Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/yoga-3-pro-convertibleim-test-flach-leicht-hochaufloesend-kurzatmig-1411-110585.html    Veröffentlicht: 19.11.2014 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/110585

Yoga 3 Pro Convertible im Test

Flach, leicht, hochauflösend, kurzatmig

Lenovos Yoga 3 Pro ist ein sehr dünnes, tolles Convertible zu einem hohen Preis. Der verbaute Core M überzeugt wie dessen Kühlung, das hochauflösende Display aber hat einen Schönheitsfehler.

Weniger geht kaum, dachten wir bei Asus' 14,8 mm dünnem Transformer Book T300 Chi. Dann stellte Lenovo das 12,8 mm flache Yoga 3 Pro vor - wohlgemerkt ein Convertible mit Tastatur und kein Tablet. In dem Ultrabook steckt topaktuelle Technik, die das Yoga 3 Pro zu einem der interessantesten 13-Zoll-Convertibles am Markt macht.

Das Gehäuse aus mattem, ganz leicht angerautem Aluminium liegt gut in der Hand - Fingerabdrücke haben keine Chance. Die Basiseinheit ist sehr verwindungssteif. Bei einem Gewicht von nur 1.193 Gramm ist das Yoga 3 Pro problemlos mit einer Hand greif- und tragbar. Um es zu öffnen, benötigen wir allerdings zwei Hände, da der Schließmechanismus magnetisch ist.

Die Oberseite der Basiseinheit ist mit gummierten Dimpeln überzogen, was wir angenehmer finden als eine metallene Oberfläche. Die Verbindung zum Display stellt ein sechsteiliges Scharnier aus Kettengeflecht her, das aus 813 einzelnen Metallelementen besteht. Einige davon rasseln kaum hörbar beim 360-Grad-Umklappen des Displays in den Tablet-Modus mit deaktivierter Tastatur.

Das Scharnier hält den Bildschirm meist fest in seiner Position, beim Schreiben auf der Basiseinheit wackelt er nicht. Einzig, wenn wir das Touch-Display mit dem Finger antippen, federt der Bildschirm ein wenig nach. Dessen Einfassung ist extrem dünn, weswegen der Displayrahmen kaum verwindungssteif ist.

In der Praxis ist das unserer Ansicht nach nicht relevant, da wir das Yoga 3 Pro nur an der Basiseinheit greifen oder zusammengeklappt herumtragen. Die optional beleuchtete Chiclet-Tastatur verzichtet auf F-Tasten, diese sind nur per Fn-Button nutzbar.

Der geringe Hub der flachen Tasten ermöglicht nach ein wenig Eingewöhnung flottes und sauberes Tippen. Das Gesten-Touchpad ist besser als bei aktuellen Thinkpads, wir bevorzugen aber ohnehin einen Trackpoint.

Dunkel mit Pentile-Vorteil

Angesichts der sehr flachen Maße verwundert es nicht, dass Lenovo kein Ethernet verbaut hat, dafür gibt es zwei USB-3.0-Ports. Eine zusätzliche USB-2.0-Schnittstelle dient als Ladeanschluss, ist also nur ohne Netzkabel verfügbar. Das Netzteil ist sehr kompakt und wiegt knapp 200 Gramm. Allen USB-Ports gemein ist die Tatsache, dass dicke Sticks das Yoga 3 Pro anheben und es dann kippelt.

Ein Micro-HDMI-Ausgang, ein intern per USB 3.0 angebundener SD-Kartenleser, ein kombinierter Mikrofon-Audio-Port, WLAN nach ac-Standard, Bluetooth 4.0 und eine 720p-Webcam vervollständigen die Ausstattung.

An der rechten Seite des Yoga 3 Pro befinden sich der Power-Button, eine Lautstärke-Wippe und ein praktischer Knopf, der die automatische Displaydrehung aktiviert oder sie abschaltet.

Lenovo hat sich für ein 13,3 Zoll großes IPS-Touch-Panel entschieden. Dieses löst mit 3.200 x 1.800 Bildpunkten auf, also QHD+ (Quad High Definition Plus). Rechnerisch entspricht das einer Pixeldichte von hohen 276 ppi, die Subpixel sind in einer Pentile-Matrix (RGBW) angeordnet. Anders als bei einer RGBG-Pentile wirken Texte jedoch nicht ausgefranst, da drei Subpixel vorhanden sind.

