Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/die-verwandlung-ein-roboter-spielt-gregor-samsa-1410-109982.html    Veröffentlicht: 21.10.2014 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/109982

Die Verwandlung

Ein Roboter spielt Gregor Samsa

Kafka in der Android-Version: In einer aktuellen Inszenierung einer Erzählung verwandelt sich die Hauptfigur nicht in einen Käfer, sondern in einen Roboter. Den hat ein bekannter japanischer Robotiker gebaut.

Als Gregor Samsa eines Morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett - in einen Roboter verwandelt: In einer Theaterbearbeitung von Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung in Japan spielt ein Roboter die Hauptfigur.

Oriza Hirata, ein bekannter Regisseur und Theaterautor, hat das Stück des Prager Autors neu bearbeitet: Statt in einen Käfer verwandelt sich Samsa darin in einen Roboter. Entsprechend lautet der Titel des Stücks auch "La Metamorphose Version Androide". Es wird auf Französisch mit japanischen Untertiteln aufgeführt.

Ausdrucksloses Gesicht

Repliee S1 ist ein humanoider Roboter mit Gliedmaßen und einem Torso aus glänzendem Metall. Seine Hände und sein Kopf bestehen aus Kunststoff. Das weiße Gesicht ist eine ausdruckslose Maske. Seinen Text äußert der Roboter per Sprachsynthese.

Gebaut hat den Roboter der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro, der für seine humanoiden Roboter bekannt ist. Er hat etwa robotische Porträts von sich oder dem dänischen Wissenschaftler Henrik Schärfe geschaffen. Der Repliee S1 ist jedoch nicht so abschreckend wie andere Kreationen Ishiguros, etwa der Telepräsenzroboter Telenoid R1.

Fünf Stücke

Seit sechs Jahren arbeiten der Regisseur und der Robotiker zusammen und haben in der Zeit fünf Stücke auf die Bühne gebracht. Darunter war beispielsweise 2010 das Stück Sayonara, in dem der Roboter Geminoid F und eine menschliche Schauspielerin über das Leben und dessen Bedeutung philosophierten.

"In dieser Produktion habe ich eine Situation in naher Zukunft in einer französischen Familie geschaffen, und das in einer Zeit, in der sich Menschen fragen, ob das Leben weitergeht, wenn die Roboter die meisten Aufgaben von uns übernommen haben", erklärte Hirata der Tageszeitung The Japan Times.

Menschen und Roboter

Aber nicht nur die Menschen, auch die Roboter würden, wenn sie intelligenter würden und mit uns Menschen zusammenlebten, nach dem Sinn ihres Daseins suchen. "Je mehr Robotertheaterstücke ich inszeniere, desto klarer wird mir, dass es keinen Unterschied zwischen Robotern und Menschen gibt", sagte Hirata.

Er arbeite viel in Frankreich und dort werde sein Robotertheater als genuin japanische Kunstform betrachtet, sagte Hirata . Die androide Verwandlung wird als erstes Robotertheaterstück außerhalb Japans aufgeführt: Die Premiere war kürzlich in Japan. Im kommenden Monat spielt das Ensemble, zu dem die französischen Schauspieler Irène Jacob und Jerome Kircher gehören, das Stück bei einem Festival in der Normandie.  (wp)


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