Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-10-technical-preview-ausprobiert-die-sonne-scheint-aufs-startmenue-1410-109626.html    Veröffentlicht: 06.10.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/109626

Windows 10 Technical Preview ausprobiert

Die Sonne scheint aufs Startmenü

Die erste Vorschauversion von Windows 10 ist klar auf Unternehmen ausgerichtet. Wow-Effekte gibt es für Endkunden nicht. Doch für berufliche Anwender hat sich viel verbessert. Wir haben uns das Startmenü, die virtuellen Desktops und das komfortable Einfügen in die Kommandozeile genauer angesehen.

Mit der Technical Preview ermöglicht Microsoft erstmals eine Vorschau auf das kommende Windows 10. Wir haben die Vorschauversion auf einem klassischen Convertible-Tablet-PC installiert. Sie meldet sich intern als Windows 6.4 mit der Build-Nummer 9841.

Wir konzentrieren uns in unserem Test vor allem auf das umgebaute neue Startmenü, bei dem Microsoft selbst in Details Änderungen vorgenommen hat, die es besser machen als das Startmenü von Windows 7. Sichtbar sind zudem Änderungen, die vor allem Maus- und Tastaturbenutzer betreffen. Für Tablet-Nutzer soll es erst 2015 richtige Neuerungen geben, so dass wir den Anwendungsbereich Tablets nur am Rande betrachten.

Windows 10 statt Windows 9

Der Name Windows 10 hat für einige Verwunderung gesorgt. In der Logik vieler Anwender müsste auf die 8 eigentlich eine 9 folgen. Doch die Versionierung für die Öffentlichkeit folgt schon lange keiner Logik mehr. Schon Windows 7 hatte nichts mit der internen Versionsnummer zu tun; die mit Windows Vista eingeführte interne Version 6 wurde mit Windows 7 beibehalten.

Intern meldet sich Windows 10 weiterhin als eine Version 6. Das ist auf das alte Windows NT zurückzuführen, das lange Zeit parallel zu den DOS-basierten Windows-Versionen gepflegt wurde und auch die Basis von Windows 10 ist. Die Versionszahl hinter dem Windows hat also keine praktische Bedeutung: Windows 10 ist einfach ein neues Windows, und die Neuerungen, die wir im Folgenden betrachten, rechtfertigen den Sprung auf einen neuen Namen.

Windows 7 plus 3 Updates = 10

Die größte Nutzergruppe, nämlich diejenigen, die im Büro oder Zuhause mit Maus und Tastatur vor dem Bildschirm sitzen, fühlten sich mit Windows 8 grob vernachlässigt. Es war das erste große Update seit Windows 7, doch in unserem Windows-8-Test waren wir nicht glücklich über die Entwicklungen. Und im nächsten Update, Windows 8.1, verbesserte Microsoft zwar die Bedienung für Maus- und Tastaturbenutzer, doch perfekt war auch diese Version nicht.

Immer noch zeigte sich, dass Microsoft versuchte, auf mobilen Plattformen mehr Bedeutung zu erreichen, was Desktop- und Notebook-Nutzer zu Kompromissen zwang. Das lohnenswerte Miniupdate, das darauf folgte, zählen wir nicht als große Version. Es brachte Windows 8.1 aber wieder etwas näher an Windows 7 heran.

Insgesamt galt aber: Was Microsoft mit Windows 8 den Nutzern anbot, war ein krasser Paradigmenwechsel, der vielen übel aufstieß. Nutzer ohne Touchscreen erhielten mit Windows 8 vor allem anfangs wenig Vorteile. Mit dem dritten großen Update seit Windows 7 soll nun alles besser werden: Windows 10.

