Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/samsung-apple-und-nokia-welche-smartphone-kamera-ist-die-beste-1410-110068.html    Veröffentlicht: 31.10.2014 00:15    Kurz-URL: https://glm.io/110068

Samsung, Apple und Nokia

Welche Smartphone-Kamera ist die beste?

Welche Smartphone-Kamera bietet die beste Bildqualität, welche ermöglicht künstlerische Eingriffe? Und kann man mit den Geräten auch ordentlich filmen? Golem.de hat die Kameras vom Nokia Lumia 930, Samsung Galaxy S5 sowie dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus unter die Lupe genommen.

Smartphones werden oft als Digitalkamera-Ersatz verwendet. Sie sind immer dabei, bieten mittlerweile Auflösungen wie herkömmliche Kompakte und sind leicht zu bedienen. Doch wer seine Erinnerungen damit konservieren will, verlangt eine gute Bildqualität. In der Vergangenheit konnten diese Erwartungen nur bei optimalen Lichtverhältnissen erfüllt werden. Wir haben vier aktuelle Smartphones von Nokia, Samsung und Apple gegeneinander antreten lassen und zeigen, welche Eingriffe die Kamera-Apps der Hersteller mittlerweile bieten.

Samsung Galaxy S5

Die im oberen Drittel des Samsung Galaxy S5 mittig angeordnete Kamera erreicht eine Auflösung von 16 Megapixeln und ist hinter einem hervorstehenden Frontglas verborgen. Eine Abdeckung gibt es nicht, dafür einen zweifarbigen LED-Blitz. Ihr Autofokus kann mit einem Fingerzeig auf dem Display auf einen beliebigen Bildbereich gesetzt werden.

Er arbeitet mit einer Kombination aus Kontrastvergleichs- und Phasendetektorsystem und stellt enorm schnell scharf, doch dazu sind gute Lichtverhältnisse erforderlich. Bei schummrigem Licht kann der Blitz helfen. Doch dieser kann die Stimmung in den Aufnahmen negativ beeinflussen und stört mitunter auch diejenigen, die auf diese Weise abgelichtet werden.



Der 1/2,6 Zoll große Sensor wurde in Isocell-Technik gefertigt, was den Crosstalk zwischen den benachbarten Pixeln reduzieren soll. Das soll sich positiv auf das Rauschverhalten auswirken. Das Objektiv kommt auf eine auf Kleinbild umgerechnete Brennweite von 31 mm bei f/2,2.

Die Bedienung

Der Fotomodus wird durch die entsprechende App aufgerufen und bietet in den Einstellungen zahlreiche Motivprogramme. Sie reichen von einem Porträtmodus mit Gesichtsretusche über Mehrfachbelichtungen für bewegte Motive und Panoramen bis hin zu einer virtuellen Tour. Dabei werden Kugelpanoramen aufgenommen, in denen sich der Anwender beim Betrachten bewegen kann. Darüber hinaus können wie bei einer Kompaktkamera die Bildgröße, die Serienbildfunktion und die Bildstabilisierung aktiviert werden. Wer will, kann auch den ISO-Wert und die Belichtungsmessmodi auswählen. Selbstauslöser, Blitzfunktionen und ein HDR-Modus mit Mehrfachaufnahme gibt es ebenfalls.

Unterschiedliche Bildeffekte können ebenfalls auf Fotos und Videos angewendet werden - mit einer Einschränkung: Im 4K-Modus schafft es die Kameraelektronik nicht auch noch, Bildeffekte dazuzurechnen. Das Samsung S5 ist das einzige Handy des Testfeldes, das 4K-Videos aufnehmen kann. Ein kurzes 4K-Testvideo (231 MByte) bieten wir zum Download oder zum Übertragen in die eigene Dropbox an.

Die Bildqualität

Schönwetter-Aufnahmen gelingen mit der Samsung-Kamera in hoher Qualität, mit durchzeichneten Schatten, guter Schärfe und mit ausgeglichener Belichtung. Ausgerissene Lichter sind selten, dafür belichtet die Kamera etwas konservativ. Manchmal werden die Bilder so zu dunkel. Auch die Farbabstimmung wirkt natürlich, auf dem AMOLED-Display gelegentlich etwas zu poppig, doch am Rechner stimmt alles wieder. Die Detailwiedergabe in den 16-Megapixel-Fotos (5.312 x 2.988 Pixel) könnte aber noch etwas besser sein. Chromatische Aberrationen (Farbsäume), die früher oft ein Problem bei Smartphones darstellten, sieht man praktisch nicht mehr. Hier leistet vermutlich die Kameraelektronik gute Dienste und rechnet diese Abbildungsfehler heraus. Die HDR-Fotofunktion kann helfen, wenn die Kontrastunterschiede im Bild sehr stark sind und helle Partien sonst keine Bildinformationen mehr beinhalten würden.

