Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/os-x-yosemite-im-test-continuity-macht-den-mac-zum-iphone-helfer-1410-110116.html    Veröffentlicht: 29.10.2014 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/110116

OS X Yosemite im Test

Continuity macht den Mac zum iPhone-Helfer

OS X Yosemite treibt die Verquickung von iOS und dem Rechnerbetriebssystem weiter voran. Wir haben Yosemite mit dem fehlerbereinigten iOS 8.1 zusammen getestet. Vieles funktioniert gut, einige nicht nachvollziehbare Fehler gerade mit Continuity haben wir während des Tests dennoch entdeckt.

Mit OS X 10.10 hat Apple ein Jahr nach unserem Test von Mavericks (OS X 10.9) erneut ein neues Betriebssystem veröffentlicht, das den Codenamen Yosemite trägt. Es ist allerdings nicht einfach nur ein Update für Macs, sondern gewissermaßen Teil eines Infrastrukturprogramms, das auch die iOS-Geräte beinhaltet. Denn eine der wichtigsten Neuerungen ist das erweiterte Zusammenspiel mit iOS-Tablets und -Smartphones, das Apple schon mit OS X 10.8 alias Mountain Lion vor zwei Jahren eingeführt hat.

Aufgrund einiger Fehler in der finalen Version von iOS 8 haben wir für den OSX-Test auf iOS 8.1 gesetzt, in der Hoffnung, dass das Zusammenspiel besser funktioniert. Apple hat iOS 8 zwar als das größte Release aller Zeiten betitelt, doch aufgrund des noch nicht fertigen Zustands haben wir es nur als eine mittelmäßige Veröffentlichung in unserem Test eingestuft. Mittlerweile sind die gröbsten Fehler aber behoben worden - und davon gab es erstaunlich viele.

Mit iOS 8.1 und OS X 10.10 haben wir die aktuelle Konfiguration im Blick, auch wenn Apple mit einigen für Yosemite angekündigten Veränderungen noch nicht fertig ist. Wir bewerten Yosemite dennoch als finales Betriebssystem. Was fehlt, sind eher kleine Randverbesserungen oder noch nicht fertige Programme. Getestet wurde das System auf einem Mac Mini (2009), Macbook Pro 13 (2009), iMac (2011) und Macbook Air (2013).

Continuity - irgendwie, irgendwo, irgendwann

Die wohl wichtigste Neuerung aus Anwendersicht ist Continuity und das damit verbundene Handoff. Dabei geht es um den nahtlosen Übergang von Arbeiten von einem System auf ein anderes. Also beispielsweise das Schreiben einer E-Mail unterwegs auf dem iPhone, die in der Nähe eines Macs dann zum Weiterarbeiten an einer großen Tastatur an diesen Mac weitergegeben wird.

Das Handoff funktioniert auch mit nicht fertig konfigurierten Rechnern, wie wir mit einem frisch aufgesetzten Rechner feststellten. Für Continuity braucht es nur einen iCloud-Zugang. Das heißt aber nicht, dass alles auch über diesen Zugang durchgeführt werden muss. E-Mails, die wir etwa mit unserer Golem.de-Adresse schreiben, können trotzdem zwischen Geräten transferiert werden, sofern diese modern genug sind. Das funktioniert nicht mit allen Geräten, wie wir später noch im Detail erläutern.

Wir gehen zunächst vom Ideal aus. Der Anwender hat iPhone, iPad und einen Mac jeweils in einer recht neuen Version. Da Apple auf denselben Mechanismus wie Airdrop setzt, braucht es für Continuity zunächst keine WLAN-Verbindung zwischen den Geräten über einen Access Point. Vieles funktioniert auch über entfernte 3G-Verbindungen. Was jedoch funktioniert und was nicht, muss der Anwender selbst herausfinden. Nach mehreren Tagen des Einsatzes funktionierte beispielsweise der E-Mail-Einsatz zwischen Geräten besser, nachdem sich E-Mail-Zugänge, die nicht direkt mit der iCloud zu tun haben, automatisch synchronisiert hatten.