Vorabtest auf einem klassischen Convertible

Für unseren Vorabtest mit der Technical Preview nutzen wir ein Gerät, das beides ist: Tablet und Notebook. Das Elitebook Revolve 810 der ersten Generation gehört einer aussterbenden Gattung an: Es ist ein klassisches Convertible mit schwerem Drehgelenk. Das hat den Vorteil, dass sich das Gerät nicht unbedingt als Tablet zu erkennen gibt, hat es doch eine integrierte Tastatur. Bei der - überraschend problemfreien - Installation stellen wir aber fest, dass es doch als Tablet erkannt wird. Ein Startmenü gibt es dann nicht. Und auch der neue Modus mit dem Namen Continuum zum schnellen Wechseln zwischen Touchscreen-Bedienung (mit Startbildschirm) und Tastaturbedienung (mit Startmenü) zeigt sich noch nicht.

Der Startbildschirm gibt sich zudem wie unter Windows 8.1 zu erkennen - ohne die geplanten Neuerungen. Das wundert insofern nicht, als Microsoft von Anfang an klarmachte, dass die Technical Preview nur eine Vorschauversion ist, mit dem Fokus auf Notebooks und Desktops. Trotz dieser Vorgabe lässt sich Windows 10 Technical Preview auch auf Tablets einsetzen. Die Bedienung ist dann weitgehend vergleichbar mit der von Windows 8.1. Ausnahmen sind einige Gesten: So ist das Hineinschieben des Fingers von der linken Seite nun mit Task View belegt. Eine Funktion, die mehrere Desktops und eine Übersicht über offene Fenster und Apps anzeigt. Viele Anwender von Linux- und Apple-Systemen kennen diese Art der Handhabung von Programmen bereits. Sie ist eine willkommene Neuerung unter Windows 10.

Maus- und Tastaturnutzer freuen sich auf Windows 10

Da wir schnell feststellen, dass sich für Tablets nicht viel geändert hat, schalten wir in den Desktop-Modus. Auf die Tablet-Neuerungen müssen wir wohl noch bis Anfang 2015 warten, wenn die Consumer Preview erscheint. Der Wechsel ist wie gehabt sehr einfach. In der Taskleiste werden die Eigenschaften aufgerufen und unter dem Karteireiter Startmenü findet sich eine Checkbox, mit der das neue Startmenü aufgerufen werden kann. Nach einer Ab- und Anmeldung steht das neue Startmenü bereit. Den Startbildschirm gibt es bei dieser manuellen Auswahl dann nicht mehr. Continuum dürfte das später noch ändern.

Das könnte bei vielen Windows-7-Nutzern eine gewisse Erleichterung auslösen: Das Startmenü bietet eine bekannte Oberfläche und wurde doch klug ergänzt. Das neue Startmenü ist jetzt im Prinzip zweigeteilt. Links finden sich Verknüpfungen zu Ordnern, wichtigen Einstellungen und eine automatische Liste der häufig aufgerufenen Programme. Wie noch unter Windows 7 lässt sich der Bereich umfangreich konfigurieren. Bei uns fliegt beispielsweise immer das Malprogramm als erstes aus der automatisch generierten unteren Liste. Und die obere Liste bekommt den Download-Ordner. Der Weg ist ein wenig umständlich. Es braucht einen Rechtsklick auf die Verknüpfung (Pin to Start) und dann muss die Kachel in die linke obere Liste gezogen werden. Das ändert sich vielleicht noch bis zu finalen Version.

Die Sonne der Wetterkachel scheint aufs Startmenü

Und damit kommen wir in den zweiten Bereich des Startmenüs: den Kachelbereich. Dort sind von Anfang an einige wichtige Modern-UI-Apps untergebracht. Früher hießen sie noch Metro-Apps, wir nutzen auch den Begriff der Kachel-Apps. Diese Apps sind nicht einfach Verknüpfungen, sondern bieten ihre Live-Funktion an. Die Store-App verweist auf neue Apps und die Wetter-Kachel zeigt das aktuelle Wetter an - ohne dass die App aktiv gestartet werden muss. Damit haben die Apps auf dem Desktop eine Funktion, die mit früheren Gadgets unter Windows Vista und Windows 7 vergleichbar ist. Microsoft stellte die Gadgets für Windows 8 ein. Verglichen mit Windows Vista und 7 sind sie unter Windows 10 nicht so präsent. Wir finden es angenehm, sie nur mit dem aktiven Startmenü zu sehen. Die Sidebar von Windows Vista hatte damals einen stärker störenden Charakter.