Bei schlechtem Licht stören in den Aufnahmen starke Detailverluste. Manchmal wirkt es fast so, als seien die Fotos unscharf. Dieser matschige Bildeindruck enttäuscht, weil Samsung durch die Isocell-Technik eigentlich mehr Rauscharmut versprochen hat.

Besonders gut gefallen haben uns aber die Makrofähigkeiten der Samsung-Kamera. Hier liegt der Fokus mit großer Präzision dort, wo ihn der Fotograf per Finger gesetzt hat und die Detail- und Farbwiedergabe ist von durchschnittlichen Digitalkameras kaum zu unterscheiden.

Beim Filmen bietet die Samsung Galaxy S5 sowohl einen Full-HD- als auch einen 4K-Modus. Bei guten Lichtverhältnissen gefällt vor allem die 4K-Aufnahme, die eine sehr gute Schärfe und Farbausgewogenheit hat. Aus den einzelnen Frames lassen sich dann durchaus 8 Megapixel große Standbilder ziehen. Der Ton ist gerade im Freien nicht optimal. Selbst leichter Wind verursacht deutlich wahrnehmbare Störgeräusche.

Nokia Lumia 930

Das Microsoft-Smartphone nimmt JPEGs in einer Auflösung bis zu 19 Megapixeln (Seitenverhältnis 4:3) auf und kann als einziges des Tests auch Rohdatenbilder im DNG-Format speichern. Parallel dazu werden 5 Megapixel große JPEGs im Speicher abgelegt. Leider können keine hochauflösenden JPEGs und DNGs erzeugt werden. Die DNGs sind 24,7 MByte groß, die JPEGs mit 19 Megapixeln können bis etwa 8 MByte groß werden.

Alternativ lassen sich auch Fotos im 16:9-Format schießen. Die Kamera befindet sich mittig auf der Smartphone-Rückseite und kann so beim Fotografieren auch nicht aus Versehen abgedeckt werden, was beim iPhone 6 schnell passiert.

Die Bedienung

Die mitgelieferte Kamera-App ermöglicht das Fokussieren auf den berührten Bildbereich, was auch recht schnell funktioniert, wenngleich nicht so fix wie beim Samsung-Modell. Treffsicher ist der Autofokus dennoch. Innerhalb der App können diverse Bildparameter eingestellt werden. Weißabgleich, ISO-Wert, Belichtungskorrektur und Messmethode sowie Blende und Verschlusszeit kann der Anwender verstellen - und zwar ohne das Motiv aus den Augen zu verlieren. Die Bedienelemente zum Einstellen der Parameter werden über das Sucherbild gelegt. Der Selbstauslöser fehlt ebenfalls nicht.

Die keinesfalls selbsterklärende Einstellung "Lebendige Bilder" verbindet Fotos und Videos. Zum Foto wird dabei ein kurzes Video gedreht, das wir allerdings nicht vom Lumia 930 exportieren konnten.

Die Bildqualität

Wiederum bei guten Lichtverhältnissen gibt es bei den Fotos nur wenig auszusetzen. Das Lumia 930 sorgt dann für scharfe und rauscharme Fotos. Ärgerlich ist manches Mal die Belichtungsmessung, die dann oft für zu dunkle Fotos und Videos sorgt. Problematisch wird es bei schlechterem Licht und höheren ISO-Werten. Das Lumia 930 kommt auf maximal ISO 4.000, doch diese Qualität ist eigentlich nicht mehr zu gebrauchen, weil sie zu verrauscht ist.

Gelegentlich liegt die Farbabstimmung des Lumia 930 etwas daneben. Das gilt vor allem für Brauntöne, die gelegentlich einen leichten Rotstich aufweisen, auch Schwarztöne könnten gelegentlich satter und nicht so verwaschen sein. So ist uns das bei den anderen Kameras bei gleichem Motiv nicht aufgefallen. Das ist natürlich kein Problem bei den DNG-Aufnahmen, bei denen sich derartige Fehler am Rechner präzise korrigieren lassen. Hier zeigt sich auch eine etwas höhere Detailauflösung, doch viel Spielraum zum Aufhellen von Schattenpartien bieten die Rohdaten leider nicht. Testbilder für eigene Versuche im DNG-Format (192 MByte) bieten wir zum Download oder zum Übertragen in die eigene Dropbox an.