Mit der Zeit kamen die Probleme

In unserem Heimnetzwerk hatten wir dafür nach einiger Zeit massive Probleme mit dem Handoff von Dokumenten oder E-Mail-Entwürfen vom Mac hin zu den mobilen Geräten. In die andere Richtung klappte es noch. Warum das der Fall war, konnten wir auch mit mehreren Experimenten und Neustartversuchen der Rechner nicht nachvollziehen. Wenige Tage später funktionierte Continuity auch in unserem Firmennetzwerk nur noch in eine Richtung (iOS zu OS X).

Es gibt immer mal wieder Probleme mit dem Handoff, sei es bei E-Mails oder auch Pages-Dokumenten. Nicht immer wird das Continuity-Symbol unter OS X oder iOS angezeigt. Häufig hatten wir das Problem, dass Continuity nur in eine Richtung funktionierte oder es beispielsweise Zeitüberschreitungen bei der Dokumentenübernahme gab. Immerhin funktionierte Continuity für einen großen Teil der Testzeit bei uns. Andere berichten in Foren, dass sie sich erst komplett ab- und wieder anmelden mussten, um mit Glück die Funktion zum Laufen zu bringen. Das ist nicht unbedingt empfehlenswert, weil damit unter Umständen eine zeitlich aufwendige Neusynchronisierung großer Datenmengen verbunden ist. Und auch das hilft nicht immer, wie wir feststellen mussten.

Wenig Hilfe vom System

Größter Mangel beim Zusammenspiel sind die unverständlichen Fehlermeldungen. Beim Versuch, eine E-Mail auf dem Mac zu schreiben und per Handoff an ein iPhone zu übergeben, bekamen wir etwa den Fehler "Failed to continue activity" mit der Cocoa-Fehlernummer 4609. Es ist für den regulären Anwender zudem nicht klar, in welchen Situationen eine Datenverbindung über ein Netzwerk (WWAN, WLAN oder LAN) notwendig ist und wann eine simple Nahverbindung mit Hilfe von Bluetooth ausreicht. Wenn ein Gerät per WWAN (iPhone) mit dem Internet verbunden ist und das andere per WLAN (Macbook), hatten wir teilweise Probleme mit dem Handoff.

Sehr gut funktionierte anfangs hingegen der automatische Hotspot, wenn ein iPhone oder iPad in der Nähe ist. Dann muss der Hotspot nicht erst im Telefon aktiviert werden. Zugelassene Geräte können ihn auch entfernt aktivieren. Das ist praktisch, falls der Anwender etwa sein Macbook auf dem Tisch hat und das iPad für die WLAN-Verbindung im Rucksack steckt. Das kann dort nämlich bleiben. Aber auch hier hatten wir bei Experimenten in unserem Heimnetzwerk irgendwann Probleme. Die 3G-Hotspots vom iPad Air oder iPhone 6 wurden nicht mehr erkannt. Das änderte sich, nachdem wir im Netzwerk das DSL-Modem deaktivierten - allerdings nur für wenige Minuten. Danach waren die 3G-Modems wieder nicht mehr sichtbar für den Mac. In einem Hotelnetzwerk war beides noch gleichzeitig möglich, von daher gehen wir hier von einem Einzelfall aus.

Die Übergabe von Telefonaten funktionierte mit einem Macbook Air sehr gut und zuverlässig. Das Herauswählen vom Macbook aus dauerte allerdings merklich länger als das Annehmen von Telefonaten. Zudem mischte sich seltsamerweise der Mac Mini aus dem Jahr 2009 ein und beschwerte sich über einen verpassten Facetime-Anruf. Der anrufende Kollege nutzte aber ein Android-Telefon und die Weiterleitung wurde am Macbook Air angenommen. Anruf- und Kurznachrichtenverwaltung funktionieren übrigens auch mit älteren Macs mit Yosemite.