Die RGBW-Pentile-Matrix spart verglichen mit einer RGB-Matrix durch das zusätzliche weiße Subpixel sogar Energie. Das Gleiche gilt für die durchschnittliche maximale Helligkeit von nur 273 cd/m². Das ist für ein Ultrabook recht wenig, zumal das Glare-Display bei direkter Lichteinstrahlung stark spiegelt.

Der Bildschirm macht einen Großteil der Leistungsaufnahme des Yoga 3 Pro aus: Mit deaktiviertem Display erreichen wir im Flugzeugmodus 3,7 Watt. Bei minimaler Helligkeit sind es 4,2 Watt und bei maximaler 9,5 Watt.

Yoga-typisch kann der Bildschirm um 360 Grad umgeklappt werden. Die Modern-UI-Oberfläche von Windows 8.1 startet, die Tastatur schaltet sich ab, und das Convertible dient als Tablet. Ebenfalls praktisch ist der Stand-Modus, etwa zum Betrachten von Filmen oder Serien.

Die Akkulaufzeit ist mäßig

Basis des Yoga 3 Pro bildet Intels neuer Core M-5Y70, den wir bereits ausführlich getestet haben. Zusammengefasst bietet der Broadwell-Y-Prozessor im Mittel eine deutlich höhere Rechengeschwindigkeit als alle aktuellen Atom-Chips mit Silvermont-Technik (Bay Trail), vor allem die Grafikeinheit.

Verglichen mit dem schnellsten Yoga 2 Pro mit Core i7-4510U ist der Core M klar langsamer. Der kleinsten Variante mit dem Core i3-4010U dürfte der 5Y70 meist ebenbürtig sein. Im Alltag spielt das aber kaum eine Rolle, denn bei Aufgaben wie Office, Webbrowsing, Streamen von Filmen oder dem Umwandeln eines Bildes fühlt sich der Core M nicht anders an als ein Core-i-Modell.

Die Kühlung des Core M-5Y70 übernehmen eine Heatpipe-Konstruktion und ein kleiner Lüfter. Der pustet einzig die Abwärme nach hinten hinaus, das Yoga 3 Pro kommt ohne Ansaugöffnungen auf der Unterseite aus - gut für alle, die das Convertible im Bett nutzen. Der Prozessor erreicht unter Dauerlast knapp 70 Grad Celsius, das Säuseln des Lüfters ist nur in stillen Räumen hörbar. Meistens bleibt er ohnehin aus.

Die weitere Hardware unseres US-Modells des Yoga 3 Pro umfasst verlötete 8 GByte LPDDR3-1600 im Dual-Channel-Betrieb und eine 256 GByte große SSD von Samsung. Die im deutschen Handel verfügbare Version des Convertibles ist mit einem 512-GByte-Modell ausgestattet, das nahezu identische Lese- und Schreibraten erreicht. Wir messen im Crystal Disk Mark 474 und 264 MByte pro Sekunde, 4K-Daten liest und schreibt die SSD mit guten 30 sowie 73 MByte pro Sekunde.

Lenovo hat einen 5.900-mAh-Akku verbaut, angesichts des sehr dünnen Convertibles ein vertretbarer Kompromiss. Der Productivity-Test des Futuremark Powermark gibt mit mittlerer Helligkeit (150 cd/m²) bei aktivem 5-GHz-WLAN eine Laufzeit von 347 Minuten aus - weniger als sechs Stunden. Das reicht immerhin für einen Messetag oder einen halben Tag im Büro.

Sechs Stunden sind für aktuelle Haswell-Ultrabooks ein geringer Wert, mit Broadwell sollte mehr möglich sein - aber nur dann, wenn die Hersteller einen entsprechenden Akku im jeweiligen Gerät verbauen.



Läuft auch mit Ubuntu

Die Installation von Ubuntu 14.10 mit dem Linux-Kernel 3.16.0 und Mesa 10.3 auf dem Yoga Pro 3 verläuft weitgehend problemlos. Von einem unter Ubuntu erstellten USB-Stick können wir problemlos aus Windows heraus starten. Alternativ wird das Ultrabook ausgeschaltet und anschließend über den Onekey genannten Schalter gestartet.

Dieser ist der zweite Knopf von vorne auf der rechten Seite des Gerätes. Darüber wird das Bios geöffnet und ein externer bootfähiger USB-Stick oder alternativ der Recovery Modus gestartet, mit dem das vorinstallierte Windows auf seinen Auslieferungszustand zurückgesetzt wird.

