Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/illegales-streaming-razzien-gegen-betreiber-von-kinox-to-1410-110096.html    Veröffentlicht: 25.10.2014 19:59    Kurz-URL: https://glm.io/110096

Illegales Streaming

Razzien gegen Betreiber von Kinox.to

Ermittler haben sechs Wohn- und Geschäftsräume in vier deutschen Bundesländern durchsucht, um Kinox.to stillzulegen. Doch die beiden Hauptbeschuldigten sind entkommen, gegen sie wird jetzt europaweit gefahndet. Die Plattform ist online geblieben.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat mit Durchsuchungsaktionen versucht, die mutmaßlichen Betreiber von Kinox.to festzunehmen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dem Informationen der Ermittler und eine E-Mail der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) an die Mitglieder vorliegen. Die Ermittler durchsuchten laut dem Bericht sechs Wohn- und Geschäftsräume in vier Bundesländern.

Eine Spezialeinheit versuchte, die Hauptbeschuldigten, zwei Brüder im Alter von 25 und 21 Jahren, die bei ihren Eltern leben, in einem Haus in der Nähe von Lübeck aufzuspüren. Sie konnte die beiden jedoch nicht aufgreifen. Ihnen wird gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung, Steuerhinterziehung, räuberische Erpressung und Brandstiftung vorgeworfen.

Zwei weitere Haftbefehle gegen wichtige Kräfte aus der Gruppe seien im Raum Neuss und in Düsseldorf vollstreckt worden. Bei einem Zahlungsdienstleister in Berlin seien "Vermögenswerte sichergestellt" worden, erklärte der Dresdner Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein dem Spiegel. Nach den Brüdern werde "europaweit gefahndet". Klein sagte, die Beschuldigten hätten "massiv versucht", Konkurrenz loszuwerden. "Man hat da alle Mittel genutzt und auch versucht, mit Drohungen zu arbeiten." Habe das nicht gereicht, sei "auch schon mal ein Auto in Flammen aufgegangen".

Laut eigenen Angaben stellt Kinox.to "keine direkten Links zu dem jeweiligen Stream (bereit), sondern indixiert, wie es auch Google macht." Das illegale Angebot ist weiterhin online.

Die Kinox.to-Betreiber sollen Kontakte zu der von der Staatsanwaltschaft geschlossenen Plattform Kino.to haben. Sie sollen auch eigene Filehoster wie Freakshare.com und Bitshare.com betrieben haben. Geld hätten sie mit Abo-Modellen und Onlinewerbung eingenommen. Über eine Million Euro Steuern seien hinterzogen worden. In der E-Mail der GVU wird von einem "illegalen, rein kommerziellen System" gesprochen. Die GVU behauptet, die Betreiber stünden auch hinter Movie4k.to, Boerse.sx und Mygully.com.

Kundengelder für Premium-Accounts bei Bitshare flossen nach einem Bericht der Welt am Sonntag vom Juni 2013 auf ein Konto in Berlin. Bitshare sei im lateinamerikanischen Belize ansässig. Die Kundengelder sollen über den in Berlin-Friedrichshagen und in der Schweiz ansässigen Zahlungsabwickler Micropayment auf zwei Konten der Berliner Commerzbank gegangen sein.

Im Juni 2011 wurden Kino.to und sein Netzwerk aus Sharehostern offline genommen und die Betreiber verhaftet. Der Gründer und Chef war am 14. Juni 2012 vom Landgericht Leipzig zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht blieb damit im untersten Strafrahmen.  (asa)


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