Bei Problemen bleibt der Anwender allein

Insgesamt funktionieren Continuity und Handoff über Gerätegrenzen hinweg gut. Die Bedienung ist einfach, benötigt aber eine ideale Umgebung bestehend aus aktueller Hardware und für uns nur schwer nachvollziehbaren Netzwerkparametern sowie den richtigen Einstellungen. Stimmt jedoch irgendwo in dieser Kombination irgendetwas nicht, muss der Anwender damit rechnen, dass etwas irgendwann irgendwie nicht richtig funktioniert. Hilfe vom Betriebssystem kann er nicht erwarten. Es gibt aber eine Liste von Voraussetzungen für bestimmte Continuity-Teile.

Während der Betaphase hatten wir übrigens kaum Schwierigkeiten mit Continuity. Wir vermuten, dass mit der Verbreitung der finalen Version die Apple-Server mitunter überlastet sind. Uns wundert allerdings, dass die Schwierigkeiten eher zunahmen. Normalerweise stabilisieren sich Lastprobleme im Laufe der Zeit.

Safari, Suche und Schreibkorrekturen

Das Benachrichtigungszentrum sowie die Suche mit Spotlight wurden etwas überarbeitet. Spotlight erscheint nun in der Mitte des Bildschirms und kann auch nicht per Maus wegbewegt werden. Mitunter ist das praktisch, da die Suche deutlich mehr Informationen anzeigt und der Anwender so schneller zu einem Ergebnis kommt. Wer hingegen Multitasking betreibt, den stört die neue Position mitten auf dem Bildschirm. Wir nutzen beispielsweise Spotlight gerne als schnell zugänglichen Taschenrechner. Doch in der Praxis werden zu viele Inhalte für die Mathematik verdeckt. In dem Fall war das alte Spotlight besser. Spotlight ist zudem auch eine Internetsuche. Doch die Ergebnisse enttäuschten häufig. Eine Suche nach einigen Städten sorgte bei uns beispielsweise nicht immer dafür, dass die Bing-Ergebnisse von Microsoft angezeigt wurden. Auf einem komplett neu eingerichteten Macbook Air zeigten sich zunächst beispielsweise gar keine Ergebnisse per Bing. Auf einem per Update eingerichteten Mac Mini gab es hingegen Bing-Vorschläge beim selben Suchbegriff. Beide Rechner hatten dieselbe Spotlight-Konfiguration und wurden per iCloud synchronisiert.

Im Laufe der Zeit besserte sich das, doch es zeigten sich auch Inkonsistenzen. Für die Stadt wurden beispielsweise auch die Karten-App und die offizielle Webseite als Ergebnis in der Spotlight-Liste angezeigt. Für Madrid fehlten diese Einträge hingegen bei uns.

Das Benachrichtigungszentrum wurde überarbeitet

Auch das Benachrichtigungszentrum hat Apple überarbeitet. Es bleibt aber wenig intuitiv an der Seite versteckt. Wer das nicht kennt, wird kaum die dedizierte Schaltfläche oben rechts drücken. Dafür gibt es jetzt mehr Optionen, und einzelne Teile lassen sich wie unter iOS einfach ausblenden oder neu hinzufügen.

Ähnlich wie unter iOS hat Apple für OS X ebenfalls den Browser überarbeitet. Über die Adressleiste gibt es nun beim Tippen bereits Vorschläge. Diese sind hübsch erstellt und deuten etwa schnell auf einen Wikipedia-Artikel mit einer Kurzbeschreibung hin. Das ist praktisch. Nicht so praktisch ist hingegen ein Fehler, den wir von der iOS-8-Veröffentlichung kennen. So manches Mal stellt Safari einen Fehler bei der Behandlung einer Webseite fest und lädt dann das Tab komplett neu nach mit einem Hinweis. Hier zeigt sich die nahe Verwandtschaft mit dem Mobilbetriebssystem. Beide Browser sind im Moment nicht so stabil wie ihre Vorgänger unter iOS 7 oder OS X 10.9. Es ist aber einer von wenigen Fehlern, die wir in Yosemite entdeckten.

