Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/streaming-spotify-will-taylor-swift-6-millionen-us-dollar-zahlen-1411-110498.html    Veröffentlicht: 12.11.2014 14:04    Kurz-URL: https://glm.io/110498

Streaming

Spotify will Taylor Swift 6 Millionen US-Dollar zahlen

Drei Mythen rund um legales Musikstreaming will Spotify-Chef Daniel Ek widerlegen. Er nennt in einer ausführlichen Analyse Zahlen zum Vergütungsmodell, von dem Sängerin Taylor Swift nicht mehr profitieren will. Auch, was ein einzelner Stream dem Künstler finanziell bringt, berichtet der CEO.

Zur andauernden Kontroverse um legales Musikstreaming hat Spotify-Chef Daniel Ek in einem langen und mit vielen Zahlen unterfütterten Blogeintrag Stellung bezogen. Er nennt als Grund für seine Äußerungen gleich zu Beginn den Vorfall, dass die Sängerin Taylor Swift sich kürzlich nach dem Erscheinen ihres neuen Albums komplett aus Spotify zurückgezogen hatte.

Dafür, so Daniel Ek, seien drei Mythen verantwortlich, deren ständige Wiederholung durch die klassische Musikindustrie ihn regelrecht "ärgert". Der erste: Wenn Musik gratis angeboten werde, würden auch die Künstler nicht bezahlt. Das sei aber gerade bei Spotify nicht richtig, denn das Unternehmen bezahle auch Streams, die in seinem Gratis-Angebot abgespielt werden. Insgesamt habe Spotify seit seiner Gründung im Jahr 2008 über zwei Milliarden US-Dollar an Lizenzgebühren an die Musikbranche gezahlt.

Erfolgreiche Streams bringen mehr als Radio

Eine davon will das Unternehmen allein im letzten Jahr ausgeschüttet haben, was wohl - Ek erwähnt das nicht - am rasanten Wachstum des Dienstes liegt. Spotify kooperiert inzwischen nicht mehr nur mit Herstellern von mobilen Geräten, sondern auch mit Providern wie der Telekom.

Zudem ist der Dienst auf immer mehr Geräten der Unterhaltungselektronik vorinstalliert. Auch bei Gratis-Streams verdient Spotify, weil diese wie beim Radio mit Werbung versehen werden. Von den 50 Millionen Nutzern, so schreibt Daniel Ek, bezahlten inzwischen 12,5 Millionen den Premium-Dienst mit je 120 US-Dollar pro Jahr. Dass 80 Prozent der Nutzer zuerst das freie Angebot genutzt hätten, sieht er als Beleg für die Kombination aus gratis und kostenpflichtig.

Als zweiten Mythos bezeichnet er die auch von Taylor Swift in einem früheren Gastbeitrag für das Wall Street Journal gemachte Äußerung, dass die Vergütung durch legales Streaming so gering sei, dass Musiker davon nicht leben könnten. Ein Platin-Seller wie Swift, die laut Ek pro Jahr mit Spotify rund 6 Millionen US-Dollar verdienen könne, ist dabei natürlich die Ausnahme. Wenn aber ein einzelner Song nicht millionenfach, sondern nur 500.000-mal abgespielt werde, zahle Spotify dafür zwischen 3.000 und 4.000 US-Dollar.



Weniger als ein Cent pro Stream

Das klingt beeindruckend, belegt aber auch - was Ek nicht vorrechnet - dass die Tantiemen pro Einzelabruf sehr gering sind: nur 0,6 bis 0,8 Cent ergeben sich mit seinem Beispiel. Der Spotify-Chef vergleicht das aber mit dem einmaligen Abspielen bei einer mittelgroßen Radiostation in den USA, die ebenfalls eine halbe Million Hörer erreicht. Dafür würde der Künstler aber rein gar nichts erhalten, so Daniel Ek. Welches Vergütungsmodell er dafür zugrunde legt, gibt er nicht an. In den USA müssen Radioeinsätze - vielleicht aber erst ab einer bestimmten Anzahl - durch Verwertungsgesellschaften ebenso wie in anderen Ländern bezahlt werden. Dafür gibt es in den Vereinigten Staaten unter anderem die ASCAP und die BMI, die ähnlich wie die deutsche GEMA agieren.

Auch sonst vergleicht Ek seinen Dienst mit werbefinanzierten Angeboten wie dem Radio und Youtube. Diese beiden Verbreitungswege seien neben Streaming die einzigen, bei denen Musiker ihre Fans gratis erreichen, und dabei auch noch etwas verdienen können. Dabei wird das Streaming aber von der Musikindustrie laut Ek immer noch bekämpft, weil die Branche annimmt, dadurch würde der Verkauf von Musik zurückgehen.

Streaming schadet Verkäufen nicht

Dies bezeichnet der Spotify-Manager als den dritten Mythos. Der vor allem seit 2013 beobachtete Rückgang von Download-Verkäufen sei nicht direkt auf Streaming zurückzuführen, sondern ein allgemeines Phänomen. Dies sei in Kanada, wo Spotify im letzten Jahr noch nicht aktiv war, genauso wie in den USA zu beobachten gewesen, meint Daniel Ek. Es gebe unter anderem mit Ed Sheeran, Lana Del Rey und Daft Punk auch Beispiele für Künstler, die Nummer-Eins-Hits gehabt hätten, während sie auf Spotify vertreten gewesen seien.

Ek spricht auch aus, was bei den Rekordzahlen für Taylor Swifts Album "1989" oft nicht genannt wird: Der Titel verkaufte sich zwar in der ersten Woche 1,2 Millionen Mal. Das, so Ek, sei aber das erste Mal, dass ein Album das seit dem Jahr 2002 geschafft habe - der große Erfolg erscheint also als Ausnahmephänomen. Insgesamt könnte die Musikindustrie auf legales Streaming nicht mehr verzichten, meint Daniel Ek. In der Mitte seines Beitrags findet sich ein Satz, der direkt an die Branche gerichtet ist, und eigentlich ein gutes Schlusswort ergeben hätte: "Gibt es nichts umsonst, wird auch nichts bezahlt, und es gibt keine zwei Milliarden US-Dollar."

Nachtrag vom 13. November 2014, 13:55 Uhr

Swifts Plattenfirma zufolge soll Spotfiy für Streams in den USA in den vergangenen zwölf Monaten nur eine halbe Million US-Dollar bezahlt haben. Spotify bestätigt das, gibt aber an, weltweit seien es zwei Millionen gewesen. Wie sich die beiden Kontrahenten öffentlich streiten, findet sich in einer aktuellen Meldung.  (nie)


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