Die Kacheln lassen sich in vier Größen im Startmenü positionieren. In der kleinsten Größe steht die Live-Funktion nicht bereit. Wenn der Anwender zu viele Apps an den Startbereich für Kacheln festtackert, verbreitert sich das Startmenü automatisch. Wer will, kann das Startmenü zudem in der Höhe mit der Maus verändern. Der alte Umweg über ein eigenes Menü entfällt lobenswerterweise. In alten Betriebssystemen musste noch die Anzahl der Einträge festgelegt werden. Simples Drag-and-Drop von Windows 10 ist einfacher. Es zeigt, dass sich Microsoft-Entwickler mit Windows 10 Gedanken zur Benutzbarkeit gemacht und alte Konfigurationsmuster überdacht haben.

Übrigens bleibt trotz des Startbereichs für Kacheln auch ein Bereich für Dokumente, die einem Programm zugeordnet sind. Ein Klick auf den Pfeil neben dem aufgelisteten Programm auf der linken Seite blendet die Kacheln aus und zeigt stattdessen festgemachte oder zuletzt aufgerufene Dokumente.

Das neue Startmenü-Konzept erfordert ein wenig Umgewöhnung für die, die wegen der Kachel-Apps den Umstieg nicht wagten. Anfangs waren wir leicht irritiert, denn die Gewöhnung an die Kacheloberfläche hat längst eingesetzt, so dass wir beim Versuch, Kachel-Apps zu starten, etwas mehr Aufwand hatten. Andererseits vereinfachte das neue Startmenü die Bedienung herkömmlicher Programme. Der Grund für den höheren Aufwand lag darin, dass wir nicht einfach mit einem Fingerwisch durch alle Apps scrollen konnten. Wir reden hier allerdings von wenigen Minuten Umgewöhnung und etwas App-Sortiererei, die sich auf jeden Fall lohnt. Die wenigsten Apps müssen nämlich ständig an das Startmenü geheftet bleiben.

Eingerahmte Apps und Suchen mit Windows 10

Schon mit Windows 8.1 eingeführt wurde eine neue Suche, die nun auch auf Internetinhalte zugreift. Wir betrachten hier zunächst nur die Startmenüvariante aus zuvor genannten Gründen: Die Startbildschirmvariante ist anscheinend noch nicht fertig. Über die Taskleiste hingegen wird die Suche auf zwei Arten angeboten. Zunächst betrachten wir das kleine Suchsymbol, das sich nicht entfernen lässt. Beim einfachen Klick zeigt es die letzten Suchen sowie einen Bereich an, der "Trending Now" genannt wird. Hier stehen aktuelle Geschehnisse, die auf einen Klick zu der entsprechenden Nachrichtensuche der Suchmaschine Bing leiten.

Das Ganze startet in einer eingerahmten App im Fenstermodus. Letztendlich ist es der Internet Explorer im App-Modus. Interessanterweise zeigt sich Microsofts Browser sonst nicht mehr als App, sondern nur als Programm. Wir vermuten, dass es sich hierbei noch um einen Fehler der Vorschau handelt.

Die zweite Suchalternative steckt im Startmenü. Dort kann ebenso gleich losgetippt werden, es wird aber erst dann etwas Suchrelevantes angezeigt, wenn auch wirklich getippt wird. Zudem liegt der Fokus hier auf der Suche von Apps, Programmen und Daten. Eine Internetsuche ist aber auch von hier aus durchführbar.