Videos nimmt das Lumia 930 mit Full-HD (30 fps) auf. Es kann mit einem Bildstabilisator aufwarten, der bei leichten Bewegungen gegensteuert und das Bild etwas ruhiger erscheinen lässt. Bei Videoaufnahmen fällt allerdings noch stärker ins Gewicht, dass die Belichtungsmessung nicht besonders gut arbeitet und nur selten nachreguliert, wenn sich die Helligkeit verändert. Die Bilder wirken zudem etwas detailarm, selbst wenn das Licht gut ist. Bei schlechtem hat die Kamera große Schwierigkeiten, im Videomodus zu fokussieren.

iPhone 6 und iPhone 6 Plus

Die beiden aktuellen iPhones unterscheiden sich in puncto Kameratechnik voneinander. Das Plus-Modell besitzt einen elektronischen Bildstabilisator, während das kleinere iPhone per Software versucht, Bewegungseinflüsse auszugleichen. Beide Sensoren arbeiten mit einer Auflösung von 8 Megapixeln und benutzen einen Phasen-Autofokus zum Scharfstellen. Das klappt wesentlich besser als beim iPhone 5S, das noch über einen Kontrast-Autofokus verfügte, der häufig Probleme hatte, auf Anhieb richtig einzustellen und erst einmal den gesamten Schärfebereich durchlief, was Zeit kostete.

Die Bedienung

Mit iOS 8 hat Apple seine Kamera-App überarbeitet und bietet nun eine Belichtungskorrektur an. Zuerst legt der Anwender den Fokuspunkt fest und kann dann mit einer Wischbewegung die Belichtung justieren. Eine direkte Beeinflussung von sonstigen fotografischen Parametern wie Verschlusszeiten, Blendenöffnungen oder ISO-Werten ist nicht mit Bordmitteln möglich.

Positiv anzumerken ist nicht nur der schnelle Autofokus, sondern auch die sonstige Reaktionszeit der Kamera. Die App öffnet sich sehr schnell. Gerade bei Nokias Modell ist die Reaktionszeit dagegen ein echtes Ärgernis. Hier wartet der Anwender fast zwei Sekunden, bis er ein Bild machen kann.

Außerdem kann iOS 8 Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen mit den iPhones aufnehmen, wobei bei der Zeitlupe nicht die Full-HD-Auflösung, sondern nur 720p zum Einsatz kommt. Dennoch: Gerade die Zeitlupenaufnahmen sind faszinierend anzusehen. Hier wird mit 120 beziehungsweise 240 Bildern pro Sekunde gearbeitet. Full-HD kann mit 60 fps gefilmt werden.

Die Bildqualität

Die Farbwiedergabe der iPhone-Kameras ist sehr ausgewogen und stimmig. Sie gehört zu den besten im Vergleichstest. Auch Schwarztöne werden satt und nicht etwa verwaschen wiedergegeben - auch das ist wiederum beim Nokia ein Problem.

Die mit 8 Megapixeln dann doch recht geringe Auflösung fällt im direkten Vergleich zur Konkurrenz natürlich auf. Dem guten Schärfeeindruck tut sie keinen Abbruch, doch der Spielraum für Bildausschnitte sinkt dadurch stark ab. Das ist schade, weil keines der Smartphones ein Zoomobjektiv besitzt. Die Belichtungsmessung ist sehr treffsicher. Bei starken Helligkeitsunterschieden soll die HDR-Funktion helfen, diese auszugleichen, doch das gelingt kaum.

Der optische Bildstabilisator im iPhone 6 Plus wird nur für Fotoaufnahmen verwendet, im Videobereich bleibt er scheinbar aus, denn wir konnten keinen spürbaren Unterschied zwischen beiden Geräten sehen, auch wenn deren Aufnahmen durch Software gut stabilisiert werden. Im Fotomodus fällt er ebenfalls kaum auf: Starke Verwackler kann er nicht ausgleichen und die etwas geringeren ISO-Werte, die zusammen mit längeren Belichtungszeiten für rauschärmere Bilder sorgen sollen, sieht man - wenn überhaupt - erst bei sehr starker Vergrößerung. Wunder vollbringt der Bildstabilisator nicht, und er sollte deshalb auch kein Kaufgrund für das iPhone 6 Plus sein.

