Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/cyber-bankraub-usa-und-tuerkei-wollen-hacker-vor-gericht-stellen-1408-108665.html    Veröffentlicht: 18.08.2014 17:37    Kurz-URL: https://glm.io/108665

Cyber-Bankraub

USA und Türkei wollen Hacker vor Gericht stellen

Mit gestohlenen Kreditkartendaten haben Kriminelle in einer Nacht 40 Millionen Dollar abgehoben. Der in Deutschland inhaftierte Hintermann des Coups wehrt sich gegen seine Auslieferung an die USA.

Der Bankraub gilt als einer der "am besten vorbereiteten und organisierten" aller Zeiten. Im Februar 2013 ist es Kriminellen gelungen, in mehr als 20 Ländern mit gefälschten Kreditkarten rund 40 Millionen Dollar aus Bankautomaten abzuheben. Der mutmaßliche Drahtzieher des Coups, der 32 Jahre alte Ercan F., ist bereits seit Ende 2013 in Deutschland inhaftiert. Sein Anwalt Oliver Wallasch will verhindern, dass sein Mandant an die USA ausgeliefert wird.

Sowohl die USA als auch die Türkei wollten dem mutmaßlichen Hacker den Prozess machen, berichtete Spiegel Online. Der Düsseldorfer Staatsanwalt Murat Ayilmaz bestätigte am Montag, dass entsprechende Auslieferungsanträge gestellt worden seien. In Deutschland wird F. "bandenmäßiger Computerbetrug" vorgeworfen. Im Dezember war der 32-Jährige in Frankfurt am Main festgenommen worden.

Tipp vom Secret Service

Der amerikanische Secret Service, der für Finanzermittlungen zuständig ist, soll den entscheidenden Tipp für die Festnahme gegeben haben. Weil er über das WLAN-Netz eines Luxushotels seine E-Mails abrief, konnte der Verdächtige lokalisiert werden. Zuvor waren die Ermittler durch einen Kronzeugen der Bande auf die Spur des Mannes gekommen, der als Computergenie gilt und nach eigenen Angaben bereits für ähnliche Delikte in der Türkei zu 22 Jahren Haft verurteilt worden sein soll.

Um ihren Bankraub zu ermöglichen, hatten die Kriminellen Sicherheitslecks in der indischen Filiale einer US-Firma für internationalen Zahlungsverkehr und einer Bank im Oman ausgenutzt. Dadurch konnten sie PIN-Nummern für Prepaid-Kreditkarten auslesen und die maximale Abhebesumme nach oben setzen. Die Ermittler waren von der straffen Organisation der Bandenhelfer beeindruckt: So wurden in einer einzigen Nacht weltweit 36.000 Abhebungen mit gefälschten Geldkarten registriert. In Dortmund, Duisburg, Frankfurt, Mannheim, Koblenz, Hamburg, Bremen, Essen und Düsseldorf wurden insgesamt 1,8 Millionen Euro abgehoben. Alle Teams hielten sich peinlich genau an die Limits und vermieden so, dass die Karten gesperrt wurden.

250 Jahre Haft in den USA?

Zwei der Geldabheber wurden in Düsseldorf gefasst und im November 2013 zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Ihre Hintermänner nannten sie aus Angst vor möglichen Racheakten nicht. Dem Drahtzieher Ercan F. droht allerdings eine wesentlich höhere Haftstrafe. Nach Angaben seines Anwalts könnte sie in den USA bei 250 Jahren liegen. Der Verdächtige sei aber bereit, sich in die Türkei überstellen zu lassen. Wallasch hat nach eigenen Angaben bereits einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gestellt, um eine Auslieferung an die USA zu verhindern. Falls er damit scheitere, "werde ich den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen", sagte er.  (fg)


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