Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/c680-six-output-erste-matrox-karten-mit-amd-gpu-kommen-1409-109226.html    Veröffentlicht: 13.09.2014 11:39    Kurz-URL: https://glm.io/109226

C680 Six Output

Erste Matrox-Grafikkarten mit AMD-GPU kommen

Mit den Grafikkarten C420 und C680 kommen bei Matrox nicht mehr die eigenen GPUs zum Einsatz. Für die professionellen Grafikkarten werden stattdessen AMDs Grafikchips verwendet. Noch vor einem Jahrzehnt hat Matrox Großes vorgehabt, wie unser kurzer Rückblick auf Matrox' alten Parhelia-Chip zeigt.

Matrox wechselt mit neuen Grafikkarten auf AMD-GPUs. Die ersten beiden Grafikkarten sind die Modelle C420 und C680. Erstere schafft es, vier Monitore per Mini-Displayport anzusteuern und schickt vier separate Audio-Streams an die Monitore. Die maximale Auflösung darf 2.560 x 1.600 nicht überschreiten, sofern die Verbindung komplett über Displayport oder Dual-Link-DVI-D erfolgt. Single-Link-DVI-D und HDMI sind nur bis 1.920 x 1.200 möglich.

Die C680-Grafikkarte beherrscht mehr: Sie kann sechs Displays ansteuern und 4.096 x 2.160 Pixel ansprechen, bei sechs Displays aber nur mit 30 Hz. Mit 60 Hz können nur drei Displays angesteuert werden. In beiden Fällen ist Displayport Pflicht. Über Single- und Dual-Link-DVI-D sowie HDMI sind die Möglichkeiten je Port identisch mit der C420, allerdings sind zwei Monitore extra ansprechbar. Mit zwei C680-Grafikkarten können bis zu 12 Monitore angesteuert und zentral verwaltet werden. Zudem ist es dann möglich, die Refresh-Rate und damit die Monitorgruppen zueinander zu synchronisieren. Dafür bietet Matrox optional ein "Board-to-Board Framelock Cable" an.

Keine spieltaugliche GPU

Aus den Spezifikationen der C420 und C680 geht leider nicht hervor, welche GPU zum Einsatz kommt. Matrox nennt diese nur eine AMD-kompatible GPU. Technisch arbeitet diese immerhin mit GDDR5 zusammen und kann auf 2 GByte Speicher zugreifen. Angaben zur Breite des Speicherinterfaces gibt es aber in der Ankündigung. Matrox gibt 128 Bit an. Es dürfte sich anhand anderer Daten um eine Cape-Verde-GPU handeln (1,5 Mio Transistoren, 28 nm). OpenCL 1.2 für die Auslagerung von Nicht-Grafik-Berechnungen wird genauso unterstützt wir OpenGL 4.4 und DirectX11.2. Für die Anbindung sorgt der PCIe-3.0-Schacht. Die Karte verwendet 16 Lanes.

Die Kühlkörper sind eher dezent. Die C420 wird passiv gekühlt und eignet sich auch für Low-Profile-Slots im Rechner, die C680 wird aktiv gekühlt und braucht die volle Bauhöhe. Die Grafikkarten unterscheiden sich in den Spezifikationen nicht nur in der Anzahl der Mini-Displayports: Die C680 beherrscht etwa MST als Teil von Displayport 1.2. Mit einem DP-Hub, der auch im Monitor stecken kann, lassen sich also pro Ausgang mehrere Monitore betreiben. Das vereinfacht die Verkabelung bei einer Videowand. Nicht eindeutig ist, ob dann mehr als 6 Monitore ansteuerbar sind. Matrox erwähnt dies nicht explizit und verweist nur auf Limitierungen durch die Auflösung. Per Displayport-Daisy-Chaining können bis zu 63 Monitore angesteuert werden. Die C420 unterstützt nur Displayport 1.1. Hier muss also von jedem Monitor ein Kabel zur Grafikkarte geführt werden.

Komplexe Treiber

Matrox hat nicht nur einfach AMD-GPUs verbaut, sondern legt auch Software für die Ansteuerung bei. Wie aus dem PDF-Datenblatt hervorgeht werden unterschiedliche Displaymodi unterstützt. Die Monitore können in einzelne Flächen zusammengefasst werden oder auch selbst noch in unterschiedliche Flächen aufgeteilt werden. Das ist vor allem für den Digital-Signage-Markt interessant. Zudem gibt es ein Bezel-Management für die Ränder der Displays. Pixelüberlappungen über Monitorgrenzen hinweg sind ebenfalls möglich.

Einen Preis für die Grafikkarten nannte Matrox nicht. Sie sollen ab dem 4. Quartal 2014 verfügbar sein.

Matrox als Konkurrent zu Ati und Nvidia

Matrox gehört zu den Grafikkartenherstellern, die noch immer eigene, selbstentwickelte Chips einsetzen. Doch die letzten großen Neuentwicklungen sind lange her. Die Parhelia-Chips wurden etwa 2003 eingesetzt und 2002 als großer Gegenangriff auf den Markt gebracht. Zu den erklärten Gegnern zählten die Geforce-4-Serie und die Radeon-8000-Serie. Der DirectX-9-Chip war der letzte Versuch, es mit Ati und Nvidia aufzunehmen. Komplett stillgelegt wurde die Entwicklung bei den Kanadiern nicht: 2007 schrumpfte Matrox den Parhelia-Chip von 150 auf 90 Nanometer und senkte damit deutlich die elektrische Leistungsaufnahme.

Doch schon damals war klar: Eine Rückkehr in den Spielemarkt ist nicht geplant. Matrox konzentrierte sich mit seinem Parhelia-Chip auf professionelle Grafiklösungen und konnte durch besonders gute Bildqualität auf dem analogen Kabelweg punkten. Während Ati und Nvidia sich auf Spieler und professionelle Grafikkarten für grafikintensive Workstations konzentrierten, fokussierte sich Matrox auf den Multimonitor-Markt. Lange vor der Konkurrenz setzte Matrox etwa 8 Mini-Displayports auf einer Slotblende der M9188 ein.

Kleiner Anschluss für wenig Platz

Die Firma nutzte geschickt den kleinen Anschluss, der damals noch sehr speziell war und in Macbooks zum Einsatz kam. Große Monitorinstallationen waren kein Problem, nur 3D-Inhalte sollten lieber nicht genutzt werden. Diese Spezialisierung setzte sich fort, unter anderem mit Adaptern, die aus einem Monitorausgang aktiv zwei machen. Das hilft immer dann, wenn beispielsweise eine Grafikkarte kein Daisy-Chaining per Displayport beherrscht.

Matrox hat so seine Nische gefunden. Neben Multimonitor-Grafikkarten hat das Unternehmen auch den Videomarkt im Fokus. Videokarten mit SDI-Anschlüssen sind ebenso im Angebot wie H.264-Encoder-Boxen. Auch im Bereich der Videoüberwachung ist Matrox aktiv.  (ase)


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