Die Tabbehandlung wurde ebenfalls überarbeitet. Per Spreizgeste auf einem Touchpad konnte beispielsweise schon früher eine Übersicht aller Tabs angezeigt werden. Die neue Übersicht ist wesentlich schneller und funktioniert auch mit alten Macs sehr gut. Und sie ist übersichtlicher als früher: Die Art der Anordnung von Tabs und iCloud-Tabs ähnelt der des iPads. Allerdings hat Apple wenig intuitiv die Spreizgeste weiterhin doppelt belegt. So kann der Anwender nicht nur in die Tab-Ansicht herauszoomen, sondern auch wie gehabt in den Dokumenten und Webseiten. Gerade bei PDF-Dateien ist allerdings nicht klar, wo die Zoomschwelle zwischen Tab-Zoom und Dokumenten-Zoom ist. Will sich der Anwender beispielsweise den gesamten Inhalt einer PDF-Karte anzeigen lassen, indem er die Inhalte verkleinert, landet er irgendwann unweigerlich in der Tab-Übersicht statt alles auf einmal zu sehen. Immerhin funktioniert der Zoom-Übergang nicht kontinuierlich. Der Anwender muss zweimal ansetzen, um einen Übergang zu ermöglichen.

Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist bei der Tabverwaltung das dynamische Zusammenschieben von mehreren Tabs mit einer Animation. Wenn mehr Tabs offen sind, als Platz vorhanden ist, wirkt ein Ziehharmonika-Effekt auf diese Tabs. Wir dachten zunächst, dies sei ein Fehler im Browser, weil die Darstellung so unbeholfen aussieht. Tatsächlich ist es aber Absicht, dass sich die Tabs beim seitlichen Scrollen auf der oberen Tableiste zusammenziehen.

Die Rechtschreibautomatik greift stärker ein

Die Rechtschreibkorrektur zu beurteilen, ist schwierig - vor allem, weil sie stark vom persönlichen Einsatz abhängig ist. Uns nervte die Automatik unter Yosemite stärker als noch unter den Vorgängersystemen. Wir haben das Gefühl, dass Apple seit Yosemite deutlich stärker eingreift und so manch unbekanntes Wort vorschnell ersetzt. Das ist lästig, da unserer Meinung nach manches Austauschwort viel zu weit vom unbekannten Wort entfernt ist. Bei uns tauschte Apples Rechtschreibkorrektur beispielsweise das Wort Primove, ein Marketingbegriff von Bombardier, durch Promille aus (Einstellung Deutsch). Mit englischer Rechtschreibkorrektur möchte das System daraus Promise machen.

So sehr kann ein Anwender gar nicht in der Rechtschreibung danebenliegen, als dass eine Korrektur hier eingreifen sollte. Allerdings lernt das System durchaus den Anwender kennen und merkt sich, wenn dieser ein Wort trotzdem benutzt, ohne es in die Wortliste aufzunehmen. Das vermeintlich falsche Wort wird dann nur noch rot markiert und nicht mehr penetrant ausgetauscht. Um sicherzugehen, dass keine alte Wortbibliothek durch ein Update aktiv ist, haben wir einzelne Fälle mit einem frisch aufgesetzten Mac verifiziert. Dabei merkten wir auch, dass die Wortliste leider weiterhin nicht per iCloud über Rechner- und Gerätegrenzen synchronisiert wird. Das wäre eine Verbesserung, die uns sehr gefallen würde.

Zudem setzt Apple auch gezielt auf Marketingrechtschreibung, um seine Eigennamen durchzusetzen. Homekit ersetzt Apple etwa mit einer Binnenversalie durch HomeKit. Eine Rechtschreibkorrektur sollte nicht aus Marketinggründen die korrekte Schreibweise ersetzen, auch wenn sich einige Begriffe tatsächlich durchgesetzt haben. Wer sich zu sehr daran stört, kann zum Glück das System trainieren oder ganz abschalten.

