Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/anonymisierung-facebook-ist-im-tor-netzwerk-erreichbar-1410-110241.html    Veröffentlicht: 31.10.2014 17:56    Kurz-URL: https://glm.io/110241

Anonymisierung

Facebook ist im Tor-Netzwerk erreichbar

Das soziale Netzwerk Facebook hat jetzt eine Adresse im Tor-Netzwerk. Darüber sollen sich Nutzer auch anonymisiert anmelden können. Das klappt bei unserem ersten Versuch noch nicht richtig.

Facebook hat die Adresse im Anonymisierungsnetzwerk Tor unter https://facebookcorewwwi.onion/ eingerichtet, die zusätzlich über HTTPS verschlüsselt ist. Es sei das erste Mal, dass eine Webseite mit einem CA-Zertifikat direkt über eine Onion-Adresse in Tor erreichbar sei, teilt das Unternehmen mit. Facebook will damit Nutzern in Ländern entgegenkommen, in denen das soziale Medium nicht genutzt werden darf oder häufig zensiert wird.

Sicherheitsabfragen als Hürde

Bislang sorgten die Sicherheitssysteme bei Facebook immer wieder für Verbindungsabbrüche, wenn Nutzer über Tor auf die Internet-Adresse von Facebook surften. Denn Facebook stufte Tor als Botnetz ein. Das soll sich mit einer eigenen Tor-Verbindung ändern.

Das klappt in unserem ersten Versuch allerdings nicht. Beim ersten Anmelden auf einem neuen Gerät oder über einen neuen Browser müssen Facebook-Nutzer eine Sicherheitsabfrage durchlaufen und dabei Fotos von Facebook-Freunden identifizieren. Die wurden jedoch bei uns nicht angezeigt. Danach sperrte Facebook den Zugang über die Onion-Adresse. Über die normale Webseite mussten wir bestätigen, dass wir es waren, die sich über einen Rechner in einem anderen europäischen Land einloggen wollten. Bei einem weiteren Versuch funktioniert das Login dann. Einen Geschwindigkeitsunterschied im Seitenaufbau zwischen der Onion-Adresse und der herkömmlichen Web-Adresse im Tor-Browser konnten wir jedoch nicht feststellen.

Verstopft Facebook das Tor-Netzwerk?

In der Mailingliste des Tor-Netzwerks wurde außerdem bemängelt, dass Facebook-Mitarbeiter offenbar durch Bruteforce den Schlüssel für ihre statische Onion-Adresse facebookcorewwwi herausfanden. Normalerweise generiert Tor eine willkürliche Adresse, etwa duskgytldkxiuqc6.onion. Das soll die Anonymisierung erhöhen. Außerdem befürchten einige, dass Nutzer mit einem Zugriff auf Facebook die ohnehin spärlichen Ressourcen des Tor-Netzwerks überstrapazieren und so das Netzwerk zusätzlich verlangsamen.

Facebook verspricht auf seiner Webseite, seine bisherigen und zukünftigen Erfahrungen bei der Skalierung im Anonymisierungsnetzwerk mit dem Tor-Team zu teilen. Ziel sei es, gemeinsam den Dienst zu verbessern. Außerdem wolle man auch weitere Dienste im Tor-Netzwerk anbieten. Es sei beispielsweise geplant, die Onion-Adresse für Facebook-Apps verfügbar zu machen.  (jt)


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