Ubuntu 14.10 startet mit 3.200 x 1.800 Pixeln und ist bereits im Live-Modus über den Touchscreen bedienbar, wenn auch mühsam: Die Trefferquote bei kleinen Einträgen etwa in der Benachrichtigungsleiste ist ziemlich gering. Erst als wir die Auflösung auf 1.920 x 1.080 Pixel unter Beibehaltung des Seitenverhältnisses von 16:9 herabsetzen, gelingen die Touch-Eingaben zielsicherer.

In den Einstellungen zu den Anzeigeräten ist der Vergrößerungsfaktor der Menü- und Titelleisten einstellbar. Die können wir später auch in der maximalen Auflösung so einstellen, dass Eingaben über den Touchscreen treffsicher funktionieren. Allerdings sind einige Texteinträge abgeschnitten, etwa in den Systemeinstellungen.

Die für Ubuntu vorgesehenen Gesten auf dem Touchpad klappen nicht alle, etwa das Bewegen der Fenster mit drei Fingern. Das Aufrufen der Taskleiste mit ebenfalls drei Fingern funktioniert hingegen problemlos.

Der Treiber für das WLAN-Modul BCM4352 von Broadcom fehlt auf dem Image von Ubuntu 14.10, da der proprietäre Treiber dort nicht mitgeliefert werden darf. Da das Yoga Pro 3 auch keinen Ethernet-Adapter hat, können wir das Gerät zunächst nicht mit dem Internet verbinden. Die Installation muss also offline erfolgen.

Ubuntu erkennt die SSD und zwackt für die Linux-Distribution etwa 68 GByte Speicher von der Windows-Partition für die System- und Swap-Partition ab. Für Windows 8.1 bleiben dann noch etwa 130 GByte übrig. Der Bootloader Grub2 nistet sich automatisch in das Uefi ein. Nach einem Neustart ist Ubuntu betriebsbereit, aber immer noch nicht mit dem Internet verbunden.

WLAN-Treiber-Probleme

Die Treiber für den WLAN-Chip gibt es zum Download auf der Ubuntu-Webseite. Wer sie von einem anderen mit dem Internet verbundenen Rechner auf das Yoga Pro 3 kopiert, kann sie anschließend dort mit dpkg -i installieren. Das ist uns aber zu mühsam. Wir greifen zu einem USB-Ethernet-Adapter und klemmen damit das Ultrabook ans Netz. Dann installieren wir den Treiber im Untermenü Zusätzliche Treiber in der Option Software & Aktualisierungen in den Systemeinstellungen und starten gleich noch die Softwareaktualisierung. Danach können wir uns per WLAN mit dem Internet verbinden.

Sämtliche Steuerungstasten funktionieren, und selbst das Abdunkeln des Bildschirms macht keine Probleme, wie es auf Laptops mit Linux sonst oftmals der Fall ist. Auch die Webcam und das Bluetooth-Modul können wir ohne Zutun nutzen. Allerdings leert sich der Akku auf der höchsten Helligkeitsstufe unverhältnismäßig schnell.

Testweise klappen wir das Ultrabook zu und wieder auf, und die zuvor funktionierende WLAN-Verbindung ist dahin. Der Treiber ist zwar noch geladen und mit ifconfig wlan0 up können wir das Modul wieder starten, im grafischen Networkmanager aber bleibt uns die Einrichtung einer drahtlosen Verbindung verwehrt. Mit dem Befehl rfkill list entdecken wir, dass das WLAN-Modul plötzlich hardwareseitig blockiert ist. Auch das Bluetooth-Modul funktioniert nicht mehr.

Selbst ein Neustart und ein Ausschalten und anschließendes Einschalten erwecken die beiden Funkverbindungen nicht mehr zum Leben. Mit Rfkill können wir zwar die Blockierung aufheben, der Networkmanager reagiert aber darauf nicht. Schließlich stoßen wir im Lenovo-Forum auf die Lösung des Problems: Der Treiber Ideapad_laptop sperrt WLAN und Bluetooth wohl in der Annahme, dass das Yoga Pro 3 entsprechende Tasten zum Ein- und Ausschalten hat.

Nachdem wir zunächst den Treiber probeweise mit modprobe -r ideapad_laptop deaktivieren, erwachen die beiden drahtlosen Verbindungen auch im Networkmanager wieder zum Leben. Danach folgen wir den Anweisungen im Forum und setzen Ideapad_laptop auf die schwarze Liste, damit er beim Systemstart nicht geladen wird.

Höhere Leistung unter Linux

Im Grafikbenchmark Glmark2 schneidet Intels HD Graphics 5300 mit 1.150 Punkten vergleichsweise gut ab. Die HD Graphics 5000 aus einem Macbook Air von 2013 schaffte zwar mit einem Wert von 1.590 mehr Punkte, aber dessen HD Graphics 5000 hat auch deutlich mehr Shader-Blöcke, nämlich 40 statt nur 24.

