Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/grey-goo-angespielt-echtzeit-innovation-mit-grauer-tentakel-schmiere-1408-108599.html    Veröffentlicht: 15.08.2014 01:00    Kurz-URL: https://glm.io/108599

Grey Goo angespielt

Echtzeit-Innovation mit grauer Tentakel-Schmiere

Ehemalige Westwood-Entwicker, drei völlig unterschiedliche Fraktionen mit faszinierenden Ideen, eine hübsche DX11-Engine und ein LAN-Modus: Grey Goo hat das Potenzial zum Strategie-Hit.

Unterschätze niemals prozedural generierte, materiefressende graue Nanoteilchen! Die graue Schmiere kriecht über Berge wie Verteidigungsanlagen, absorbiert gegnerische Mech-Soldaten und verschlingt sogar Gebäude. Blöd nur, dass sich der Epic-Goo nicht gegen Luftangriffe verteidigen kann.

Dennoch geht unsere Taktik auf: Wenig später fällt die feindliche Basis, als sich aus mehreren heranwabbelnden Mother-Goos kleinere Brocken lösen und in ein halbes Dutzend silbrig-glänzende Panzer materialisieren. Die wenigen überlebenden Einheiten der gegnerischen Beta-Fraktion haben diesen nichts mehr entgegenzusetzen, wir siegen nach knapp einer Stunde.

Der Besiegte gratuliert uns per Handschlag, Michael Legg klopft uns lachend auf die Schulter: "Ich sehe schon, du stehst auf Schleim!" Der Gründer der Petroglyph Games ist sichtlich stolz auf das neue Projekt seines Studios, das größtenteils aus Westwood-Veteranen besteht.

Folgerichtig spielt sich Grey Goo einerseits klassisch mit Basisbau und Ressourcenmanagement, andererseits sind die Eigenheiten der drei Fraktionen mäßig bis sehr innovativ.

Zwei Fraktionen, fast klassisch

Zugegeben: Nur Beta, eine roboterhafte Alien-Rasse, und die Humans haben Basen im eigentlichen Sinne. Die Außerirdischen müssen die Gebäude mittels aneinanderkoppeln, einzig Mauern sind davon ausgenommen. Diese können mit Türmen und Toren versehen werden, durch die Einheiten marschieren oder vom Ausguck auf Gegner hinabfeuern.

Hinab ist zudem ein gutes Stichwort: Die Beta-Rasse nutzt neben vielen Lufteinheiten auch Artillerie und macht sich wie die anderen Rassen Höhenunterschiede zu eigen. Feuerstarke Mechs auf einer Anhöhe legen Sperrfeuer auf Einheiten im Tal, die unten bekommen aber nur mit, dass sie beschossen werden - einzig die Richtung, aus der die Projektile prasseln, ist ein Hinweis. Ebenfalls fies: Alle Bodeneinheiten können sich in Wäldern verstecken und werden nur sichtbar, wenn sie feuern.

Die Menschen müssen jede Konstruktion extra mit Stromleitungen versorgen - egal wie weit draußen diese in der Map steht. Wird die Leitung gekappt und ist nicht durch eine zweite oder dritte Versorgungslinie abgesichert, versagt beispielsweise das Geschütz. Eine Ausnahme sind Energiemauern: Eigene Einheiten laufen und schießen durch die weiße Wand hindurch, während der Feind nicht sieht, was hinter dem Nebel vonstatten geht.

Einzelne Gebäude der Humans können zudem jederzeit ohne Ressourcenkosten versetzt werden, das dauert aber einige Sekunden - allerdings ist Grey Goo generell kein sehr schnelles Spiel. Trickreich ist die Gebäudeanordnung: Fahrzeugfabriken können neben verschiedenen Laboren stehen, die entscheiden, welche Einheiten aus den Produktionsanlagen rollen.

Eine Fraktion, total verrückt

Die Goo starten mit einer Mother: ein großer Materiehaufen mitten in der Landschaft, der sich per Klick in Richtung einer grünlichen Ressourcenstelle schiebt. Diese konsumiert das Schleimvieh und wächst und wächst und wächst. Ist es groß genug, können wir per Klick ein kleines Goo abspalten. Dieses wabbelt umher, absorbiert quälend langsam feindliche Gebäude und Einheiten (dadurch wächst es allerdings nicht) oder es materialisiert sich in einen Scout.

Mittlere Goo verwandeln sich in Panzer oder schnelle Strider, noch größere Materiebrocken bilden ein weiteres Mother-Goo, das sich per Klick ebenfalls aufs Ressourcenschlürfen konzentriert. Zwar bilden die Schleimviecher keine Flugeinheiten, können aber jegliche Höhenunterschiede kriechend bewältigen - das ermöglicht perfide Taktiken.

Wer sein Mother-Goo lange genug Materie aufsaugen lässt, der züchtet sich sein Epic-Goo, das Monster unter den grauen Nanoteilchen. Das gigantische Vieh verschlingt beim bloßen Darüberkriechen Bodeneinheiten, mit seinen drei Tentakeln zerlegt es große Fabriken. Die Goo erfordern weniger Mikromanagement als die Beta und die Humans, dafür müssen die schmierigen Materiebrocken taktischer auf dem Schlachtfeld kommandiert werden.

Gerade in der Anfangsphase sind sie gegen schnelle gegnerische Vorstöße mangels Mauern, bemannter Türme und Geschützen deutlich verwundbarer als die beiden anderen Fraktionen, eignen sich aber ihrerseits auch gut für Rushes.

Unser Gegner hätte mit den Beta durch eine Luftaufklärung sowie einige wenige Bomber die zwei im Verlaufe des Spiels erschaffenen Epic-Goos übrigens leicht vernichten können, da wir die Anti-Air-Einheiten nicht gefunden haben.

Er aber hat sich eingeigelt, uns die Map überlassen und seine Flugeinheiten nur vor den Verteidigungswällen seiner Basis patrouillieren lassen - so wusste er nicht, was wir planen und von wo aus wir angreifen.

LAN-Modus, Windows und DX11

Petroglyph Games hat für Grey Goo eine eigene Grafik-Engine geschrieben, die aktuelle Rendertechniken unter DirectX 11 nutzt. Die uns vorgeführte Alphaversion zeigt schöne, organische Strukturen und weiche Schatten, die Texturen sind für ein Strategiespiel vernünftig aufgelöst. Besonders gelungen sind die Goo, deren silberne Oberfläche prozedural generiert wird.

Laut Michael Legg erscheint Grey Goo für Windows-PCs und soll Steam als DRM verwenden. Neben der geplanten Singleplayer-Kampagne mit 15 Missionen gibt es verschiedene Multiplayer- und Coop-Skirmish-Modi, die sich mit Steam im Offlinemodus im guten alten LAN spielen lassen sollen.

Derzeit läuft noch die Alpha, im Herbst startet die geschlossene Beta von Grey Goo und voraussichtlich Anfang 2015 erscheinen die prozedural generierten, materiefressenden grauen Nanoteilchen im Handel. Wir zumindest unterschätzen sie nicht mehr, denn theoretisch besiegt die graue Schmiere nicht nur Gegner, sondern ist für den Weltuntergang verantwortlich.  (ms)


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