Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazons-fire-phone-im-kurztest-ueberzeugendes-bedienkonzept-und-clevere-funktionen-1409-109108.html    Veröffentlicht: 08.09.2014 17:00    Kurz-URL: https://glm.io/109108

Amazons Fire Phone im Kurztest

Überzeugendes Bedienungskonzept und clevere Funktionen

Amazons Fire Phone ist überraschend schnell auch in Deutschland erhältlich: Ab sofort kann das Gerät exklusiv bei der Deutschen Telekom bestellt werden, die Lieferung erfolgt noch im September. Golem.de konnte sich Amazons Smartphone mit 3D-Simulation und Produkterkennung vor dem Start genauer ansehen.

Deutlich schneller als Amazons erstes Kindle-Fire-Tablet kommt das Fire-Phone-Smartphone auch in Deutschland in den Handel: Amazon bietet das Smartphone exklusiv in Kooperation mit der Deutschen Telekom an. Bestellt werden kann es sofort, die Auslieferung erfolgt Ende September 2014.

Golem.de konnte das Fire-Phone-Smartphone bereits vor dem Marktstart ausprobieren. Amazon hat nach eigener Aussage eng mit der Telekom zusammengearbeitet, um alle in den USA angebotenen Dienste auch nach Deutschland zu bringen.

Anders als andere Anbieter setzt Amazon weniger auf topaktuelle Hardware als auf clevere und praktische Softwarelösungen. Diese dienen natürlich auch dazu, das eigene Angebot eng in den Alltag des Nutzers einzubinden - sowohl was das Angebot im Online- und MP3-Shop als auch was das Streaming-Angebot betrifft.

So verwendet Amazon beim Fire-Phone-Smartphone den nicht mehr ganz aktuellen Snapdragon 800 mit vier Kernen und einer Taktrate von 2,2 GHz, der Arbeitsspeicher beträgt 2 GByte. Das Display ist 4,7 Zoll groß und hat eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln - nichts Außergewöhnliches, aber auch nicht schlecht. Bildschirminhalte werden ausreichend scharf dargestellt.

Simulierter 3D-Effekt

Schalten wir das Fire-Phone-Smartphone an, sehen wir eine erste Besonderheit des Smartphones: Der Startbildschirm reagiert auf unsere Bewegungen. Diese Dynamic Perspective genannte Funktion erkennt unser Gesicht dank vier auf der Vorderseite angebrachter Infrarotkameras und passt die dargestellten Elemente so an, dass beim Bewegen des Smartphones ein 3D-Effekt entsteht.

Dieser ist nicht vergleichbar mit dem eines Nintendo 3DS, macht aber durchaus Spaß. Amazon hat die Funktion in der kompletten Menüstruktur des Amazon-Smartphones eingebunden, dementsprechend "wackeln" auch alle App-Icons und Schriften. Störend wirkt das auf uns zu keiner Zeit, schnell haben wir uns daran gewöhnt.

Dynamic Perspective bringt hilfreiche Funktionen

Dynamic Perspective ist allerdings mehr als eine reine Spielerei. In der Kartenanwendung können wir beispielsweise nach Museen suchen, die uns als Punkte auf der Karte angezeigt werden. Diese sind der Übersicht halber noch nicht beschriftet, erst wenn wir das Gerät leicht zur Seite neigen, erscheint die Schrift. Auch bekannte Gebäude werden dreidimensional angezeigt und können per Positionsveränderung des Smartphones oder Kopfes bewegt werden. Bei einigen Spielen kommt die neue Technik auch zum Einsatz.

Auch auf dem Startbildschirm erscheint die Beschriftung der Benachrichtigungsleiste erst, wenn das Smartphone zur Seite gekippt wird. Der Startbildschirm erinnert zunächst an die der Kindle-Fire-Tablets, Amazon hat allerdings einige Erweiterungen vorgenommen, um es bequemer als Telefon zu verwenden. Wie bei den Tablets basiert Fire OS auf Android, das aber stark verändert wurde und nur noch wenig an Googles Betriebssystem erinnert.

