Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazon-fire-hd-6-und-7-im-kurztest-die-molligen-preisbrecher-1411-110210.html    Veröffentlicht: 02.11.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/110210

Amazon Fire HD 6 und 7 im Kurztest

Die molligen Preisbrecher

Amazon setzt bei seinen neuen Fire-HD-Tablets wieder auf einen günstigen Preis. In der kleinsten Ausstattung kostet das 6-Zoll-Tablet nur 100 Euro. Den Geräten merkt man den geringen Preis aber nicht unbedingt an, wie der Kurztest von Golem.de zeigt.

Amazons neue Fire HD 6 und 7 sind wie schon der Vorgänger vor allem günstig: Nur 100 Euro kostet das 6-Zoll-Modell in der kleinen Ausstattung. Trotzdem sollen die Geräte nicht billig wirken und ausreichend Leistung besitzen. Den Namen Kindle hat Amazon übrigens aus seinem Tablet-Portfolio gestrichen, nur die reinen E-Book-Reader tragen diesen noch.

Das Design der beiden Geräte ist absolut zweckmäßig: Beide Tablets sind sehr einfach gehalten, die Rückseiten bestehen aus einem aufgerauten Kunststoff, das Amazon-Logo auf diesen ist aber etwas scharfkantig. Die Verarbeitung der Geräte ist sehr gut - für solch günstige Tablets leider nicht selbstverständlich.

Die Geräte sind zwar sehr stabil, dafür aber sehr klobig. Sie sind nicht nur 10,7 mm dick, sondern besitzen wie schon das Vorgängermodell einen ziemlich breiten Displayrand - besonders die 7-Zoll-Variante wird deshalb unhandlich. Die Bedienung mit einer Hand ist dann nicht mehr so komfortabel möglich. Beide Tablets sind außerdem ziemlich schwer, sie wiegen 290 und 340 Gramm. Lange wollten wir die Geräte nicht in einer Hand halten.

Überraschend schnell

Technisch sind die Geräte überraschend gut ausgestattet. Beide Modelle besitzen einen Quad-Core-Prozessor von Mediatek, der mit 1,5 GHz taktet. Im Geekbench ist der Prozessor so schnell wie der Snapdragon S4 Pro APQ8064 im Nexus 7 von Google. Anspruchsvollere Spiele wie auch Riptide GP2 laufen ohne Ruckler.

Die Fire-HD-Tablets besitzen 1 GByte Arbeitsspeicher und in der kleinsten Ausstattung 8 GByte internen Speicher. Das ist für ein Tablet viel zu wenig, da dem Nutzer davon etwas mehr als 3 GByte zur Verfügung stehen, zumal es keinen Micro-SD-Speicherkartensteckplatz gibt. Die größeren Varianten mit 16 GByte internem Speicher kosten 20 beziehungsweise 30 Euro mehr - auch dann ist das Tablet immer noch sehr günstig. Die Geräte besitzen jeweils einen Micro-USB-2.0-Anschluss.

Eine Front- und Rückkamera mit 0,3 beziehungsweise 2 Megapixeln besitzen die Tablets - die Qualität ist aber sehr bescheiden. Bluetooth und Single-Band-WLAN nach 802.11 b/g/n sind vorhanden. Das kleine Tablet besitzt einen Monolautsprecher, das 7-Zoll-Modell ein Stereopaar - Letztere sind überraschend laut.

Ziemlich hell

Die Displays sind 6 und 7 Zoll groß und lösen beide mit 1.280 x 800 Pixeln auf, was einer Pixeldichte von 252 ppi und 216 ppi entspricht. Einzelne Pixel sind zu erkennen, doch darf der günstige Preis der Tablets nicht vergessen werden. Außerdem sind die Bildschirme ziemlich hell, auch im Freien können Bildschirminhalte gut abgelesen werden.

Leider reagiert der Touchscreen nicht so gut: Nicht immer werden Eingaben festgestellt. Das tritt vor allem auf, wenn zuerst mit dem Fingernagel und erst danach mit dem Finger das Deckglas berührt wird.

Wie sinnvoll ein 6-Zoll-Tablet ist, muss jeder für sich entscheiden. Wir finden das Displayformat zu klein für ein Tablet - manch einer nutzt ein Smartphone mit dieser Displaygröße. Interessant ist das Format eigentlich nur für Nutzer, die kein oder nur ein kleines Smartphone besitzen und das Tablet auch unterwegs nutzen möchten.

Stark angepasstes Android

Auf den Tablets läuft Amazons Fire OS in der Version 4.0, das auf Android 4.4 alias Kitkat basiert und ganz ohne Google-Dienste daherkommt. Den Chrome-Browser, Google Maps oder die Play-Store-App gibt es nicht. Auch die Oberfläche hat Amazon komplett überarbeitet. Der zentrale Hauptbildschirm wird durch ein Karussell dominiert, das alle verwendeten Inhalte zeigt. Neben Büchern können das auch Apps, Musikstücke oder Filme sein.

Die Rubriken werden im oberen Teil des Hauptbildschirms ausgewählt. Über diese gelangt der Nutzer zu seinen Büchern, CDs, Apps und zur Filmbibliothek vom Video-Streaming-Dienst Amazon Video Instant. Die Geräte sind auf die Nutzung der Amazon-Dienste hin optimiert. Applikationen können nur über den Amazon-eigenen Store bezogen werden - das Angebot ist deutlich kleiner als im Play Store.

Verfügbarkeit und Fazit

Das 6-Zoll-Modell Kindle Fire HD 6 ist in der 8-GByte-Version und mit Werbeeinblendungen im Sperrbildschirm für 99 Euro erhältlich. Die 6-Zoll-Variante Kindle Fire HD 7 kostet mit gleicher Ausstattung 119 Euro. Die Varianten mit 16 GByte internem Speicher kosten 20 Euro mehr. Die Werbeeinblendungen lassen sich für 15 Euro entfernen - uns haben sie nicht gestört.

Fazit

Das Fire HD 6 und HD 7 sind beides gute Einsteigertablets: Die Verarbeitung ist gut, die Leistung reicht vollkommen aus. Das Display ist hell, leider aber gering aufgelöst - bei solch günstigen Geräten ist das aber verschmerzbar. Leider sind die Geräte ziemlich dick und schwer. Hieran sollte Amazon noch arbeiten.

Das kleine Gerät dürfte auch für Kinder interessant sein, vor allem da es robust ist. Der Freetime-Modus im Betriebssystem ermöglicht Eltern, die Nutzung des Tablets einzuschränken. Bestimmte Apps können gesperrt und die Nutzungsdauer bestimmt werden.

Für viele dürfte die stark angepasste Benutzeroberfläche der Hauptgrund gegen das Tablet sein. Wer keine Dienste des Amazon-Universums nutzt, sollte lieber zu einem anderen Gerät greifen. Eine Alternative wäre das G Pad 7.0 von LG. Es ist ähnlich teuer, ist leichter und dünner, besitzt dafür aber ein etwas stärker spiegelndes Display.

Wer kein Problem mit der starken Bindung an die Amazon-Dienste hat, dem können wir die Tablets empfehlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Geräte ist nämlich sehr gut. Käufer sollten auf jeden Fall zur Variante mit 16 GByte internem Speicher greifen - die 20 beziehungsweise 30 Euro mehr sind gut angelegt.  (sw)


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