Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-alien-isolation-system-shock-und-saeuremonster-1410-109607.html    Veröffentlicht: 03.10.2014 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/109607

Test Alien Isolation

System Shock und Säuremonster

Hochspannung vom Feinsten, stimmungsvolle Grafik und eine einfache, aber gut erzählte Handlung machen Alien Isolation zum besten Spiel mit dem original Alien-Monster seit langem.

"Hallo, ist da wer?" Mit zittriger Stimme stellt Amanda Ripley kurz nach dem Start von Alien Isolation diese Frage in einer großen, leeren Halle der Raumstation Sevastopol. Uns hat die Äußerung gerührt - denn sie bringt auf den Punkt, dass Amanda ganz allein unterwegs ist und fürchterliche Angst hat. Außerdem wissen wir als Spieler ja sogar ein bisschen mehr als sie zu diesem Zeitpunkt der Handlung: Amanda hat noch keine Ahnung, dass sich irgendwo in ihrer Nähe ein gnadenloses Monster mit Heißhunger, messerscharfen Zähnen und langen Krallen befindet.

In Alien Isolation sind wir als Amanda auf der Raumstation unterwegs. Amanda ist die Tochter von Ellen Ripley aus den Filmen. Das Spiel ist nach dem ersten Film der Reihe angesiedelt. Die Handlung dreht sich darum, als Amanda erst einmal herauszufinden, was genau auf der Sevastopol los ist - und dann zu überleben.

Ein bisschen hat uns das Szenario an den Klassiker System Shock erinnert. Zum einen sind wir nun ebenfalls in einer riesigen Station unterwegs und erfahren erst nach und nach, was genau vor sich geht. Zum anderen greift Alien Isolation zu ähnlichen Erzählmitteln: Vieles über die Vorgänge bis zu unserem Eintreffen erfahren wir durch Audioaufzeichnungen und E-Mails auf den herumstehenden Computern.

Im Verlauf der Handlung haben wir es natürlich nicht nur mit dem Alien zu tun, sondern auch mit Menschen und Androiden. Einige helfen uns, die meisten sehen uns aber als Gefahr und wollen uns töten, weswegen es im Spielverlauf dann auch zu einigen Gefechten kommt. Wir schalten Gegner etwa mit dem Revolver aus - oder verstecken uns und hoffen, dass sie dem Alien in die langen Arme laufen.

Gegen diesen größten Feind können wir mit unserem Kriegsgerät selbst auch nichts ausrichten. In den meisten Fällen müssen wir uns bei Begegnungen mit dem geschätzt rund drei Meter großen Alien schlicht verstecken und notfalls versuchen, uns hinter Schleusen oder ähnlich sichere Hindernisse zu retten. In Kämpfen ziehen wir selbst im niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade den Kürzeren.

Stattdessen schleichen wir sehr viel und verkriechen uns unter Tischen oder in Schränken - auf Knopfdruck halten wir dann sogar für ein paar Sekunden den Atem an, bis das Säuremonster mit seinen schnüffelnden Nüstern weitergezogen ist. Trotz aller Vorsicht sind häufige Bildschirmtode fast nicht zu vermeiden - der Spielfortschritt wird aber nur an bestimmten Stellen gesichert, so dass gelegentlich auch mal etwas längere Abschnitte zu wiederholen sind.

Immerhin haben die Entwickler spürbar viel Wert darauf gelegt, dass sich das Alien bei jedem Versuch etwas anders Wege geht. Es bringt also nicht allzu viel, die schwierigen Passagen auswendig zu lernen - stattdessen müssen wir immer ganz bei der Sache sein und schnell reagieren.