Grundsätzlich werden die zuletzt benutzten Apps und Medieninhalte wie bei den Kindle-Fire-Tablets in einem Karussell angezeigt. Neu ist hier eine Art Widget-Funktion: Unter dem Icon werden weitergehende Informationen angezeigt, beispielsweise die Wettervorhersage unter der Wetter-App oder die zuletzt aufgerufenen Seiten unter dem Silk-Browser.

Oberfläche ähnelt der der Kindle-Fire-Tablets

Am unteren Bildrand kann der Nutzer vier häufig genutzte Apps platzieren, die unabhängig vom ausgewählten großen Symbol im Karussell stets auf dem Startbildschirm bleiben. Ein Wisch nach oben bringt den Nutzer zur App-Übersicht. Hier werden wie bei den meisten anderen Android-Systemen alle installierten Anwendungen angezeigt. Wie bei den Kindle-Fire-Tablets kann per Schalter eingestellt werden, ob die auf dem Smartphone installierten Anwendungen oder die in der Cloud gespeicherten Apps angezeigt werden sollen.

Kippt der Nutzer das Fire-Phone-Smartphone nach links, erscheint ein Menü am rechten Rand, das auch per Fingerwisch aufgerufen werden kann. Hier öffnen sich im Startbildschirm ähnlich wie bei Google Now Karten mit dem aktuellen Wetter, kommenden Terminen und neuen E-Mails. Wird das Fire-Phone-Smartphone nach rechts gekippt erscheint ein Menü auf der linken Seite - auch dieses kann per Fingerwisch aufgerufen werden. Hier werden im Startbildschirm die Medien-Kategorien angezeigt, also Filme, Bücher, Apps und weitere.

In einigen Apps können zusätzliche Einstellungen und Informationen ebenfalls über die Kippfunktion eingeblendet werden. Alle Anwendungen werden allerdings nicht unterstützt, Amazon hat die Funktion aber für Entwickler freigegeben - theoretisch kann also jeder interessierte Programmierer die Technik in seine Anwendung einbinden.

Viele Infos dank Firefly

Schütteln wir das Amazon-Smartphone leicht, wird das Benachrichtigungszentrum mit den Schnelleinstellungen eingeblendet. Auch hier muss der Nutzer keine Geste verwenden, sondern kann die Leiste auch einfach mit einem Wisch von oben nach unten einblenden. Eine weitere Gestenfunktion ist das Scrollen durch Kippen oder Kopfbewegungen. Diese Funktion gibt es bereits länger bei Samsung-Geräten, beim Fire-Phone-Smartphone finden wir sie allerdings besser gelungen.

Neben Dynamic Perspective und den damit verbundenen Gesten ist Firefly das zweite hervorstechende Merkmal des Fire-Phone-Smartphones: Mit Hilfe der eingebauten 13-Megapixel-Kamera können neben QR- und Barcodes auch Produkte abgescannt werden. Erkennt das Smartphone diese, erhält der Nutzer Informationen zum Produkt und - wenn möglich - einen direkten Link zur Angebotsseite bei Amazon.

Probleme bei exotischen Produkten

Firefly soll auch in Deutschland sofort zum Start des Fire-Phone-Smartphone funktionieren. Wir konnten die Funktion bereits ausprobieren und mussten feststellen, dass sie bei einigen etwas exotischeren Produkten wie Windeln oder Gewürzen noch nicht funktionierte. Hier muss womöglich erst noch eine umfangreichere Datenbank aufgebaut werden. Problemlos hingegen erkannte Firefly bekanntere Produkte, beispielsweise unterschiedliche Videospiele, eine CD von Helene Fischer, ein Nutella-Glas und Corny-Müsliriegel. Bei Lebensmitteln kann sich der Nutzer gleich die jeweiligen Nährwerte anzeigen lassen und das Produkt in die vorinstallierte Fitness-App eintragen.