Eingerahmte Apps

Der wohl seltsamste Teil von Windows 10 ist die "Fensterisierung" der Apps. Eigentlich laufen Apps immer im Vollbildmodus, auch wenn beide Side-by-Side-Modi (Desktop und App-Bereich) das parallele Anzeigen von Apps neben Apps und dem Desktop unter Windows 8.1 ermöglichen. Im Desktopmodus von Windows 10 werden die Apps nun grundsätzlich im Fenster angezeigt und sind kompatibel mit den Snap-Modi und Side-by-Side-Modi des Desktops. Der Modern-UI-Side-by-Side-Modus existiert dann nicht mehr.

Apps haben zudem in der linken oberen Ecke ein Kommando-Menü. Hier ist der Vollbildmodus anwählbar, zudem ist ein Ersatz für die Charms-Leiste an dieser Stelle zu finden. Die Kombination Windows+C ruft bei eingerahmten Apps nicht mehr die Charms-Leiste am rechten Bildschirmrand auf. Wer aus alter Gewohnheit die Leiste am rechten Rand kontextbasiert aufrufen will, kann das trotzdem noch tun. Die Einstellungen beziehen sich dann auf die App, die vom Betriebssystem den Fokus hat. Genauso wie mit Windows 8.

Die App-Behandlung ist einer der wenigen Bereiche, die zeigen, dass die Technical Preview noch nicht fertig ist. Hier zeigten sich die meisten Fehler im Betriebssystem. So funktionierten Touchscreeneingaben in Apps gar nicht und manchmal wollte der Vollbildmodus die App nicht korrekt anzeigen. Trotzdem zeigte sich schon das Potenzial, sofern Microsoft nicht noch einmal etwas ändert.

Auch Desktop-Nutzer mit großem 4K-Monitor können beispielsweise einfach eine App dauerhaft in einer Ecke positionieren. Oder auf einem anderen Bildschirm. Oder auf einem anderen virtuellen Desktop. Ein paar Komfortfunktionen erleichtern die Arbeit. Beim Snap-Modus an einer Seite zeigt Windows etwa einen stärker grau unterlegten Bereich an, in dem dann die Anwendung positioniert wird. Zudem schalten die anderen Anwendungen praktischerweise in den Task View auf der anderen Seite. Der Anwender sieht also auch Anwendungen, die unter Windows 7 noch vedeckt blieben.

Der Task View, der Apps und Programme übersichtlich verkleinert, ist damit etwas mächtiger als etwa Apples Exposé, das einen stärker unterbrechenden Charakter hat. Für Microsofts Task View empfiehlt sich eine hohe Auflösung. Das Elitebook Revolve bietet als maximale Auflösung nur 1.366 x 768 Pixel. Das ist sehr knapp bemessen. 1.600 x 900 Pixel sollten es unserer Meinung nach bei einem Notebook mit Windows 10 schon sein.

Task View wird übrigens auf zweierlei Art und Weise aufgerufen. Per Alt-Tab ist das allgemein bekannte Durchschalten zu sehen, inklusive einer Voransicht der Fenster. Per Windows-Tab bleibt der Task View hingegen auf dem Bildschirm, bis ein Fenster ausgewählt wird. Zudem ist dann auch eine Auswahl virtueller Desktops zu sehen.

Kleinigkeiten und eine Preview, die noch nicht alles zeigt

Da es sich um eine Vorschau handelt, bietet Windows 10 auch viele kleine Neuerungen. Doch eben jene sind potenzielle Wackelkandidaten, die es vielleicht nicht in die finale Version schaffen oder noch überarbeitet werden. Dazu gehören etwa der Explorer und seine Ribbon-Ansicht. Das Hinzufügen von Ordnern zu Favoriten wurde durch eine eigene Schaltfläche vereinfacht. Neu ist zudem ein Home-Bereich im Explorer ganz oben in der Seitenleiste. Hier finden sich häufig genutzte Ordner und Dateien sowie die Favoriten auf einen Blick.

Die Icons sind zum Teil neu erstellt worden und sind nun platt. Das gilt auch für das Design der Sprunglisten in der Taskleiste, aber nicht für alle Icons: Viele alte Bildchen haben noch eine 3D-Erscheinung von alten Windows-Versionen. Interessant ist zudem, dass in der Taskleiste ein eigenes Icon für Task View vorhanden ist. Wer die neue Bedeutung der Tastenkombination Windows+Tab nicht kennt, kann trotzdem schnell in eine Übersicht wechseln.

