Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-the-evil-within-horror-mit-hindernissen-1410-109814.html    Veröffentlicht: 14.10.2014 06:01    Kurz-URL: https://glm.io/109814

Test The Evil Within

Horror mit Hindernissen

Resident-Evil-Erfinder Shinji Mikami schickt uns in The Evil Within erneut in einen Albtraum voll mit Blut, Zombies und tausenden Toten - und leider auch mit Kameraproblemen sowie weiteren Designmacken.

Und dann sind auch noch die Zigaretten alle ... Es ist kein guter Tag für Sebastian Castellanos. Der Detective wird in einer (fiktiven) US-Stadt zu einem Einsatz in einer Nervenheilanstalt gerufen. Dort findet er Massen an Leichen - und verliert das Bewusstsein. Was dann in The Evil Within passiert, ist schlicht ein Albtraum: Castellanos wird von riesigen Monstern mit Kettensägen, von Zombies und anderen, noch schlimmeren Bestien verfolgt. Er badet bis zum Scheitel in Blut, stolpert in tödliche Fallen und steckt fest in Dimensionen, aus denen es keinen Ausgang zu geben scheint.

Außerdem ist da dieser Typ mit der blassen Haut und der Kapuze, der nach Belieben auftauchen und verschwinden kann und Castellanos - also uns! - immer wieder so seltsam anstarrt. Was es mit dem bleichen Geist auf sich hat, erfahren wir natürlich erst nach und nach im Verlauf der Handlung. The Evil Within ist das jüngste Werk des legendären Entwicklers Shinji Mikami (Resident Evil). Das Programm ist bei dem zu Bethesda Softworks gehörenden japanischen Studio Tango Gameworks auf Basis der Engine id Tech 5 entstanden.

Detective Castellanos steuern wir aus einer leicht nach links versetzten Schulterperspektive. Wir können normal gehen, sowie sprinten und auf Tastendruck schleichen. Wenn wir uns ungesehen hinter einen Untoten bewegen, wird irgendwann ein Symbol eingeblendet, und wir müssen nur noch eine Taste drücken, um ihm etwa ein Messer in den Schädel zu rammen.

Wahlweise können wir Gegner auch von vorne mit der Schrotflinte oder der Pistole angreifen. Falls dann noch genug Körper am Stück übrig ist, sodass es für einen neuen Angriff reichen würde, sollten wir besser ein Streichholz auf den Feind fallen lassen, bevor er tatsächlich erneut attackiert.

Die Steuerung orientiert sich zwar weitgehend an gängigen Actionspielen, und die Menüs sind gut aufgemacht. Trotzdem: Ganz glücklich sind wir mit der Bedienung nicht. Schuld sind vor allem die dicken schwarzen Balken am Bildschirmrand. Die sollen dem Spiel vermutlich eine besonders kinoreife Aufmachung verleihen. In der Praxis sorgen sie leider dafür, dass wir immer wieder mit Kameraproblemen kämpfen.

Kampf mit der Kamera

So haben wir es oft mit Feinden zu tun, die etwa auf Treppen über oder unter uns stehen, und die wir wegen der Balken entweder zu spät bemerken, oder sie nicht richtig anvisieren können. Aber auch Monster neben uns sind nicht immer gut zu sehen, sodass in vielen der herausfordernden Kämpfe auch eine Portion Glück dazugehört, um sie lebend zu überstehen.

Wir finden die schwarzen Balken aber auch ärgerlich, weil sie so viel von den eigentlich schönen - oft natürlich schaurig-schönen - Umgebungen verdecken. Wir sind in finsteren Schlössern voller Fallen unterwegs, tapsen bei Nacht durch Siedlungen mit brennenden Leichenbergen, erkunden beklemmend enge Hostpitalgänge und rennen durch lange Flure, die sich auf geheimnisvolle Art und Weise immer wieder verlängern.

Die meisten Spieler dürften für die Kampagne rund 10 bis 15 Stunden benötigen. Wer das Spiel kennt, kann sich aber auch in unter fünf Stunden durch die Levels kämpfen - jedenfalls gibt es dafür eine Trophäe. Neben dem Erkunden der Umgebungen und dem Kampf gegen Standardgegner sorgen immer wieder Spezialaufgaben für Abwechslung. So schlagen wir uns noch ziemlich am Anfang mit einem besonders starken, eine Motorsäge schwingenden Sadisten herum. Später müssen wir uns dann mit dem Scharfschützengewehr gegen Feinde wehren.

