person-Ansicht.

Vor allem aber bringt es schon im ersten Kampf gegen die Gang ein paar kleine, aber feine spielerische Vorteile. Wir sehen die Feinde viel direkter und können vor allem Gegner auf Balkonen oder Dachterrassen schneller ins Visier nehmen und mit wenigen Schüssen ausschalten. Mister Simeon kann sich freuen!

Die Ich-Perspektive ist neben der Grafik die eine große Neuerung der überarbeiteten Version von GTA 5. Wir können sowohl zu Fuß als auch in den Autos in der Ego-Perspektive spielen. Dann sehen wir unseren Protagonisten nur noch in den Zwischensequenzen. Spieler können beides sehr weitgehend ihren Wünschen anpassen, also etwa zu Fuß in der Ego-Perspektive antreten und die Autos oder andere Vehikel von hinten sehen. Dort ist sogar das Wageninterieur neu gestaltet: Zu jedem Modell gibt es ein passendes Inneres mit Anzeigen, die echte Daten liefern - inklusive des Namens des laufenden Senders.

In den Kämpfen zu Fuß funktioniert die Steuerung aus der Ich-Sicht tatsächlich deutlich besser: Wir sehen Gegner schneller und haben sie mit dem Gamepad viel schneller im Visier. Bei den anderen Aktionen gefällt uns aber die Schulterperspektive etwas besser. Rockstar Games hat zwar nach eigenen Angaben über zusätzlich 3.000 Animationen etwa für das Klettern, Autoknacken, Fallschirmspringen sowie das Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen erstellt. Trotzdem fühlt es sich geschmeidiger an, wenn wir sehen, wie Trevor oder einer der beiden anderen vor einer Wand steht und sich hochzieht oder eine fremde Autotür aufreißt.

Automatischer Perspektivwechsel zu Fuß gewünscht

Am besten fänden wir es, wenn das Spiel automatisch in Feuergefechten zu Fuß zur Ich-Sicht wechseln würde. Das Umschalten müssen wir allerdings manuell erledigen, und das ist zumindest auf der PS4 schlecht gelöst: Dort müssen wir mehrfach auf das Touchpad drücken, um durch alle Entfernungsstufen dann endlich zum gewünschten Modus zu gelangen - gerade bei frisch eröffneten Gefechten kann das über Leben und Tod entscheiden. Das ist zwar nur ein Detail, trotzdem würden wir uns über eine Änderung etwa per Patch freuen.

Davon abgesehen, sind wir mit der Umsetzung der Ich-Perspektive zufrieden: Die Zielaufschaltung, die Breite des Sichtfelds, Kopfbewegungen und eine Reihe weiterer Details können wir in den Optionen weitgehend selbst konfigurieren. Allerdings sind wir mit den Standardvorgaben gut klargekommen.

Nativ 1080p bei meist 30 fps

Die andere Neuerung in der neuen Version ist die Grafik. GTA 5 wird auf der Xbox One und der Playstation 4 nativ in 1080p (1.920 x 1.080 Pixel) mit 30 fps berechnet. Bei unseren neuerlichen Touren durch Los Santos und das Hinterland hatten wir den Eindruck, dass die Bildrate stabiler ist als in der bislang erhältlichen Fassung, in der es etwa in der Stadtmitte immer wieder zu leichten Rucklern kommt. Gelegentlich kam es uns auch so vor, als ob die Bildrate an Stellen mit vielen Gebäuden und starkem Verkehr leicht unter die 30 fps sinkt - aber ein Problem war das nie.

Mindestens so wichtig wie die höhere Auflösung finden wir die deutlich größere Sichtweite: Laut Rockstar Games soll der Spieler mindestens doppelt so weit in die Welt blicken können. Wenn wir auf einem Berg stehen und über Los Santos schauen, können wir auch ganz weit hinten am Horizont noch die Lichter fahrender Autos sehen. In den ersten ein oder zwei Stunden unserer neuen Ausflüge durch die GTA-5-Welt fanden wir es vor allem in den Bergen fast etwas irritierend, auch weit entfernte Objekte wie das Observatorium sehen zu können - einfach, weil wir es nicht gewohnt waren. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, und zwar gerne.

Neben der Auflösung und der Sichtweite hat Rockstar Games noch weitere Änderungen vorgenommen. Für bessere Bildqualität gibt es laut Rockstar Games außerdem Enhanced Quality Anti-Aliasing (EQAA) und Fast Approximate Anti-Aliasing (FXAA). Anisotropisches Filtern sorgt für schärfere Texturen aus der Distanz, dazu kommt ein neues Render-System für das Fell von Tieren - etwa bei Hund Chip. Tessellation und Displacement Mapping verleihen nun einigen eigentlich flachen Texturen geometrische Komplexität und Tiefe, genauso wie Parallax Occlusion Mapping.