Auch für die virtuellen Desktops gibt es neue Tastenkombinationen. Windows+Strg+D erzeugt einen neuen Desktop. Dann werden geöffnete Programme in der Taskleiste durch einen Strich unterhalb des Taskicons angedeutet. Wer statt der D-Taste die Pfeiltasten verwendet, wechselt direkt zwischen den virtuellen Desktops. Es fehlt derzeit noch eine Visualisierung, die andeutet, in welchem Desktop sich der Anwender befindet. Das ist nur über Windows-Tab ersichtlich. Windows+Strg+F4 schließt einen Desktop.

Virtueller Desktop wirkt noch unfertig

Leider lässt sich im Moment beispielsweise nicht per Drag-and-Drop ein Fenster eines Programmes zwischen den virtuellen Desktops verschieben. Die Bedienung ist derzeit noch etwas anstrengend, auch weil diverse Kontextmenüs fehlen, die wir erwarteten. Das Kontextmenü eines offenen Programms bietet beispielsweise keinerlei Kommandos für virtuelle Desktops. Dafür gibt es in Task View aber ein Kontextmenü zur Bewegung von Programmen und Apps zwischen Desktops. Wir hoffen, dass sich das bis zur finalen Version noch ändert und der Anwender ein Programm oder eine App einfacher in andere Desktops bewegen kann.

Die Ecken- und Seitennavigation hat Microsoft nach derzeitigem Stand mit Windows 10 aufgegeben. Selbst der Eintrag in den PC-Einstellungen fehlt komplett. Es gibt aber noch Reste in den Eigenschaften der Taskleiste. Hier fehlt zudem der Eintrag für Sprunglisten. Das kann aber auch ein Fehler sein.

Wie bereits erwähnt, bleibt die Charms-Leiste erhalten, ist aber nur per Windows+C oder Wischgeste sichtbar, und das auch nicht immer. Als Nutzer eines Pointing Stick freut uns, dass die Eckennavigation verschwunden ist. Unter Windows 8 neigen wir noch immer dazu, beim schnellen Schieben des Mauszeigers versehentlich die Eckennavigation zu aktivieren. Das passiert uns bei der Nutzung einer Maus oder eines Touchpads nicht so häufig. Für Anwender eines Digitizer-Stifts ist die alte Eckennavigation oft unbrauchbar, da die Digitizer technisch bedingt gerade in den Ecken nicht besonders präzise sind.

Andere große Neuerungen sind uns nicht aufgefallen. Das war aber auch nicht Zweck der Untersuchung der Technical Preview. Vieles zeigt sich noch im alten Gewand. So gibt es weiterhin zwei Systemsteuerungen, zwischen denen der Nutzer je nach Situation wechseln muss. Und die alte Systemsteuerung ist weiterhin nicht auf eine Finger-Bedienung hin optimiert, obwohl der Platz durchaus da wäre. Am Startmenü erkennen wir aber bereits eine unterschiedliche Handhabung. Ein Kontextklick per Maus liefert ein kleines Menü. Per Finger ausgelöst, wird das Kontextmenü deutlich größer angezeigt. Ob es hier grundlegende Neuerungen geben wird, wissen wir erst im Jahr 2015.

Fast alle Neuerungen, die wir entdeckt haben, sind kleine Veränderungen in Richtung besserer Benutzbarkeit. Und das auch an Stellen, die Microsoft jahrelang ignoriert hat. Dazu gehört auch die Funktion, Text per Strg+V in die Kommandozeile einzufügen. Das wird bei so manchem Fan der Tastatureingabe Freude auslösen. Die Funktion ist jedoch als experimentell eingestuft und muss erst aktiviert werden. Die Kommandozeile lässt sich darüber hinaus transparent schalten. Das kann durchaus praktisch sein, wenn man auf begrenztem Platz im Hintergrund etwa noch eine Hilfe-Webseite offen hat. Der hohe Kontrast der Kommandozeile ermöglicht das Arbeiten übereinander.

