Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/benq-fhd-wireless-kit-im-test-full-hd-bequem-drahtlos-durchs-halbe-haus-funken-1408-108800.html    Veröffentlicht: 28.08.2014 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/108800

Benq FHD Wireless Kit im Test

Full-HD bequem drahtlos durchs halbe Haus funken

Nicht nur für Beamer von Benq eignet sich das neue Wireless-Kit des Unternehmens. Alles, was einen HDMI-Port hat, lässt sich damit drahtlos verbinden. In unserem Test klappt auch eine erstaunlich störfeste Verbindung durch eine Stahlbetondecke.

Wieder eine Strippe weniger - Benq will mit seinem "FHD Wireless Kit" lange HDMI-Kabel ersetzen. Golem.de hat ein Vorseriengerät des Systems, das aus einer Funkbrücke mit Sender und Empfänger besteht, mehrere Tage sowohl in Wohnung als auch Büro getestet. Im September 2014 soll das Kit für rund 300 Euro auf den Markt kommen.

Für diesen Preis könnte man sich auch ein HDMI-Kabel von 15 bis 20 Metern vom Elektriker verlegen lassen, immer vorausgesetzt, die baulichen Gegebenheiten erlauben das. Dann hat man aber immer noch nicht die Flexibilität eines drahtlosen Systems. Das Benq-Kit ist nicht nur schnell an einem anderen Standort aufgestellt, es bietet auch das Umschalten zwischen zwei HDMI-Eingängen, zudem wird das anliegende Signal auf einen HDMI-Ausgang durchgeschleift.

Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn Bild und Ton getrennt ausgegeben werden sollen, etwa, um einen AV-Receiver anzusteuern. Oder um bei mobilen Installationen einen Kontrollmonitor parallel zum Beamer zu nutzen. Eine typische Anwendung dafür ist eine Musikveranstaltung, bei der ein VJ unabhängig von der Musikquelle Videokunst auf eine Leinwand zaubert. Bei Anwendung im Heimkino ist es sogar fast zwingend, der Funkstrecke nur das Bild zu überlassen, denn die HD-Audioformate werden nicht übertragen. Stereo-PCM bis 24/96 und Mehrkanalton nach Dolby Digital (AC-3) und DTS sind jedoch möglich.

Das Kit besteht aus einem Sender und einem Empfänger sowie einer Fernbedienung für den Sender. Dieser besitzt zwei HDMI-Eingänge und den bereits erwähnten Ausgang, der Empfänger besitzt nur einen HDMI-Ausgang und eine Buchse für Mini-USB. Darüber kann das Gerät mit Strom versorgt werden, ein passendes Netzteil sowie kurze HDMI- und USB-Kabel liefert Benq mit. Der Sender wird über ein Netzteil mit Rundstecker gespeist, der Empfänger idealerweise über den USB-Port eines Beamers.

Die Funktechnik des Kits arbeitet im 5-GHz-Band und basiert auf den im Heimkino-Topmodell W1500 von Benq verbauten Komponenten. An den Benq-Beamern W1070+, W1080ST+, W1350, HT1075 und 1085ST lässt sich der Empfänger seitlich mit einem mitgelieferten Winkelblech anbringen. Für andere Projektoren, die auch von anderen Herstellern stammen dürfen, gibt es ein weiteres Blech, über das der Empfänger beispielsweise an die Deckenhalterung mittels eines mitgelieferten Klettbandes gefesselt werden kann.

Wer die Funkübertragung von Infrarotsignalen einer Fernbedienung nutzen möchte, sollte bei der Aufstellung darauf achten, dass die Empfängerdiode frei bleibt. Sie befindet sich an der Vorderseite des HDMI-Empfängers. Dort nimmt sie Signale im Bereich von 36 bis 56 kHz entgegen, die am HDMI-Sender wieder ausgegeben werden. Damit lassen sich also auch Zuspieler in einem anderen Raum bedienen. Am HDMI-Sender werden dazu per Kabel zwei Dioden angesteckt, die sich direkt vor die zu steuernden Geräte legen lassen. Wie Logitech bei seinen funkfähigen Harmony-Fernbedienungen nennt Benq das System "IR-Blaster".

20 Meter sind im funkverseuchten Büro kein Problem

Zuerst haben wir das System in einer zweigeschossigen Wohnung ausprobiert. Neben massiven Stahlbetonwänden und -decken von über 20 Zentimetern Stärke gibt es darin auch 10 Zentimeter dünne Wände aus Gasbetonbausteinen. Über eine Distanz von 12 Metern auf einer Ebene war es für das Benq-System kein Problem, eine dieser Leichtbautrennungen sowie eine der tragenden Wände zu überwinden. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob sich ein WLAN-Router mit aktiviertem 5-GHz-Band direkt im Signalweg befand. Sowohl bei 1.920 x 1.080 Pixeln mit 60 Bildern pro Sekunde von einem Notebook oder Full-HD mit 24 fps von einem Blu-ray-Player klappte die Übertragung auch über Stunden ohne Ausfälle.

