Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-opensuse-13-2-entschlackter-installer-wicked-konfiguriert-das-netzwerk-1411-110296.html    Veröffentlicht: 04.11.2014 13:37    Kurz-URL: https://glm.io/110296

Test Opensuse 13.2

Entschlackter Installer, Wicked konfiguriert das Netzwerk

Mit etwas Verspätung ist Version 13.2 der Linux-Distribution Opensuse freigegeben worden. Die Verzögerung war nicht Bugs im System geschuldet, sondern einer strukturellen Umorganisation.

Opensuse 13.2 bringt einige grundlegende Neuerungen mit, darunter einen entschlackten Installer sowie ein neues Framework für das Netzwerk, das die Verwaltung und Konfiguration von Netzwerkgeräten vereinheitlichen und vereinfachen soll. Außerdem wurde die Portierung der Systemverwaltung Yast auf Ruby abgeschlossen. Eigentlich war geplant, dass Opensuse 13.2 bereits vor vier Monaten erscheinen sollte. Die Verzögerung geschah aufgrund der Konsolidierung der beiden Entwicklungszweige Factory und Tumbleweed.

Um den Entwicklungsaufwand zu verringern, der bislang für Factory und Tumbleweed benötigt wurde, entschloss sich das Suse-Team samt Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman, die beiden Zweige zusammenzuführen. Die Softwarequelle Tumbleweed ist als Rolling Release und als Alternative zu den Opensuse-Versionen im normalen Veröffentlichungszyklus gedacht. Die dort enthaltene Software soll immer auf dem aktuellen Stand bleiben, aber dennoch stabil genug für den alltäglichen Gebrauch sein und eine Neuinstallation oder ein Update des Systems überflüssig machen.

Tumbleweed schluckt Factory

Der Factory-Zweig enthielt die aktuellen Softwareversionen, die unter Umständen auch instabil sein konnten und in erster Linie für Entwickler gedacht waren, die sogenannte Bleeding-Edge-Software. Die beiden vereinten Repositories werden unter dem Namen Tumbleweed weitergeführt, dessen Entwicklungsprozess wird weiterhin unter dem Namen Factory geführt. Tumbleweed soll aber keine instabile Software mehr bereitstellen, sondern für den Alltagsgebrauch gedacht sein, vergleichbar mit der Fedora-Version Rawhide.

In der Linux-Distribution selbst wurden ebenfalls grundlegende Änderungen vorgenommen. Der Installationsprozess wurde deutlich verkürzt. Yast führt die Installation in drei grundlegenden Schritten durch: Daten sammeln, Installieren, Einstellungen anwenden. Diese Schritte sollen darüber hinaus von unabhängigen Entwicklern durch eigene Anwendungen ersetzt werden können. Damit könnten auf Opensuse basierende Distributionen und Suse-Kunden die Installation an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen.

Nur wenige Installationsschritte

Sämtliche Benutzereingaben müssen noch vor einem Neustart eingegeben werden, damit das System dann auch gleich genutzt werden kann. Die aus dem Installationsprozess ausgegliederten komplexeren Anmeldeszenarien wie über NIS, LDAP oder Kerberos sollen erst im installierten System in Yast vorgenommen werden. Die Installation beschränkt sich demnach auf die Partitionierung des Systems, die Eingaben der Benutzerinformationen, das Setzen der Sprache und Zeitzone, das über GeoIP automatisiert wird, das Hinzufügen weiterer Softwarequellen sowie die Auswahl des Standarddesktops.

Für die Einrichtung von Opensuse auf mehreren Rechnern konnten Systemadministratoren in Yast eine Vorlage erstellen, die dann über das Admin-Tool Auto-Yast eingelesen werden konnte, etwa bei der Installation über das Netzwerk. Eine solche Konfigurationsdatei lässt sich jetzt im Installer direkt erstellen, noch vor der eigentlichen Installation, die dann abgebrochen werden kann.

Ruby-Yast, Wicked und Snapper

Der Yast-Installer sieht auch etwas anders aus als bisher. Das ist unter anderem auch der weitgehenden Portierung der Systemverwaltung von YCP auf die Skriptsprache Ruby zu verdanken. Dadurch soll Yast schneller und stabiler geworden sein. Vor allem ist Yast dadurch zugänglicher für externe Entwickler geworden. Die Github-Webseite wirbt tatsächlich dafür, selbst Module für Yast zu entwickeln. Außerdem soll die Systemverwaltung so einfacher an eigene Installationen angepasst werden können.