Firefly erkennt auch Informationen auf Plakaten: So konnten wir ein Ausstellungsplakat abscannen, bei welchem das Fire-Phone-Smartphone die Internetadresse und die Telefonnummer sofort erkannt hat. Der Nutzer muss sich also keine Notizen mehr machen - alle erkannten Informationen sind in einem Verlauf abrufbar. Interessant ist auch die Möglichkeit, Kunstwerke zu scannen, was bei Bildern bekannter Maler gut funktioniert.

Musik- und Videoerkennung

Musik und Videos erkennt Firefly ebenfalls: Besonders interessant ist dabei die Video-Funktion. Wir haben im Test eine Passage aus The Big Bang Theory auf Deutsch belauscht, woraufhin das Fire-Phone-Smartphone nicht nur die Serie und die Folge erkannte, sondern auch die Szene mit den beteiligten Schauspielern. Zu all diesen Dingen sind anschließend weitergehende Informationen über Wikipedia oder die IMDB (Internet Movie Database) aufrufbar, zudem kann die DVD oder Blu-ray der Serie direkt bei Amazon gekauft werden - falls vorhanden.

Amazon hat die Firefly-Funktion nach eigenen Angaben bereits sehr auf den deutschen Markt zugeschnitten, wovon wir uns in unserem ersten Test überzeugen konnten. Künftig sollen noch weitere Funktionen hinzukommen, beispielsweise eine Übersetzungs- und eine Texterkennungsfunktion.

Schnelle Hilfe mit Mayday

Von einem Amazon-Mitarbeiter wurde uns die seit Juli 2014 in Deutschland verfügbare Mayday-Funktion gezeigt. Die Funktion wurde im vergangenen Monat für die Kindle-Fire-Tablets in Deutschland freigeschaltet. Nutzer können darüber bei Problemen einfach eine entsprechende Mayday-Schaltfläche in den Schnelleinstellungen betätigen und so mit einem Amazon-Mitarbeiter verbunden werden. Dieser kann dann bei technischen Problemen helfen.

Nachdem die Verbindung aufgebaut wurde, sehen wir den Amazon-Mitarbeiter in einem kleinen Fenster am unteren rechten Bildrand. Er selbst kann uns nicht sehen, auf Wunsch aber auf die Oberfläche des Fire-Phone-Smartphones zugreifen. Hier kann der Helfer dann unterstützt von einer Zeichenfunktion Dinge markieren und erklären. Wissen wir beispielsweise nicht, wie wir die Taschenlampe aktivieren, kann er uns dies Schritt für Schritt zeigen und die Lampe per Fernsteuerung sogar anmachen. Ein Telekom-Mitarbeiter erklärte uns, dass der Nutzer bei Provider-spezifischen Problemen direkt an einen Telekom-Mitarbeiter weitergeleitet werden wird. So spart man sich doppeltes Einwählen und Wartezeiten.

Gut strukturierte Oberfläche

Die Benutzeroberfläche des Fire-Phone-Smartphones ist trotz ihres Unterschiedes zu den gewohnten Android-Oberflächen gut strukturiert und lässt sich schnell leicht bedienen. Die Dynamic-Perspective-Funktionen sind manchmal Spielerei, in Verbindung mit den Gesten und Zusatzmenüs an den Bildrändern aber durchaus sinnvoll.

Sehr gut gefallen hat uns die Firefly-Funktion, bei der wir nicht erwartet hätten, dass sie bereits so gut auf den deutschen Markt zugeschnitten ist. Zwar werden exotischere Produkte noch nicht erkannt, viele Dinge des täglichen Gebrauchs aber schon. Sehr praktisch sind die Nachschlagefunktion von Veranstaltungsplakaten und die Videofunktion. Auch der Mayday-Button kann bei Problemen unterschiedlicher Art sicherlich schneller helfen als eine Suche im Internet.

