Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/rosetta-mission-philae-ist-im-tiefschlaf-1411-110570.html    Veröffentlicht: 15.11.2014 12:17    Kurz-URL: https://glm.io/110570

Rosetta-Mission

Philae ist im Tiefschlaf

Philaes Akkus sind fast leer, und die Solarzellen bekommen nicht genügend Sonnenlicht. Deshalb wurde das Landefahrzeug in den Tiefschlaf versetzt. Zuvor konnten zumindest wichtige Daten übermittelt werden. Ob Philae wieder aufwacht, ist ungewiss.

"Signalverlust, keine weitere Kommunikation mehr", teilte die Europäische Weltraumagentur Esa in einer Twitter-Botschaft mit. Das Landefahrzeug Philae ist jetzt im Tiefschlaf. Das Minilabor Philae hat um 01.36 Uhr am frühen Samstagmorgen wegen leerer Akkus seine Arbeit auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko - genannt Tschuri - eingestellt. Ob es noch einmal Kontakt über Rosetta zur Erde aufnehmen kann, ist fraglich. Denn Philae geht der Strom aus. Die Akkus waren ohnehin nur für einen 60-stündigen Betrieb gedacht. Danach sollten Philaes Solarzellen die Stromversorgung des Landefahrzeugs übernehmen. Wegen des ungünstigen Landeplatzes bekommen sie aber nicht genügend Sonnenlicht von unserem fast 650 Millionen Kilometer entfernten Zentralgestirn. Am Freitag gelang es der Bodenkontrolle, Philae noch um 35 Grad zu drehen, damit die Solarzellen mehr Licht einfangen können. Ob das funktioniert, ist noch offen.

Daten erfolgreich heruntergeladen

Dennoch verbuchen die Wissenschaftler im Esa-Zentrum in Darmstadt die Mission als Erfolg. Alle bisher gesammelten Daten wurden den Angaben zufolge erfolgreich heruntergeladen. "Wir sind in dem Zeitrahmen geblieben, den wir uns vorgestellt haben", sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe in Darmstadt.

Den Kontrolleuren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln gelang es am späten Freitagabend noch einmal, mit dem Lander zu kommunizieren. Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR sprach von "letzten Zuckungen von Philae". Möglicherweise könnte das Labor wieder Energie tanken, wenn es auf Tschuri Richtung Sonne gehe. "Das wird aber wahrscheinlich nicht in den nächsten zwei Monaten sein", sagte der technische Leiter des Landers, Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum. Irgendwann drohe allerdings der Hitzetod.

Tschuri riecht nach faulen Eiern und Pferdestall

Schon jetzt haben die Forscher herausgefunden: Auf Tschuri ist es dunkel und es stinkt - nach faulen Eiern und Pferdestall. Der Brocken braucht fast sieben Jahre, um die Sonne zu umrunden. Je näher der Komet unserem Zentralgestirn kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis und desto stärker wird seine Ausgasung.

Mit den von Philae gesammelten Daten wollen die Experten jetzt unter anderem die Zusammensetzung des Kometenkerns sowie die Bodenbeschaffenheit und Temperatur analysieren. Am Freitag wurde ein Thermometer des Instruments Mupus rund 35 Zentimeter tief in den Kometen gerammt, um die Festigkeit des Bodens zu testen und Informationen über seine Wärme zu bekommen.

Wissenschaftler hoffen bei der Analyse der Daten auf Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Erwartet werden Indizien dafür, wie Leben möglich wurde, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen.  (jt)


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