Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/grossrazzia-im-tor-netzwerk-hessische-ermittler-schliessen-vier-web-shops-1411-110470.html    Veröffentlicht: 11.11.2014 15:44    Kurz-URL: https://glm.io/110470

Großrazzia im Tor-Netzwerk

Hessische Ermittler schließen vier Web-Shops

"Es gibt keine absolute Anonymität im Internet": Deutsche Fahnder haben vier illegale Online-Shops abgeschaltet. Die Operation "Onymous" soll das Vertrauen in das Darknet und die Anonymisierung über Tor erschüttern.

Vier illegale Online-Shops sind bei einem globalen Schlag gegen den Drogenhandel von deutschen Fahndern vom Netz genommen worden. Die fünf zugehörigen Server hätten hessische Rauschgiftfahnder sichergestellt, sagte die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, am Dienstag in Wiesbaden. "Wir haben sozusagen den Fuß in die Tür stemmen können." Der 26 Jahre alte mutmaßliche Betreiber des Internet-Schwarzmarkts Hydra sei von deutschen Ermittlern in Ungarn festgenommen worden.

Die Operationen waren Teil der weltweiten Aktion gegen die illegale Handelsplattform Silk Road 2.0. Die US-Bundespolizei FBI hatte deren mutmaßlichen Administrator vergangene Woche in San Francisco festgenommen. Die Internet-Dienste, die aufgrund der deutschen Ergebnisse geschlossen wurden, waren nach Angaben eines LKA-Sprechers aber eigenständig. Sie haben gemeinsam, dass sie nur über das Tor-Netzwerk zugänglich waren.

Zwölf Einzelverfahren eingeleitet

Die sogenannten Hidden Services im Tor-Netzwerk machten es Käufern illegaler Dienste und Waren - etwa der Droge Crystal Meth - im Internet so einfach und Ermittlern so schwer, sagte LKA-Präsidentin Thurau. Ziel der Operation "Onymous" sei es aber gewesen, das allgemeine Vertrauen in die Anonymität des Internets, auch des sogenannten Darknets, nachhaltig zu erschüttern: "Es gibt keine absolute Anonymität im Internet", sagte sie. Wie die Ermittler die Betreiber identifizieren konnten, blieb unklar. Selbst das Tor-Netzwerk erklärte, von der Aktion überrascht worden zu sein.

"Wer Straftaten über das Internet begeht, muss mit konsequenter Strafverfolgung rechnen", sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Rainer Franosch. Die Fahnder ermittelten wegen des Verdachts des bandenmäßigen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Zwölf Einzelverfahren seien in Deutschland eingeleitet worden, weitere Verfahren hingen von den weiteren Untersuchungen ab.

Hauptverdächtiger aus Hessen

Einer der Hauptverdächtigen des illegalen Drogenhandels im Internet kommt Thurau zufolge aus Hessen. Dadurch hätten die Fahnder Hinweise auf Server im Land bekommen. Deshalb waren die deutschen Ermittlungen in Hessen angesiedelt. Dort arbeitete das LKA mit dem Bundeskriminalamt, der Generalstaatsanwaltschaft und dem Zoll in Frankfurt zusammen. Hinweise der deutschen Ermittler gingen auch an Schottland und die Niederlande.

Das LKA rechnet nach eigenen Angaben damit, viele weitere Verdächtige ausfindig machen zu können. Insgesamt habe die globale Operation von zahlreichen Staaten Europas und der USA zu 17 Festnahmen geführt. Die Fahnder hätten weltweit Bitcoins im Wert von einer Million Dollar sichergestellt, 180.000 Euro in bar sowie große Mengen an Rauschgift, Gold und Silber.

Die Tor-Betreiber haben bisher nur vage Vermutungen, wie die Ermittler in das verdeckte Netzwerk hereingekommen sind und die versteckten Angebote entdecken konnten. "Wir wissen es nicht", hieß es in einem Blogeintrag des Tor-Projekts. Möglicherweise gebe es verdeckte Schwachstellen oder die Aktion hänge mit Berichten über die Beschlagnahmung mehrerer Tor-Server zusammen. Bei Silk Raod 2 war laut Anklageschrift auch ein verdeckter Ermittler eingeschleust worden.  (dpa)


Verwandte Artikel:
DDoS: Vier Darknet-Marktplätze nach Angriffen offline   
(15.10.2017, https://glm.io/130622 )
Linux und Mac: Tor-Browser-Exploit verrät IP-Adresse einiger Nutzer   
(04.11.2017, https://glm.io/130970 )
Tor-Gründer Dingledine: "Es gibt kein Dark Web"   
(01.08.2017, https://glm.io/129240 )
Fast 8.000 Fälle: FBI kann jedes zweite Gerät nicht mehr knacken   
(11.01.2018, https://glm.io/132106 )
Kriminalität: Mann droht Firma mit Hack, um Job zu bekommen   
(02.01.2018, https://glm.io/131915 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/