Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/streaming-box-im-kurztest-fire-tv-laeuft-jetzt-mit-deutschen-amazon-konten-1409-109320.html    Veröffentlicht: 18.09.2014 09:30    Kurz-URL: https://glm.io/109320

Streaming-Box im Kurztest

Fire TV läuft jetzt mit deutschen Amazon-Konten

Seit dem Morgen des 18. September 2014 lässt sich auf einem aus den USA importierten Fire TV eine neue Firmware installieren, die dem Gerät Deutsch beibringt. Damit laufen nun alle Funktionen von Amazon Prime, nicht aber Netflix - und lieferbar ist die Set-Top-Box immer noch nicht.

Mindestens seit dem Morgen des 18. September 2014 installiert sich auch auf einem US-Fire TV in Deutschland eine neue Firmware, die das Gerät mit deutschen Amazon-Konten voll nutzbar macht. Golem.de hatte seit der Vorstellung des Streaming-Clients am 3. September immer wieder versucht, das Update manuell anzustoßen, bis zum Abend des 17. September 2014 klappte das aber nicht. Dabei verwendeten wir ein aus den USA importiertes Gerät der ersten Serie.

Nun steht aber fest, dass sich auch diese Fire TVs mit deutschen Accounts voll nutzen lassen. Nach der Installation der neuen Firmware, die rund 5 Minuten dauerte und zwei Neustarts erforderte, ließ sich nicht nur die Sprache auf Deutsch umstellen. Das Gerät bot dann auch Zugriff auf Prime Instant Video, alle von anderen Clients mit demselben Konto zuvor genutzten Videos ließen sich auch mit dem Fire TV aufrufen.

Zuvor hatte die Streaming-Box stets das Angebot des US-Dienstes gezeigt und das Abspielen verweigert. Mittels eines US-Accounts und einer IP-Umleitung war ein Fire TV aus den Vereinigten Staaten zuvor auch in Deutschland schon nutzbar, nun klappt der Betrieb aber auch ohne solche Eingriffe. Bemerkenswert ist allerdings, dass die App für Netflix, die in der US-Version noch angezeigt wurde - sich aber nicht installieren ließ -, nun auf unserem deutschen Fire TV nicht mehr angezeigt wird. Ebenso bietet das Fire TV ab Werk weiterhin keinen Zugriff auf DLNA-Server im Heimnetz, was Kritiker als einen der größten Schwachpunkte des Geräts ansehen. Das lässt sich aber über Apps wie Plex nachrüsten, dieses Programm ist auch für das deutsche Gerät verfügbar und kostet derzeit 3,64 Euro.

Neben dem Zugriff auf Prime-Inhalte und dem Leihen oder Kaufen von Videos, die nicht im Abo enthalten sind, gibt es auch die ersten Apps für andere deutsche Dienste. Das Fire TV bietet unter anderem Anwendungen für die Mediatheken von ARD und ZDF sowie Spiegel TV an. Das Starten der Apps sowie der Aufruf von Sendungen, was wir am Beispiel der ARD ausprobiert haben, klappt viel schneller als auf SmartTVs und Sat-Receivern mittels Hbbtv. In HD lassen sich die öffentlich-rechtlichen Produktionen aber auch auf dem Amazon-Gerät nicht ansehen.

Diese Apps hatte uns die Box auch in der US-Version schon angeboten, ebenso war in den vergangenen Wochen auch der Zugriff auf bei Amazon gekaufte Musik möglich. Paradoxerweise zeigte uns das Fire TV aber keine der Videos an, die wir mit dem deutschen Account erworben hatten. Eine mögliche Erklärung lieferte ein Blick in die Einstellungen des Fire TV nach dem Update: Dort zeigt das Gerät an, dass die neue Firmware in Version 51.1.3.0 bereits am 5. September 2014 installiert gewesen sein soll. Das war bei unserer Box aber nicht der Fall, es scheint, als habe Amazon das Update erst nach und nach ausgeliefert und Funktionen freigeschaltet.



Noch immer nicht lieferbar

Dafür spricht, dass wir am Tag vor der Aktualisierung gekaufte Videos mit der Box abspielen konnten, aber weiterhin keinen Zugriff auf die Abo-Filme von Prime Instant hatten. Offenbar hatte Amazon Schwierigkeiten, zwischen den in den USA und in Deutschland verfügbaren Inhalten zu unterscheiden. In den beiden Ländern liegen die Lizenzen für die Filme und Serien nicht immer für den gleichen Zeitraum vor, was auch bei anderen VoD-Anbietern der Fall ist.

Neben den Bibliotheken hat Amazon unseren kurzen Versuchen nach zu urteilen auch die Sprachsuche an deutsche Inhalte angepasst. Auch deutsche Produktionen wie die Serie Pastewka und das Kunstwort Grüffelo ließen sich beim ersten Versuch finden. Mit englischsprachigen Inhalten wie der Serie 2 Broke Girls oder dem Endzeit-Klassiker Quiet Earth funktionierte das - da beides in Deutschland verfügbar ist - ebenso.

Wie die US-Version gibt auch unser nun deutsches Fire TV in den Werkseinstellungen das Bild in Full-HD mit vollem HDMI-Farbraum von 4:4:4 (RGB) aus. Im Gegensatz zu hochwertigen Blu-ray-Playern und der PS3 bleibt die Farbtiefe aber auf 8 statt 12 Bit pro Kanal begrenzt. Als Tonformat dient Dolby Digital Plus, je nach Inhalt werden dabei bis zu 5.1 Kanäle genutzt. Im Gegensatz zu manchen anderen Geräten der Klasse gibt es auch einen optischen Digitalausgang, damit kann der Mehrkanalton auch mit einem älteren Receiver ohne HDMI-Eingang genutzt werden.

Von all dem haben deutsche Kunden, wenn sie ihr Fire TV nicht aus den USA importieren, aber auf absehbare Zeit wenig: Die Box ist immer noch nicht lieferbar. Golem.de hatte am turbulenten Erstverkaufstag, dem 3. September 2014, ein Exemplar zum Einführungspreis von 49 Euro bestellt. Bis zum 17. September zeigte die Liste der offenen Bestellungen bei Amazon keinen Liefertermin an, nun wird dort der 25. September angegeben. Bereits drei Tage nach dem eigentlichen Verkaufsstart gab das Unternehmen an, dass dann bestellte Fire TV erst im Januar 2015 zugestellt werden können. Vorher aufgegebene Bestellungen sollen in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet werden. Nun ist immerhin zu hoffen, dass die ersten deutschen Kunden ihr Gerät noch im September 2014 erhalten werden - die Software ist jedenfalls dafür bereit.

Nachtrag vom 20. September 2014, 13:55 Uhr

Netflix wird auf den ersten deutschen Fire TV offenbar nicht vorinstalliert sein, aber bald nachgeliefert werden. Hintergründe finden sich in einer aktuellen Meldung.  (nie)


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