Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/raspberry-pi-neuer-browser-unterstuetzt-html5-1409-109045.html    Veröffentlicht: 05.09.2014 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/109045

Raspberry Pi

Neuer Browser unterstützt HTML5

Für das Raspberry Pi gibt es einen neuen Browser, der HTML5 unterstützt und mit dem sich Videos anschauen lassen. Bei der Nutzung gibt es aber noch Probleme.

Acht Monate haben das Raspberry-Pi-Team und das britische Open-Source-Unternehmen Collabra an einem für das Raspberry Pi optimierten Browser gearbeitet. Jetzt kann er über die Debian-basierte Linux-Distribution Raspian Wheezy und NOOBs auf dem kleinen Rechner installiert werden. Der Browser unterstützt HTML5 samt dessen Videoerweiterungen. Videos werden über die Hardware dekodiert, das Rendern in 2D ist für ARMv6-Befehlssatz des SoC auf dem Raspberry Pi optimiert. Außerdem hat der Browser eine verbesserte Javascript-Engine mit Just-in-Time-Compiler.

Der Code basiert auf dem Browser Epiphany, der unter dem schlichten Namen Webbrowser als Standard im Linux-Desktop Gnome 3 zum Einsatz kommt. Er verwendet die Webkit-Engine 1.1, seine Benutzeroberfläche ist in GTK+. Entsprechend werden zahlreiche Pakete mitinstalliert, wenn der Browser über sudo apt-get install epiphany-browser an der Kommandozeile eingerichtet werden soll. Insgesamt dauerte die Installation der fast 500 MByte gut eine halbe Stunde.

Lange Ladezeiten

Das Laden der Startseite von Youtube im frisch installierten Epiphany-Browser dauerte mehrere Minuten. Das Browserfenster von Epiphany selbst startet nicht flotter als das des bislang als Standard beiliegenden Browsers Midori. In Epiphany werden aber im Gegensatz zum Midori-Browser tatsächlich Videos angezeigt, die sich bis zu der angekündigten 720p-Auflösung problemlos, wenn auch zeitweise ruckelig abspielen ließen.

Den HTML5-Test auf der gleichnamigen Webseite absolvierte Epiphany für das Raspberry Pi mit 385 von 555 Punkten. Bei der Videoerweiterung fehlt die Unterstützung für DRM und Untertitel sowie die Media-Source-Erweiterungen, über die beispielsweise Javascript Streaming-Daten puffern kann. MPEG-4 sowie H.264 werden aber ebenso unterstützt wie Ogg Theora und WebM mit VP8 und VP9. Bei 2D-Grafik fehlen noch die Unterstützung für Pfade und Ellipsen. WebGL 3D und WebGL 2 3D funktionieren gar nicht. Dem alternativen Browser Midori fehlt hingegen die Videounterstützung komplett, er schaffte nur 301 Punkte im HTML5-Test. Beide Browser hängten sich im Javascript-Benchmark Octane beim Zlib-Test auf, wobei Epiphany in den zuvor erfolgreichen Tests deutlich vor Midori lag.

Wackelig

Auf dem ersten Raspberry Pi mit 256 MByte Speicher stürzte der Browser beim Laden einer Webseite mit Videoinhalten ab und riss auch gleich das Netzwerkmodul mit. Es musste wieder geladen und das Netzwerk neu gestartet werden. Die Meldungen im Internet, wonach Anwender Datenverlust auf der Speicherkarte beklagten, konnten wir jedoch nicht bestätigen. Auf dem Raspberry Pi B+ mit 512 MByte RAM lief der Browser zwar ruckelig, aber ohne Abstürze.

Epiphany auf dem Raspberry Pi macht einen guten ersten Eindruck. Mozillas Firefox ist wegen der zu hohen Speicheranforderungen auf dem Raspberry Pi nicht benutzbar und Midori sowie Dillo unterstützen HTML5 kaum, geschweige denn das Abspielen von Videos. Ein wenig Arbeit müssen die Entwickler aber noch investieren, damit Epiphany beim Seitenaufbau schneller wird. Hier liegen die beiden anderen Browser auch bei Webseiten ohne Video noch vorne. Notwendig bleibt aber weiterhin der Hinweis, dass sich das Raspberry Pi nur bedingt und mit viel Geduld als Surfrechner nutzen lässt.  (jt)


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