Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/satoshi-nakamoto-wikileaks-sollte-auf-bitcoin-verzichten-1409-109310.html    Veröffentlicht: 17.09.2014 15:56    Kurz-URL: https://glm.io/109310

Satoshi Nakamoto

Wikileaks sollte auf Bitcoin verzichten

In einer Fragerunde auf Reddit und in seinem neuen Buch berichtet Julian Assange, dass der geheimnisvolle Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto gebeten habe, Bitcoin zunächst nicht als Zahlungsmittel für Wikileaks zu verwenden. So habe die noch junge Kryptowährung geschützt werden sollen.

Weil Wikileaks nach und nach von Zahlungsdienstleistern wie Paypal, Visa und Mastercard boykottiert worden ist, hat Julian Assange, der Gründer der Whistleblower-Plattform, erwogen, Bitcoin als Zahlungsmittel einzusetzen. Wikileaks sei jedoch von dem unbekannten Erfinder der virtuellen Währung gebeten worden, auf Bitcoin zu verzichten. Denn Satoshi Nakamoto habe gefürchtet, die noch junge Kryptowährung könnte dadurch gefährdet werden.

Nach der Veröffentlichung tausender diplomatischer Depeschen im Herbst 2010 hatten mehrere Banken und Kreditinstitute aufgehört, Spenden an die Whistleblower-Plattform abzuwickeln. Wikileaks drohte die Pleite. Deshalb schlug ein Mitglied des Bitcoin-Forums vor, bei Wikileaks die Zahlungen mit Bitcoin zu ermöglichen. Die virtuelle Währung war Anfang 2009 von Satoshi Nakamoto und anderen Entwicklern präsentiert worden und war als Währung mit einer kleinen Community noch weitgehend unbekannt.

Angst vor dem Wespennest

Nakamoto habe den Fortbestand der Kryptowährung gefährdet gesehen, wenn sie mit Wikileaks in Verbindung gebracht worden wäre. Das behauptet zumindest Julian Assange in seinem neuen Buch und in Ausführungen bei Reddit. Nakamoto habe befürchtet, Regierungen und Behörden könnten gegen Bitcoin vorgehen. "Das Projekt sollte langsam wachsen, damit auch die dazugehörige Software mitreifen kann", schreibt Nakamoto in einem seiner letzten Beiträge im Forum. "Daher appelliere ich an Wikileaks, Bitcoin nicht einzusetzen."

Bitcoin sei noch eine kleine Gemeinschaft, und Wikileaks nähme ohnehin nicht mehr als ein Taschengeld damit ein. Die Aufruhr, die damit verursacht würde, könnte Bitcoin zerstören, schreibt Nakamoto weiter. Es wäre gut, Bitcoin würde Aufmerksamkeit in einem anderen Kontext erhalten. Wikileaks habe in ein Wespennest gestochen und der Wespenschwarm würde jetzt auf Bitcoin zufliegen, schreibt er in einem letzten Posting. Sechs Tage später verschwand Nakamoto aus dem Forum und hat sich seitdem nur noch selten gemeldet, erstmals, nachdem er im März 2014 angeblich enttarnt worden sein soll.

Wikileaks verzichtete tatsächlich auf Spenden über Bitcoin, bis die Kryptowährung Mitte Juni 2011 einen ersten großen Aufschwung erlebte. Seitdem hat die Whistleblower-Plattform etwa 4.000 Bitcoin erhalten, beim gegenwärtigen Wechselkurs sind das ungefähr 1,4 Millionen Euro.  (jt)


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