Einiges funktioniert bei alter Hardware nicht oder ist nicht fertig

Wie schon mit iOS 8 wird auch Yosemite nicht fertig ausgeliefert, aber von Apple bereits als Neuerung angekündigt. Eine der großen Neuerungen für OS X 10.10 ist etwa das neue Fotoprogramm mit dem Namen Photos. Dieses soll nicht nur iPhoto ablösen, sondern in Teilen auch Aperture. Wer Angst hat, dass die beiden Alt-Anwendungen mit Yosemite nicht funktionieren, kann beruhigt sein. Sowohl iPhoto als auch Aperture funktionieren noch, obwohl sie nun de facto abgekündigt wurden. Es gibt sogar Yosemite-Updates für die alten Anwendungen. Für das neue Photos-Programm braucht Apple allerdings noch einige Monate für die Entwicklung. Erst Anfang 2015 soll es als Yosemite-Neuerung nachgeschoben werden. Ob Photos ein halbwegs adäquater Ersatz für Aperture ist, können wir in dem Test daher noch nicht beurteilen. Vorläufige Informationen deuten aber darauf hin, dass ein Wechsel auf Adobes Lightroom wohl die bessere Alternative wäre. Für iPhoto-Nutzer soll sich hingegen einiges verbessern.

Mit Yosemite gibt es noch ein anderes Problem, nämlich die zunehmenden Funktionen, die auf alten Macs nicht funktionieren. Das betrifft vor allem Continuity, Handoff und Airdrop. Airdrop gibt es nun in zwei Versionen: das alte Airdrop und das neue Airdrop. Das alte Airdrop funktioniert beispielsweise noch mit dem Macbook Pro 13 der 2009er-Generation, nicht aber mit dem Mac Mini dieses Jahres. Das neue Airdrop funktioniert hingegen nur mit sehr aktuellen Rechnern, wie wir feststellten. Der kleine iMac (Mitte 2011) wollte beispielsweise nicht mehr mit unseren iOS-Geräten kommunizieren. Erst ein neues Macbook Air erlaubt das, da es das neue Airdrop unterstützt. Auf dem Macbook Air mussten wir allerdings mehrfach zwischen den Airdrop-Versionen hin- und herschalten, damit alle erreichbar blieben. Eigentlich soll Airdrop vieles vereinfachen. Doch wer noch alte Hardware einsetzt, wird eher verwirrt.

Leider nennt Apple keine technischen Details, von denen die Funktionen Airdrop (alt) und Airdrop (neu) abhängig sind. Für Endanwender sind die vorhandenen Informationen nur schwer zugänglich. Der Vorteil der sonst eigentlich einfach zu benutzenden Plattform ist dahin. Dass es keine vernünftigen unterschiedlichen Namen gibt, sorgt ebenfalls für Verwirrung. Dass Airdrop nicht mit Airdrop funktioniert, ist für wenig versierte Anwender kaum nachvollziehbar. Selbiges gilt für Handoff und Continuity.

Verbesserungen in der iCloud

Deutliche Erleichterungen bringt hingegen die umgebaute iCloud. Zuvor hatten wir diese wegen der unnötigen Komplexität kritisiert, auch wenn der Cloud-Ansatz damals einmalig war. Nach dem Umbau zu iCloud Drive ist die iCloud zwar nicht mehr einmalig, dafür aber in der Benutzbarkeit sehr viel besser. Wer Dropbox oder Onedrive kennt, der muss nicht umlernen, denn im Prinzip meldet sich das neue iCloud Drive wie ein Laufwerk an. Die alte Struktur der iCloud bleibt sichtbar: So sind nun etwa Pages-Dokumente sortiert in einem Pages-Ordner. Auch wer neue Dokumente speichert, wird automatisch zu diesem Unterordner geschickt, was der Ordnung zugutekommt. Zudem sperrt die Verwendung gezielt Unterordner. Man kann eine Pages-Datei nicht im Numbers-Ordner versehentlich speichern. Es steht dem Anwender trotzdem frei, seine Textdokumente in einem selbst erstellten Ordner beispielsweise mit dem Namen "Keine Texte" zu speichern - wenn er denn unbedingt will. In gewissen Grenzen müssen Anwendungen auf diese Art der Sortierung vorbereitet werden. Ein alter Texteditor eines Drittherstellers wird etwa nicht daran gehindert, in anwendungsspezifischen Ordnern Dokumente zu speichern.