Den Spielstand sichert das Programm automatisch an vorgegebenen Schlüsselstellen, allerdings nicht besonders oft. Beim Test mussten wir wiederholt längere Abschnitte mehrfach absolvieren. Zusätzlich können wir auch auf der Konsole meistens manuell Savegames anlegen, indem wir einen Spiegel finden, der uns in eine Klinik teleportiert. Dort an der Theke, bei Schwester Tatjana, dürfen wir immer speichern. Das ist zwar praktisch, erfordert aber abhängig vom Level oft minutenlanges Jogging bis zu besagtem Spiegel - auf Dauer ist das ganz schön nervtötend, zumal auch die Ladezeiten lang sind.

In der Klinik bei der Krankenschwester dürfen wir übrigens auch unsere Charakterwerte und Waffen verbessern. Dazu müssen wir Gel finden, das wir von erledigten Gegnern erhalten, in Schränken und Truhen finden oder in zerdepperten Kisten. Damit können wir uns dann zu mehr Lebenspunkten verhelfen, zusätzliche Munition mit uns tragen oder unsere Treffsicherheit mit Waffen erhöhen. Wir finden das Rollenspielsystem gelungen: Es hilft uns rasch, in den Kämpfen etwas besser zu bestehen, und stellt uns doch vor echte Entscheidungen mit Auswirkungen.

Düstere Grafik und Fazit

Die Grafik von The Evil Within geht sehr eigene Wege: Das Spiel setzt konsequent auf fast monochrome und teils sehr düstere Farbpaletten, auf fast übertrieben wirkende Partikeleffekte und aus bewusst künstliche aussehende Feuer- und Spezialeffekte. Offensichtlich soll das Ganze wie ein Traum wirken - und das tut es auch. Manchmal sind die düsteren Farben und das viele Schwarz übrigens ein spielerischer Nachteil, weil es wegen der quasi nie vorhandenen Fernsicht nicht immer möglich ist, sich in den meist halboffenen Umgebungen zu orientieren - uns hat auch deshalb eine Kartenfunktion gefehlt.

Trotz der reduzierten Farben und Effekte (und trotz der Balken) ist unsere Playstation-4-Fassung übrigens zum Teil dezent ins Ruckeln geraten. Die von den Entwicklern versprochene Bildrate von 30 fps hält das Programm nicht durchgehend.

The Evil Within ist für Windows-PC, Playstation 3 und 4 sowie für Xbox 360 und One erhältlich. Der Preis liegt je nach Plattform bei 40 bis knapp 60 Euro. Hierzulande erscheint das Programm sehr gut lokalisiert und laut Publisher Bethesda ohne inhaltliche Schnitte gegenüber der internationalen Fassung. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Natürlich gibt es in The Evil Within richtig eklige Szenen mit unfassbaren Massen an Blut und anatomischen Details, die nicht nur Vegetariern den Appetit verderben können - das gehört sich schließlich so in einem Horrorspiel dieser Art. Der teils derbe Splatter ist aber vergleichsweise geschmackvoll in Szene gesetzt, mit getragener Musik, einigen sehr schönen Levels, berührenden Zwischensequenzen und einer Handlung, bei der wir wissen wollen, was als nächstes passiert.

Vor allem aber bietet The Evil Within eine gelungene Mischung aus taktischer Action mit Schleich- und gelegentlichen Knobelpassagen. Uns hat es Spaß gemacht, gezielt die Möglichkeiten von Schrotflinte und Qualenarmbrust zu verbessern und dann recht bald zu merken, welche Möglichkeiten die Waffen beim Kampf gegen Zombies und die größeren Bosse bieten.

Schade, dass einige unnötige Mängel im Detail den Spielspaß einschränken. Die Entwickler hätten merken müssen, dass die dicken schwarzen Balken am Bildschirmrand an vielen Stellen die Sicht auf ärgerliche Weise einschränken. Oder dass eine umständlich-zeitraubende Speicherfunktion in einem derart schwierigen Titel, in dem man öfter mal ohne eigenes Verschulden stirbt, einfach eine blöde Idee ist. So ist The Evil Within nicht das erhoffte Meisterwerk, sondern nur ein gutes Spiel für in vielerlei Hinsicht nervenstarke und erwachsene Genrefans geworden.  (ps)


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