Alles in allem zeigt sich, dass es Microsoft mit der Technical Preview vor allem um Firmenumgebungen geht und dass Unternehmen Rückmeldungen geben sollen. Das heißt aber auch, dass Neuerungen für Tablet-Nutzer noch komplett fehlen dürften. Microsoft versicherte uns noch einmal, dass diese Vorschauversion nur für den Unternehmenseinsatz einen Ausblick geben soll. Trotzdem zeigt unsere Installation auf einem Convertible, dass ein Tablet auch durchaus mit der Technical Preview funktioniert. Der Anwender sollte jedoch gewillt sein, Fehler hinzunehmen. Unserer kurzen Erfahrung nach treten sie gerade bei der Verwendung mit dem Tablet auf.

Verfügbarkeit von Windows 10 und Fazit

Bisher existiert von Windows 10 für die Öffentlichkeit nur die Technical Preview. Dafür ist eine Registrierung als Windows Insider nötig. Sie kann derzeit nur auf x86-Systemen installiert und maximal bis zum 15. April 2015 genutzt werden. Außerdem sollte beachtet werden, dass Microsoft die Testversion und deren Nutzung sehr intensiv beobachten kann. Die Installation ist nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll, da es sich um Entwicklungscode handelt. Zur Verfügung steht zudem auch der Windows 10 Server in einer Vorschau, den wir hier allerdings nicht betrachtet haben. Wann die finale Version auf den Markt kommen wird, ist derzeit unbekannt. Tendenziell wird Microsoft wohl die Mitte des Jahres 2015 anpeilen. Das wäre rund drei Jahre nach der Vorstellung von Windows 8.

Fazit

Unumstritten ist bereits jetzt, in einer frühen Phase des Testens, zu sehen, dass Microsoft vergrätzte Firmenkunden zurückgewinnen will. Die wollten nämlich keine Touchscreen-Oberfläche und wurden mit Windows 8.1 auch nicht zufrieden gestellt. Sie wollen die Kosten für Weiterbildung und Support gering halten und das bot Windows 8.x bisher nicht allen Unternehmen. Gemäß dem, was wir bisher sehen, ist Windows 10 ein richtiger Schritt.

Trotz des Vorschaucharakters der jetzigen Windows-10-Version gefällt uns das neue Startmenü bereits sehr gut. Es wirkt durchdacht und ist nicht einfach eine Kombination aus Windows 7 und Windows 8. Kleine Änderungen wirken zusätzlich zu dem positiven Eindruck: Dazu gehört beispielsweise die einfache Veränderung der Größe des Startmenüs sowie das Beibehalten des Live-Prinzips. Diese Live-Kacheln im Startmenü haben das Potenzial, ein Ersatz für die verloren gegangenen Gadgets von Windows Vista und 7 zu sein - ohne aufgesetzt zu wirken.

Momentan sind die Änderungen in der Technical Preview aber noch marginal. Vieles lässt sich noch nicht betrachten, weil es noch nicht fertig oder noch fehlerhaft ist. Allerdings ist die Technical Preview unserem Empfinden nach erstaunlich stabil. Die Installation von Windows-8-Treibern war kein Problem. Abstürze haben wir gar nicht erlebt. Nur die Geschwindigkeit leidet etwas unter dem Betacode. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Die jetzige Preview ist noch keine Testphase hin zum finalen Produkt.

Microsoft will für Endkunden und damit auch für Tabletnutzer erst Anfang 2015 eine Vorschau bereitstellen, die dann möglicherweise alle Neuerungen enthält. Wenn Microsoft die Richtung beibehält, hat Windows 10 das Potenzial, beide Nutzergruppen - Touchscreen- wie Tastaturnutzer - zufriedenzustellen. So weit ist es aber noch nicht.  (ase)


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