Von der Verarbeitung her macht das Fire Phone einen guten Eindruck. Die Rückseite ist aus Glas, der Rest des Gehäuses aus Kunststoff. Das Smartphone ist verwindungssteif und liegt dank der Display-Größe von 4,7 Zoll gut in der Hand. Von den Netzwerken her unterstützt es nicht nur UMTS, sondern auch LTE. Amazon ist eine schnelle Datenübertragung bei seinem Smartphone wichtig, da viele der Inhalte Cloud-basiert sind.

Dies ist laut Amazon auch der Grund, weshalb eine exklusive Partnerschaft mit der Deutschen Telekom gewählt wurde: Die Telekom verfüge über das schnellste und flächendeckenste Netz in Deutschland. Bei anderen Anbietern ist das Fire-Phone-Smartphone - zumindest vorerst - nicht erhältlich.

Fazit

Es ist erfreulich, dass Amazon es schafft, das Fire Phone schneller nach Deutschland zu bringen als seine ersten Kindle-Fire-Tablets. Gut finden wir auch, dass die Dienste und Funktionen gut auf den deutschen Markt zugeschnitten wurden und bereits vor der Auslieferung gut funktionieren.

Von der grundlegenden Hardware her mag das Fire Phone nicht besonders spannend sein - der Prozessor, das Display und die Kamera finden sich auch bei zahlreichen anderen Smartphones auf dem Markt. Interessant wird das Gerät durch die Dynamic Perspective und besonders durch die Firefly-Funktion.

Dabei bleibt das Fire-Phone-Smartphone natürlich in erster Linie ein ideales Gerät für Nutzer, die viele Amazon-Inhalte konsumieren - sei es im Onlineshop oder beim Streaming-Angebot. Die Firefly-Funktion macht aber auch abseits davon einen guten Eindruck, etwa beim Scannen von Veranstaltungsplakaten.

Für Nutzer, die bisher noch nicht viel mit Amazons Diensten zu tun haben, legt Amazon beim Kauf bis zum 31. Dezember 2014 eine einjährige Mitgliedschaft bei Amazon Prime im Wert von 49 Euro dazu. Damit kann sowohl das Streaming-Angebot Prime Instant Video genutzt werden, als auch gekaufte Artikel innerhalb von einem Tag geliefert werden lassen. Zusätzlich gibt es 1.000 Amazon-Punkte, die der Nutzer beispielsweise im App-Shop ausgeben kann. Diese entsprechen einem Wert von 10 Euro.

Verfügbarkeit

Insgesamt ist das Fire Phone zwar ein sehr an Amazon gebundenes Gerät, das aber aufgrund seiner neuen Konzepte durchaus Spaß macht. Das Fire-Phone-Smartphone ist bei Abschluss des neuen Telekom-Tarifs Magenta Mobil L mit 100 MBit/s Surfgeschwindigkeit und einem ungedrosselten Datenvolumen von 3 GByte für 1 Euro in der 32-GByte-Version erhältlich. Der Tarif kostet monatlich 49,95 Euro.

Bei den M- und S-Tarifen muss der Nutzer mehr draufzahlen, beim S-Tarif sind es laut der Telekom 60 Euro. Ob dieser mit einer Flatrate von 500 MByte allerdings viel Sinn ergibt, ist fraglich. Das 64-GByte-Modell kostet ebenfalls mehr. Ohne Vertrag ist das Fire-Phone-Smarpthone bei der Telekom nicht erhältlich.

Das Fire-Phone-Smartphone kann ab sofort auf der Internetseite der Deutschen Telekom vorbestellt werden, die Auslieferung soll am 30. September 2014 erfolgen. Ab dem 9. September 2014 kann das Smartphone auch in den Läden der Deutschen Telekom bestellt werden.  (tk)


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