Yast wurde zudem noch weiter für die Zusammenarbeit mit der Startumgebung Systemd angepasst. Außerdem wird das Dateisystem Btrfs besser unterstützt. Btrfs ist in Opensuse 13.2 auch das Standarddateisystem, zumindest für die Systempartition. Für ein separates Home-Verzeichnis schlägt der Installer stattdessen XFS als Dateisystem vor. Außerdem wurde die erste Version des Bootloaders Grub Legacy entfernt. Opensuse 13.2 setzt stattdessen auf Grub2. Grub Legacy ist allerdings weiterhin in den Softwarequellen vorhanden. Mit diesen Änderungen passt sich Opensuse 13.2 der aktuellen Version der kostenpflichtigen Variante Suse Enterprise Linux 12 an, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.

Besseres Netzwerk mit Wicked

Dort wie auch in Opensuse 13.2 kümmert sich jetzt das Framework Wicked um die Konfiguration des Netzwerks. Wicked ist in Systemd integriert und soll erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten bieten, die auch moderne Netzwerkgeräte wie VLAN, Bridges oder Bonds berücksichtigen. Wicked ist im Client-Server-Modell umgesetzt, wobei Clients mit dem Server über Dbus kommunizieren. Unter anderem ermöglicht Wicked so das Hotplugging von Netzwerkgeräten, ohne dass sie wie bisher über die Skripts Ifdown und Ifup ein- und ausgeschaltet werden müssen. Auch die Firewall-Einstellungen werden über Wicked verwaltet. Wicked kümmert sich zwar systemweit um die Netzwerkgeräte, für den Anwender steht jedoch weiterhin die grafische Netzwerkverwaltung Networkmanager bereit.

Opensuse 13.2 bringt den Linux-Kernel 3.16 mit, der im August 2014 veröffentlicht wurde. Für das Erstellen des für den Systemstart benötigten temporären Linux-Systems Initramfs wird künftig Dracut verwendet und ersetzt damit das bisherige Werkzeug Mkinitrd. Das Snapshot-Werkzeug für Dateisysteme Snapper wurde auf Version 0.2.4 aktualisiert. Standardmäßig erstellt es Abbilder des Dateisystems Btrfs vor und nach einer Systemaktualisierung mit Zypper. Neu ist, dass ein entsprechender Startvorgang in Grub eingetragen wird. So kann direkt in ein Abbild gebootet werden.

Aktuelle Desktops

Für Benutzer stehen aktuelle Versionen diverser Linux-Desktops bereit. Der Standarddesktop ist weiterhin KDE SC, das in Version 4.14.2 samt dem Plasma-Desktop in Version 4.11.2 bereitsteht. Wie in Kubuntu lässt sich auch eine Vorabversion von KDE Frameworks 5 parallel installieren und ausprobieren. Alternativ können Anwender auch Gnome 3.14.1 verwenden. Die Xfce-Version bleibt dieselbe wie in Opensuse 13.1, da die Entwickler mit Version 4.12 noch nicht rechtzeitig fertig wurden.

Zwar wurde der Desktop Lxde kürzlich auf Version 0.99.0 aktualisiert und Version 1.0 steht bald bereit, dennoch hat das Opensuse-Team beschlossen, die nicht ganz aktuelle Version 0.5.5 zu integrieren. Einzelne Pakete aus der beiliegenden Softwaresammlung wurden jedoch gesondert aktualisiert, die teils Verbesserungen, teils Reparaturen mit sich bringen. Der auf Gnome 2 basierende Desktop Mate wird in der stabilen Version 1.8.1 mitgeliefert. Der Desktop Enlightenment wurde auf Version E19 aktualisiert. Die vorherigen Version E16 und E17 sind aber noch in den Softwarequellen verfügbar.

Fazit

Mit einem Schwung neuer Softwareversionen und der Integration der Netzwerkverwaltung Wicked sowie dem massiven Umbau des Installers wagen die Entwickler in Opensuse 13.2 einen großen Schritt. Während der Installer einen guten Eindruck macht, dürfte die Integration von Wicked möglicherweise für Diskussionen sorgen, denn auf den ersten Blick ist die Konfiguration, wenn sie nicht über Yast erfolgt, wegen des verwendeten XML-Formats deutlich komplexer als zuvor.

Im Bereich der Desktops gibt es weniger Neues, es sind kaum mehr als Updates bestehender Versionen. Trotz des Versionssprung auf E19 sind auch die Änderungen im Enlightenment-Desktop überschaubar. Lediglich Gnome 3.14 bietet deutlich mehr Funktion als sein Vorgänger. Dafür ist aber nicht das Suse-Team verantwortlich, das wie üblich eine robuste und stabile Version der Linux-Distribution zusammengestellt hat.

Opensuse 13.2 steht als Live-CD wahlweise mit KDE SC, Gnome oder als Installations-DVD zum Download bereit. Alle Varianten gibt es in einer 32- oder 64-Bit-Version. Wer die Live-CDs auf einem USB-Stick nutzen will, kann künftig Änderungen in einer persistenten Datei speichern, die beim ersten Start automatisch erstellt wird.  (jt)


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