Außerdem kann sich die Grafikeinheit im Macbook Air höher takten und hält den Boost längere Zeit. Weiterhin ist Intels Core-M-Plattform neu, künftige Versionen des Linux-Treibers dürften Verbesserungen bringen.

Im Geekbench Benchmark schaffte das Yoga Pro 3 unter Linux 2.783 Punkte im Singlecore- und 4.861 Punkte im Multicore-Modus. Auf den ersten Blick liegen die entsprechenden Werte unter Windows mit 1.180 und 3.285 Punkten deutlich darunter. Hintergrund ist die Taktung der CPU-Kerne, welche die beiden Betriebssysteme unterschiedlich handhaben. Unter Windows wird der Core M während des Benchmarks gedrosselt, während er unter Linux meist bei voller Frequenz läuft.

Wir probieren noch aus, ob die vom Linux-Programm TLP vorgegebenen Standardwerte die Akkulaufzeit verlängern. TLP ist ein Energieverwaltungsprogramm für Laptops, das unter Ubuntu aus der Softwarequelle Linrunner installiert wird. Die Anwendung zur Überwachung des Energieverbrauchs Powertop meldet ohne TLP bei voller Bildschirmhelligkeit eine Leistungsaufnahme von 10,5 Watt und bei minimaler 9,7 Watt.

# Nachdem wir TPL installiert haben, sinkt die Leistungsaufnahme bei minimaler Bildschirmhelligkeit auf 7,7 Watt, und bei maximaler Helligkeit pendelte sich die Leistungsaufnahme bei rund 9,5 Watt ein. Die Akkulaufzeit des Yoga 3 Pro liegt unter Linux dennoch unter den Werten von Windows 8.1. Da die Taktungswerkzeuge Cpufrequtils nur rudimentär funktionierten, gehen wir davon aus, dass das Feintuning für die neue Plattform unter Linux noch nicht abgeschlossen ist. Immerhin: Auch unter Linux hörten wir den Lüfter fast nie. Nur aus dem Schlafmodus erwachte Ubuntu nicht immer, oft müssen wir das Gerät neu starten.

Verfügbarkeit und Fazit

Lenovo verkauft das Yoga 3 Pro in Deutschland einzig mit dem Core M-5Y70 und einer 512 GByte großen SSD. Das Convertible kostet in dieser Konfiguration 1.600 Euro, wird in drei Farben angeboten (Orange, Silber und Gold) und ist bei vielen Onlinehändlern problemlos zu haben.

Fazit

Das Yoga 3 Pro ist das erste Covertible mit einem Core M, das Golem.de getestet hat. Wir finden es beeindruckend, welche Rechengeschwindigkeit der Prozessor in dem nur 12,8 mm flachen und knapp 1,2 kg schweren Gerät kurzfristig abrufen kann. Die Alltagsleistung passt dank 8 GByte Arbeitsspeicher sowie einer flotten Samsung-SSD ohnehin.

Aufgrund des sparsamen Core M springt der Lüfter des Yoga 3 Pro nur bei Dauerlast an und säuselt kaum hörbar vor sich hin - meistens erfolgt die Kühlung passiv. Drei USB-Ports, ein SD-Kartenleser und ein Micro-HDMI-Ausgang sind mehr, als es bei einigen dickeren Ultrabooks gibt, hinzu kommen gute Ideen wie die Lautstärke-Wippe und der Knopf für die automatische Displaydrehung.

Kommen wir zum Display: Ja, 3.200 x 1.800 Pixel auf 13 Zoll klingen toll. Die geringe Helligkeit trübt wortwörtlich das Bild, ohne wäre die Leistungsaufnahme des Touchscreens aber schlicht zu hoch. Wir hätten gerne eine Version des Yoga 3 Pro mit 1.600 x 900 Pixeln gesehen.

Durch den Displaykompromiss liefert Lenovos Covertible eine Akkulaufzeit von rund sechs Stunden. Das ist weniger als bei den meisten Haswell-Ultrabooks, von einem Macbook Air ganz zu schweigen. Für einen Messetag oder um einige Abende mit Yoga 3 Pro im Tablet-Betrieb auf der Couch zu surfen, reicht die Laufzeit aber allemal.  (ms)


Verwandte Artikel:
Yoga 3 Pro: Lenovos erstes Convertible mit Core M wiegt 1,2 Kilogramm   
(09.10.2014, https://glm.io/109744 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/