Mehr Lichtquellen und Autos

Außerdem gibt es generell dreimal so viele Lichtquellen, mehr Fußgänger auf dem Seitenstreifen, mehr Autos auf den Straßen, was an vielen Stellen ein lebendigeres Gesamtbild ergibt. Trotzdem ist es nicht schwieriger, von A nach B zu gelangen, mehr Staus bilden sich nämlich nicht. Einige Effekte, insbesondere die schöne, aber gewöhnungsbedürftige Tiefenunschärfe, kann der Spieler in den Optionen abschalten.

Die Kampagne von GTA 5 haben die Entwickler in der neuen Fassung nicht geändert. Zusätzliche Inhalte gibt es vor allem am Rande - etwa 150 zusätzliche Songs im Radio sowie ein paar weitere Tierarten wie die Glühwürmchen im Wald. Außerdem hat Rockstar ein paar Details der Steuerung verändert, etwa beim Werfen von Granaten. Die Inhalte aus allen elf Updates für GTA Online sind in der Kampagne ab dem ersten Tag verfügbar, darunter 29 Fahrzeuge und zwölf Waffen, 79 Tätowierungen und 81 Frisuren.

Wer bereits die Old-Gen-Ausgabe gekauft hat, kann sich außerdem eine Reihe von Extras freischalten. So gibt es eine Nebenmission mit einem Mordfall. Dazu kommen mit dem Kriegsbeil und der Railgun zwei zusätzliche Waffen sowie eine Wildtier-Foto-Herausforderung und ein Stockcar-Rennen. Und ein Luftschiff, mit dem man ganz gemütlich über Los Santos hinwegschweben kann.

GTA Online und das Fazit

Die überarbeitete Grafik und die Ich-Perspektive gibt es nicht nur in der Kampagne, sondern auch im Multiplayer-Modus. In GTA Online können künftig außerdem nicht mehr maximal 16, sondern 30 Spieler und zusätzlich zwei Zuschauer an einer Partie teilnehmen. Laut Rockstar sollen die schon länger angekündigten Raubüberfälle im Multiplayer-Modus mit dem ersten Update für GTA Online nach der Veröffentlichung der neuen Version erhältlich sein - länger als maximal zwei oder drei Wochen sollten Spieler also nicht mehr warten müssen.

Die Neuauflage von GTA 5 - die übrigens keinen weiteren Untertitel oder Namenszusatz trägt - ist ab dem 18. November 2014 für Xbox One und die Playstation 4 verfügbar. Unserem Test mitsamt den Screenshots und dem Video liegt die PS4-Fassung mit dem ersten, rund 1,14 GByte großen Update auf Version 1.01 zugrunde. Im Handel kostet das Spiel für beide Konsolen knapp 70 Euro. Auf der Festplatte der PS4 belegt das Spiel rund 51,4 GByte. Der erste Spielstart dauert rund 20 Minuten - offenbar muss das Programm da noch einige Dateien entpacken.

Wie die Old-Gen-Fassung gibt es die englische Sprachausgabe mit deutschen, abschaltbaren Untertiteln. Die USK hat für das ungeschnittene Spiel eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt. Rockstar zufolge sollen die inhaltlichen Änderungen, etwa die Ich-Perspektive, nicht per Patch für die bislang erhältliche Fassung nachgeliefert werden. Am 27. Januar 2015 will der Hersteller eine Umsetzung für Windows-PC veröffentlichen.

Fazit

Keine Überraschung: Natürlich ist die neue Version von GTA 5 gelungen! Vor allem die Landschaft sieht jetzt besser aus. Das Hinterland mit seinen Bergen und Tälern profitiert am meisten von der verbesserten Weitsicht und den überarbeiteten Texturen. Aber auch die Skyline von Los Santos wirkt - besonders bei Nacht - deutlich schöner, ebenso wie die meisten der nun wirklich auf Hochglanz polierten Autos.

Wer unbedingt mäkeln will, könnte bemängeln, dass nicht alle Animationen so verbessert worden sind wie der Rest der Welt. Das wirkt ein bisschen unstimmig.

Die Ich-Perspektive ist eine nette Dreingabe. Beim Spazieren oder Rennen durch die Stadt und beim Klettern ist sie uns ein kleines bisschen zu hakelig, also bleiben wir da lieber beim Third-Person-Modus. Ebenso beim Autofahren, da bevorzugen wir grundsätzlich die Außenansicht. Bei Schießereien finden wir die Ich-Sicht aber klasse! Uns kommen die Feuergefechte damit sogar auf Konsole einfacher vor, vor allem aber machen sie noch mehr Spaß. Schade nur, dass der Wechsel zwischen den beiden Modi so umständlich ist. Übrigens sind wir gespannt, wie die direktere Steuerung in der PC-Version funktioniert. Eigentlich müsste sie da mit Maus und Tastatur erst so richtig ihre Stärke zeigen.

Kaufen oder nicht? Wer die Kampagne durch hat und GTA 5 in- und auswendig kennt, für den dürften der neue Look, die Perspektive und auch die netten Bonusinhalte auf Dauer zu wenig sein. Spieler, die immer wieder mal einen Abstecher nach Los Santos machen oder die auf künftige Erweiterungen hoffen, sollten dagegen trotz des hohen Preises mit der neuen Version durchstarten.  (ps)


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