Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mediatek-neues-entwicklerboard-mit-echtzeit-betriebssystem-1409-109410.html    Veröffentlicht: 24.09.2014 08:31    Kurz-URL: https://glm.io/109410

Mediatek

Neues Entwicklerboard mit Echtzeit-Betriebssystem

Das Entwicklerboard Linkit One im Arduino-Look basiert auf dem SoC Aster von Mediatek und bietet Wifi, GSM und GPS. Darauf läuft das echtzeitfähige Betriebssystem Linkit.

Das 84 x 53 mm große "LinkIt ONE" dient als Entwicklerboard für den Mediatek SoC MT2502A ("Aster"). Das System-on-a-Chip (SoC) basiert auf einem ARM7-Design, getaktet auf 260 MHz, ergänzt unter anderem um ein Bluetooth 4.0/LE- sowie ein Sender-/Empfängermodul für GSM/GPRS, Audio-Eingabe wie auch -Ausgabe, einen UKW-Empfänger mit RDS-Auswertung und eine LCD-Ansteuerung.

Dem SoC stehen auf dem Board 4 MByte RAM zur Verfügung, das Betriebssystem befindet sich in einem 16 MByte großen Flash-Speicher. Den GPS-Empfang und Wifi-Betrieb (802.11n, 2.4 GHz) wickeln ebenfalls Chips von Mediatek ab. Ein Kombi-Slot nimmt die SIM-Karte für die GSM-Funktion auf, aber auch eine SD-Karte. Über eine 4-polige Buchse kann ein Headset angeschlossen werden. Die Programmierung erfolgt über den Micro-USB-Anschluss. Darüber kann das Board auch mit Strom versorgt werden - oder über eine ladefähige Buchse für LiPo-Akkus (3,7 - 4,2 Volt). Praktischerweise kann zwischen den beiden Stromeingängen per Mini-Schalter umgeschaltet werden. Für die funkbasierten Techniken GPS, Wifi/Bluetooth und GSM kann je eine externe Antenne angeschlossen werden. Außerdem gibt es zwei Grove-Anschlüsse.



GPIO-Pins, Analogeingänge und Bussysteme, je einmal SPI und I2C, können über Pin-Reihen im Arduino-Layout benutzt werden. Was nicht unproblematisch ist, besonders kompatibel ist das Board nämlich nicht: Zwar gibt es 13 digitale Ausgänge, aber nur zwei davon beherrschen PWM und es gibt nur drei Analogeingänge. Die übrigen drei vermeintlichen "Analog"-Eingänge auf dem Linkit One werden anderweitig benutzt oder sind gar nicht erst belegt. Praktisch dürften nur Arduino-Shields funktionieren, die lediglich die SPI- beziehungsweise I2C-Pins sowie die Stromversorgung nutzen und die übrigen Anschlüsse nur durchleiten.

Weitere Schwachstellen (vor allem im Vergleich zum Arduino Uno) beschreibt Mediatek in der Entwicklerdokumention: Sie empfiehlt unter anderem, die digitalen Ausgänge nur zur Signal- und Schaltungszwecken zu nutzen, da sie nicht genug Strom bereitstellen, um Stromverbraucher wie LEDs oder Relais direkt zu versorgen - laut Dokumentation sind es gerade einmal 3 mA pro Pin. Richtig merkwürdig wird es bei SPI und dem SD-Karten-Slot: Diese können nicht gleichzeitig genutzt werden, per Minischalter muss der Entwickler zwischen einem von beiden wählen. Ein wenig ärgerlich sind diese Einschränkungen auch, da durch Implementierung der GPIO-Pins auf die Nutzung der LCD-Ansteuerung des SoCs verzichtet werden muss.

Zum Strombedarf des Boards gibt es leider keine Angaben.



Linkit SDK für die Arduino IDE

Mediatek stellt ein SDK zur Verfügung, das sich in die Arduino IDE einklinkt und darüber die Programmierung des Boards ermöglicht. Durch entsprechende APIs lassen sich bereits wesentliche Funktionen des Boards nutzen. So können mit wenigen Zeilen Code SMS per GSM verschickt und empfangen werden - oder ein Mini-Webserver, über den die aktuelle Position erfragt werden kann. Genauso gilt das für das Abspielen von MP3-Dateien oder der Aufbau einer seriellen Übertragung per Bluetooth.

Echtzeitfähig dank Nucleus RTOS

Die APIs des SDKs setzen auf Linkit auf - ein Betriebsystem auf Basis des echtzeitfähigen Kernels von Nucleus RTOS. Wer keine Arduino-Sketches und -Frameworks nutzen, sondern direkt Programm und Treiber für Linkit OS schreiben will, muss sich noch gedulden. Ein SDK auf Eclipse-Basis und entsprechende Dokumentation ist dafür bislang nur angekündigt.

Durch das Betriebssystem sind für den Entwickler RAM und Flash-Speicher aber nur noch eingeschränkt nutzbar: Effektiv stehen ihm nur noch 2 MByte RAM und 10 MByte Flash-Speicher zur Verfügung.

Preis und Verfügbarkeit

Das Linkit One wurde von Mediatek in Kooperation mit Seeedstudio produziert und kostet dort 79 Dollar bzw. 61,50 Euro, aktuell ist es allerdings ausverkauft. In Deutschland gibt es das Board zum Beispiel bei Exptech für 79 Euro. Das SDK steht bei Mediatek zum Download bereit.

Hinweis: In der ursprünglichen Entwicklungsversion hatte der Linkit One statt eines Batterieanschlusses eine Buchse für Niedervolt-Netzteile und unterstützte bis zu 50 mA pro GPIO-Pin. Einige ältere Beschreibungen im Internet und Spezifikationen in Webshops beschreiben noch diese Version, die aber nie in den Handel kam.  (am)


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