Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzneutralitaet-tag-des-langsamen-internets-am-10-september-1409-109064.html    Veröffentlicht: 05.09.2014 12:40    Kurz-URL: https://glm.io/109064

Netzneutralität

Tag des langsamen Internets am 10. September

Team Internet gegen Team Kabel: Aus Protest gegen die mögliche Einschränkung der Netzneutralität rufen US-Tech-Seiten den Tag der "Internet-Drosselung" aus.

Die US-amerikanische Kampagne "Battle for the Net" will die Nutzer zum Kampf für Netzneutralität mobilisieren. Am 10. September 2014 machen führende US-Techseiten dazu mit einem Banner in Form einer Ladeseite auf die Gefahren einer langsamen Internetverbindung aufmerksam. Dem britischen Guardian zufolge beteiligen sich Etsy, Foursquare, Kickstarter, Mozilla, Reddit und Vimeo an der Aktion. Seitenbetreiber sind aufgerufen, das Banner ebenfalls auf ihrer Seite zu zeigen. Der Protest richtet sich gegen die vier großen Kabelnetzbetreiber Verizon, Comcast, AT&T und Time Warner Cable.

Die US-Regulierungsbehörde FCC überarbeitet derzeit ihre Regelungen zur Netzneutralität und hat dazu ihre Vorschläge Mitte Mai veröffentlicht. Erstmals sieht die FCC darin vor, dass Dienste-Anbieter und Internetprovider Abmachungen treffen können, bestimmte Datenpakete zu bevorzugen. Bis zum 17. Juli 2014 waren mehr als eine Million Kommentare zu den Änderungsvorschlägen eingegangen. Die FCC wollte ursprünglich bis Mitte September Zeit für die Beantwortung von Gegenfragen einräumen und noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen.

Warnung vor Monopolstrukturen

Evan Greer, Mitbegründer der Lobbygruppe Fight for the Future und Mitorganisator des Protests, sagte dem Guardian: "Netzneutralität ist schwierig zu erklären. Daher wollten wir eine Aktion organisieren, die der Welt wirklich zeigt, was auf dem Spiel steht." Die drei meistgehassten Wörter im Internet seien "Seite wird geladen ...", sagte Greer. Solange sich die Nutzer nicht im Kampf um die Netzneutralität vereinigten, könnten diese Ladeseiten zukünftig wesentlich öfter auf den Lieblingsseiten zu sehen sein, während monopolistische Unternehmen entscheiden könnten, welche Inhalte die meisten Leute zu sehen bekämen. Die Kampagne versicherte aber, dass eine Beteiligung an dem Protest nicht dazu führe, dass die Seiten am 10. September tatsächlich langsamer geladen würden.

In Europa wird derzeit ebenfalls über die Zukunft der Netzneutralität verhandelt. Die geplante Verordnung zum digitalen Binnenmarkt regelt auch die Netzneutralität. Das EU-Parlament will ein Zwei-Klassen-Internet verhindern und sogenannte Spezialdienste nur in einem engen Rahmen erlauben. Die Digitale Agenda der Bundesregierung will "Spielräume zur Entwicklung neuer, innovativer Dienste schaffen, durch die neue Geschäftsfelder erschlossen werden können". Die deutschen Telekommunikationsfirmen fordern als Anreiz für Investitionen in den Breitbandausbau, "unklare Regelungen zu Netzneutralität" zu beseitigen, die "potenziell neue Geschäftsmodelle auf Basis gesicherter Qualitäten verbieten".  (fg)


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