Zur iCloud gehört eigentlich auch die neue Mail-Drop-Funktion. Wer Apple Mail verwendet, kann nun bis zu 5 GByte große Anhänge ohne Nachteile verschicken. Dazu sei angemerkt, dass der Versand eines Attachments über das in die Jahre gekommene Mailprotokoll besonders ineffizient ist. Für die Codierung im Text wird ein Anhang um rund ein Drittel aufgebläht. Aus einem 10-MByte-Anhang wird also schnell ein 13- bis 14-MByte-Anhang. Den durch die langsame Upload-Leitung zu bringen, ist nicht besonders einfach. Zudem blockieren auch heutzutage viele E-Mail-Anbieter zu große Attachments, eben wegen jener Problematik.

Mal eben ein 5-GByte-Video zu verschicken, ist damit selbst bei guter Leitung eine schlechte Idee. Per Mail Drop und iCloud wird stattdessen der Anhang auf Apples Cloud-Server hochgeladen statt beispielsweise im IMAP-Sent-Ordner und zugleich in der POP3-Inbox des Empfängers vorgehalten zu werden. Viele E-Mail-Programme belastet so eine E-Mail ohnehin sehr stark. Was in der Theorie gut klingt, sorgte bei uns in der Praxis für Probleme. Teilweise ließ sich eine E-Mail nicht verschicken, wir mussten dann ein wenig warten.

Während des Testversands eines Programms (Aperture, 1 GByte) belastete dies das E-Mail-Programm so stark, dass zwei Kerne des Macs nahezu vollständig ausgelastet wurden. Hierbei sei allerdings angemerkt, dass der Versand von Programmen an sich sehr anspruchsvoll ist, da Mac-OS-Programme nicht eine einzelne Datei sind, sondern eigentlich ein maskierter Ordner mit mitunter Tausenden Dateien.

Geschwindigkeit auf alten Rechnern und kleine Probleme

Mit Yosemite hat Apple auch viele der eigenen Programme verbessert. Die Tendenz bleibt dabei eindeutig. Funktionen werden nach und nach aus den eigenen Programmen herausgenommen, um diese einfacher in der Bedienung zu machen. Das Nachsehen haben Anwender, die schon lange unter OS X arbeiten. Dafür sind die neuen Programmversionen aber in der Regel kostenlos. Auch das neue und noch nicht fertige Photo-Programm gehört dazu, denn damit wird gleichzeitig auch das kostenpflichtige Aperture in der Entwicklung eingestellt.

Die iWork-Programme haben schon vor längerer Zeit viele Funktionen verloren. Leider beseitigt Apple mit Yosemite keine Inkonsistenzen. So ist etwa die Wort- und Zeichenersetzung eine globale Funktion in den Systemeinstellungen. Bemerkbar macht sich das bei uns bei der Verwendung von Anführungsstrichen. Normalerweise lassen sich Smart Quotes dort abschalten. Nur gilt die Einstellung auch unter Yosemite weiterhin nicht für Apples iWork-Programme, auch nicht nach einem Neustart. Vor dem großen iWork-Update der vergangenen Jahre gab es noch mehr Einstellungsmöglichkeiten.

Für die Stabilität und die Verwendung der iCloud empfiehlt sich trotzdem das Update alter Programme. Apples iWork 09 lässt sich zudem parallel unter Yosemite weiter nutzen, auch mit der neuen iCloud-Version alias iCloud Drive.