Bei dieser Aufstellung machte es auch keinen Unterschied, wie die Geräte ausgerichtet waren und ob sich eine Person zwischen Sender und Empfänger stellte. Das Benq-Kit unterscheidet sich damit von früheren Wireless-HDMI-Lösungen, bei denen die beiden Funkteile mit ihren Antennen möglichst frontal aufeinanderzielen mussten. Auf eine Distanz von 5 Metern im selben Raum konnten wir den Empfänger sogar hinter einen auf dem Tisch aufgestellten Beamer vom Typ Benq W1070+ legen - das Signal musste also, wenn nicht durch den Projektor hindurch, so zumindest als Reflexion der gegenüberliegenden Wand empfangen werden. Wir haben als Zuspieler neben Notebook und Blu-ray-Player auch eine Playstation 3 verwendet, um einen Blu-ray-3D-Film erfolgreich abzuspielen.

Etwas Tüftelei ist nötig, wenn man Bild und Ton in ein anderes Stockwerk übertragen will. Die Luftlinie zwischen Sender und Empfänger verläuft ohne Planung schnell so, dass die Decke in einem spitzen Winkel für das Funksignal erscheint, als wäre sie einen Meter dick. Es gilt also, die beiden Funkgeräte so aufzustellen, dass sie möglichst direkt übereinander liegen. Es hat sich in unseren Versuchen auch bewährt, den Sender nicht flach zu legen, sondern ihn auf eine der Seitenkanten zu stellen.

Dann klappt aber auch die Übertragung auf die andere Ebene einer Wohnung. Wenn wir dabei aber sowohl die Decke als auch eine tragende Wand überwinden wollten, gab es keinen Empfang mehr. Es half dann aber, den Sender nahe an der Tür des Raums im anderen Geschoss aufzustellen. Endgültig Schluss war beim Versuch, zwei Decken zu durchdringen - selbst dann, wenn Sender und Empfänger direkt übereinander positioniert waren. Damit würden wir das Benq-Kit nicht für größere Häuser mit zwei Decken empfehlen.

Den Test für die maximale Distanz bei Sichtverbindung haben wir im Büro von Golem.de durchgeführt. Mit mehreren 5-GHz-Access-Points ist das eine recht funkfeindliche Umgebung für das System, eine stabile Übertragung über 20 Meter war aber dennoch möglich. Der Hersteller gibt als größte Entfernung 30 Meter an, was bei ungestörtem Spektrum erreichbar scheint.

Empfindlich reagiert das System aber auf größere und eingeschaltete Elektrogeräte. Mit dem Sender hinter einem 27-Zoll-Monitor im Betrieb kam im selben Raum über drei Meter keine Verbindung mehr zustande. Für Konferenzräume und ähnliche Installationen sollten die Orte für Sender und Empfänger also mit Sorgfalt gewählt werden.

Patzer bei der Leistungsaufnahme

Neben der Bildübertragung hat in unserem Test auch die Infrarotverlängerung gut funktioniert. Wir haben dazu die Universalfernbedienung Harmony One von Logitech verwendet, die Geräte von Sony, LG und Philips steuern musste. Wie bei anderen Lösungen auch, die Infrarot erst in Funk und dann wieder in Infrarot umsetzen müssen, ergibt sich dabei eine leichte Tastenverzögerung.

Weniger zufrieden sind wir jedoch mit der Leistungsaufnahme der Komponenten im automatischen Standby, der beim Fehlen eines Signals eingeschaltet wird. Sie beträgt beim Sender gut 2 Watt und schwankt beim Empfänger zwischen 4 und 5 Watt - insbesondere Letzteres ist viel zu viel. Immerhin: Wenn der Empfänger über einen Beamer per USB mit Strom versorgt wird, der seinen USB-Port im abgeschalteten Zustand stilllegt, benötigt er auch keine Energie. Die Standby-Leistungsaufnahme des Benq W1070+ erhöhte sich in unserem Test bei angeschlossenem Empfänger nicht und blieb unter 1 Watt.

Im Betrieb benötigte der Sender je nach Bildrate und Distanz zwischen 8,5 und 9,5 Watt, der Empfänger kommt mit seinem mitgelieferten Netzteil auf 4 bis 7 Watt. An USB-Ports, die nur die für den Standard 2.0 vorgeschriebenen 5 Watt liefern, kann das knapp werden - die meisten Ports von PCs und anderen Geräten stellen jedoch mehr Leistung zur Verfügung.

Fazit

Insgesamt überzeugt uns das Wireless FHD Kit von Benq als drahtloser Ersatz für HDMI-Verbindungen trotz der Schwäche bei der Leistungsaufnahme. Es macht zunächst einfach Spaß zu probieren, auf welche Wand im Haus sich noch ein Bild werfen lässt. Eine Steckdose findet sich schließlich fast überall. Die letzten Reisefotos an unerwarteter Stelle bei der nächsten Party anzuzeigen, ist da nur eine Idee. Auch Public Viewing im eigenen Garten - was ja nicht nur für eine Fußball-WM reizvoll ist - wird nun für den Gastgeber stressfreier, weil er nur noch den Beamer, nicht aber die Zuspieler draußen aufstellen muss. Und ein Beamer im als Heimkino dienenden Wohnzimmer lässt sich nun flexibler aufstellen, wenn Distanz und Zoom-Objektiv zusammenpassen.

Durch die unkomplizierte Bedienung und die hohe Reichweite scheinen 300 Euro für das Kit angemessen. Dabei handelt es sich ohnehin nur um Benqs Listenpreis - entsprechend gut verkaufte Geräte werden von den Händlern schnell billiger angeboten.  (nie)


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