Wohnzimmerlärm und Fazit

Übrigens hängt es generell stark von unserer Vorgehensweise ab, wie oft wir dem Alien begegnen. Wer viel schleicht und ständig auf seinen Bewegungsmelder achtet, kann die Anzahl der unfreiwilligen Treffen spürbar senken. Übrigens: Wer seine Konsole an eine Kamera oder an Kinect angeschlossen hat und eine entsprechende Option im Spiel aktiviert, kann das Biest sogar durch den Lärm oder helle Lichter in seinem Wohnzimmer anlocken. Von der Vorgehensweise hängt auch die Spieldauer ab: Nach Angaben des Entwicklerstudios Creative Assembly sind Spieler maximal rund 15 Stunden mit der Kampagne beschäftigt.

In den Gängen der Sevastopol ist trotz der guten zuschaltbaren Karte ein wenig Orientierungssinn wichtig, denn die Station ist ziemlich verschaltelt und viele Gänge ähneln sich. Wenn wir uns dort mal nicht vor dem Säuremonster verstecken oder den Weg suchen, müssen wir uns auch um unsere Vorräte kümmern. Alien Isolation enthält ein einfaches Crafting-System, mit dem wir herumliegende Gegenstände in Medizin, Rauchgranaten oder Fackeln verwandeln können.

Das Spiel basiert auf einer Engine, die Creative Assembly selbst programmiert hat. Offensichtlich eine gute Idee, denn Alien Isolation sieht teilweise richtig gut aus. Es gibt einige extrem detailreiche Umgebungen, etwa Gänge mit feinen Gittern, vereisten Hightech-Rohren, waberndem Wasserdampf und weiteren Extras, durch die dann auch noch farbige Lichtstrahlen perspektivisch korrekt fallen - ein schicker Effekt, den die Entwickler immer wieder einsetzen. Offenbar profitiert das Programm auch davon, dass wir die meiste Zeit alleine unterwegs sind und so fast alle Systemressourcen für die Umgebungsdarstellung bereit stehen.

Alien Isolation erscheint für Xbox 360 und One, Playstation 3 und 4 sowie für Windows-PC. Zum Test lag Golem.de nur die PS4-Fassung vor. Die Preise liegen je nach Plattform und Händler bei 50 bis 70 Euro - bei Steam ist die PC-Downloadversion zum Beispiel deutlich günstiger als bei größeren Onlineversendern. Neben einer Standardausgabe gibt es auch Spezialeditionen mit Bonusmissionen und weiteren Extras. Hierzulande erscheint das Spiel vollständig lokalisiert mit überwiegend guter deutscher Sprachausgabe und ohne inhaltliche Änderungen gegenüber der Originalfassung. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Gut, dass wir Alien Isolation nicht mit Oculus Rift spielen können - wir sind nicht ganz sicher, ob unsere Herzkranzgefäße dem Programm bei noch größerem Eintauchfaktor gewachsen wären. Ernsthaft: Das jüngste Werk von Creative Assembly gehört zum Spannendsten, was wir in letzter Zeit gespielt haben. Creative Assembly hat nämlich darauf geachtet, das riesige Raumschiff Sevastopol als glaubwürdige Welt in Szene zu setzen. Und dann neben Menschen und Cyborgs eben auch ein wirklich furchterregendes Monster auf uns und die anderen Figuren loszulassen. Es gibt mehr als nur ein paar Momente, in denen wir nur ganz langsam vorangekrochen sind - und uns dann trotzdem tüchtig erschrocken haben, wenn es plötzlich zum Angriff kam.

Nach dem Einstieg dauerte es uns zwar etwas zu lange, bis es richtig dramatisch wird, und die Kämpfe haben wir - soweit möglich - versucht zu vermeiden, weil sie uns nicht so richtig Spaß gemacht haben. Aber von diesen Kritikpunkten abgesehen, ist Alien Isolation das beste Alien-Spiel seit sehr langer Zeit. Kompliment auch an die Programmierer und Leveldesigner von Creative Assembly, die teils beeindruckend schöne Umgebungen mit tollen Lichteffekten auf Basis ihrer hauseigenen Engine gezaubert haben.  (ps)


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