Schwierigkeiten mit Alt-Apps auf alten Rechnern

Auffallend waren beim Update alter Rechner der 2009er-Generation spürbare Geschwindigkeitseinbußen. Der Mac Mini mit einer SSD und 4 GByte RAM sowie das Macbook Pro mit einer SSHD (8 GByte RAM) fielen immer wieder durch längere Wartepausen auf, vor allem beim Öffnen von Dokumenten. Mitunter waren Ausschläge bei der Prozessorauslastung zu sehen, aber auch der Datenträger. Derartige Nachteile kennen wir von der Windows-Welt nicht. Die von uns getesteten anderen Geräte (iMac 2011 mit herkömmlicher Festplatte, 4 GByte RAM und Macbook Air 2013 mit SSD) zeigten diese Probleme nicht. Gerade das Macbook Air war wie gehabt rasend schnell.

Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass es schon 8 GByte RAM sein sollten, dies aber bei langsamem Rechner und Festplatte alleine nicht mehr ausreicht. Das ist insofern ärgerlich, als damit die Generation der Macs zu langsam wird, bei der noch der Austausch der Hardware kostengünstig und vor allem einfach möglich war. Aktuelle Macs lassen sich kaum noch aufrüsten. Das beste Beispiel ist der aktuelle Mac Mini, der sich nur noch schwer aufrüsten lässt.

Verfügbarkeit und Fazit von OS X Yosemite

OS X 10.10 alias Yosemite kann bereits über den Mac App Store heruntergeladen und installiert werden. Im Vergleich zu OS X 10.9 alias Mavericks ändern sich die Hardwarevoraussetzungen nicht. Es sollte in der Theorie jedem gelingen, ein Update durchzuführen. Das neue Betriebssystem wird kostenlos angeboten.

Fazit

Wie auch schon mit iOS merkt man Apple an, dass die jährlichen Veröffentlichungszyklen kaum noch zu großen Änderungen führen. Yosemite zeigt sein Potenzial vor allem bei Nutzern, die komplett in der Apple-Welt leben und aktuelle Hardware ihr Eigen nennen. Sie haben ein iPhone, ein iPad und einen Mac.

Für alle anderen stellt dabei gewissermaßen das Design eine der großen Änderungen dar. Apple hat die Oberfläche platt gemacht und arbeitet nun mit Transparenzen, die Microsoft unter Windows längst aufgegeben hat. Damit wirkt Yosemite oberflächlich wie eine große Veränderung. An diese gewöhnt man sich sehr schnell und nimmt sie als Normalität wahr. Anwender alter Macs werden aus der Liste der Neuerungen nicht viel für sich entdecken können.

Anwender mit aktueller Mac- und iOS-Hardware, die vollständig im Apple-Universum arbeiten, werden mit Continuity hingegen die große Neuerung für sich entdecken können. Vor allem das Aufnehmen von Telefonaten oder die Kurznachrichtenverwaltung per SMS und iMessage auf dem Mac finden wir praktisch, beides funktioniert erfreulicherweise auch mit alten Macs. Langsam nimmt das Projekt der Zusammenführung der Plattformen Gestalt an und wird produktiv nutzbar. Allerdings haben wir zum Ende der Testphase überraschend häufig Probleme mit Continuity gehabt.

Abseits dieser offensichtlichen Änderungen gibt es jedoch wenig Interessantes für den regulären Anwender zu entdecken. Die Spotlight-Suche ist etwas stärker in den Vordergrund gerückt und mit dem Internet verbunden. Es gibt Detailverbesserungen in Anwendungen wie Safari und Mail. Der Versand von Anhängen per iCloud-Integration ist beispielsweise eine große Erleichterung.

Apple wäre trotzdem gut beraten, wieder etwas mehr Abstand zwischen den Veröffentlichungen zu erzeugen. Mehr Funktionen, die eher zu einem Wechsel verlockten, wären enthalten und der Stabilität würde das auch guttun. Wir haben mit der finalen OS-X-Version noch einige Fehler entdeckt, die aber nicht kritisch sind.

Yosemite bringt einige willkommene Neuerungen mit, die vor allem bei moderner Gerätschaft, etwa einem neuen iPhone, zur Geltung kommen. Die eine oder andere Neuerung ist aber auch für Besitzer alter Macs so interessant, dass sich das Update lohnt.  (ase)


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