Hier eine Aufnahme mit dem iPhone 6 Plus:



Fazit und Preise

Das iPhone 6 gibt es ohne Vertrag für 700 Euro (16 GByte) beziehungsweise für 800 Euro (64 GByte), und für 900 Euro kann man das 128-GByte-Modell erstehen. Das iPhone 6 Plus kostet jeweils 100 Euro mehr. Das Samsung Galaxy S5 ist mit 16 GByte ohne Vertrag ab etwa 470 Euro zu bekommen. Das Nokia Lumia 930 kostet mit 32 GByte ab etwa 430 Euro ohne Vertrag.

Allein wegen der Fotofunktion wird niemand ein Smartphone kaufen, doch mittlerweile sind diese Gerätefunktionen nicht mehr wegzudenken. Das bekommt auch die Kameraindustrie zu spüren, deren Billigmodelle fast vollständig vom Markt verschwunden sind. Dort konzentriert man sich auf hochwertigere Kameras, die Funktionen und eine Bildqualität bieten, die Handys bislang verwehrt ist. Doch eine Smartphone-Kamera hat trotzdem viele Vorteile: So ist sie (fast) immer dabei und das sind bekanntlich die besten Kameras, unabhängig von ihrer technischen Ausstattung.

Im Urlaub, auf Feiern oder einfach so in der Freizeit und im Beruf werden viele Fotos mit Smartphones gemacht - und deren Qualität, aber auch der Leistungsumfang der kleinen Kameras nehmen immer mehr zu. Längst gibt es nicht mehr nur einen Friss-oder-stirb-Modus. Vielmehr können längst einige fotografische Parameter beeinflusst werden. Auf eine Kamera mit vollkommen manueller Steuerung wird man nicht mehr lange warten müssen.

Wer sich schon jetzt künstlerisch austoben will, findet bei Nokia/Microsoft beziehungsweise bei Samsung Smartphone-Kameras, deren mitgelieferte Apps Veränderungen von ISO-Werten, dem Weißabgleich und eine selektive Schärfe ermöglichen. Etwas weniger direkte Eingriffsmöglichkeiten sind bei Apples Camera-App vorhanden. Apple legt eher Wert auf Simplizität - oder verwehrt dem Anwender schlicht den Zugriff auf einige Funktionen, denn Apps von Dritten zeigen, was mit der integrierten Kamera möglich ist. Dass jedoch ein fließender Übergang zwischen beiden Welten entsteht, zeigt das Nokia Lumia 930. Es beherrscht die Rohdaten-Bildaufzeichnung, die sich zur Nachbearbeitung besonders gut eignet, während ein zum wiederholten Male gespeichertes JPEG schnell unansehnlich wird.

Die Bildqualität besonders von den Geräten von Samsung und Apple überzeugt, doch das ändert sich, wenn die Beleuchtung schlechter wird. Zwar wurde in allen Smartphones eine LED-Beleuchtung als Blitzersatz integriert, doch die reicht nur etwa einen Meter weit. Für mehr ist sie einfach zu schwach. Ohne Blitz oder bei weiter entfernten Motiven erinnern die Fotos bei hohen ISO-Werten eher an die Ergebnisse billiger Kompaktkameras, was auch beim Filmen gilt. Smartphone-Kamera sind nach wie vor Schönwetter-Geräte. Da können sie ihre Stärken zeigen. Eine Sonderstellung nimmt beim Filmen das Samsung S5 mit der recht guten 4K-Aufnahme ein. Hier können bei ruhigen Szenen Standbilder durchaus als Einzelbilder genutzt werden.

Grundsätzlich wirken die Fotos aller Geräte auf den kleinen Displays der Smartphones gut, das böse Erwachen kommt erst auf dem PC. Das fällt besonders beim Lumia 930 mit seiner gelegentlich eigenwilligen Farbinterpretation ins Gewicht. Natürlich wirkt dort ein 16-Megapixel-Bild (Samsung) oder gar eines mit 19 Megapixeln (Nokia) deutlich detaillierter als das der 8-Megapixel-Kamera aus den iPhones.

Insgesamt führen unserer Meinung nach die Bildqualität und der Funktionsumfang der Samsung-Kamera vor denen der iPhones gefolgt von Nokias Modell. Samsung bietet auch von den Einstellungsmöglichkeiten ein stimmiges Paket, doch auch Nokia/Microsoft haben eine schöne Bedienoberfläche, die viele Möglichkeiten bietet, das Bildergebnis zu beeinflussen. Weniger gut hat uns in diesem Fall das iPhone gefallen, dessen Kamera-App nur das Nötigste bietet.  (ad)


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