Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-godus-der-gott-der-langeweile-1408-108564.html    Veröffentlicht: 14.08.2014 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/108564

Test Godus

Der Gott der Langeweile

Peter Molyneux lässt den Spieler in Godus auf iOS wieder als Gott antreten. Schade, dass sich der Arbeitsalltag eines Allmächtigen als ganz schön eintönig herausstellt.

Zusammen mit seinem Entwicklerstudio 22 Cans hatte Molyneux im Jahr 2012 eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für Godus gestartet, seit einigen Monaten steht auch eine kostenpflichtige PC-Version als Early-Access-Edition bei Steam zum Download - und hat dort bisher reihenweise negative Kritiken eingeheimst. Viele Spieler kritisieren vor allem die mit zahlreichen Wartezeiten daherkommende Spielmechanik, die an ein Free-to-Play-Spiel für Smartphones erinnert. Godus war allerdings von Beginn an auch als Mobilgame angekündigt. Die iOS-Version steht nun seit dem 7. August 2014 bei iTunes zum Download bereit.

Auf iPhone und iPad beginnt Godus vielversprechend: In einem sehr ausführlichen Tutorial werden dem Spieler zuerst zwei Menschen präsentiert, die nur von ihm vor der großen Flut gerettet werden können. Die Rettung selbst gestaltet sich dann problemlos: einfach per Finger auf dem Touchscreen die Erde verformen - fertig ist das rettende Land und damit der Grundstein für eine hoffentlich bald prosperierende und sich immer weiter entwickelnde Population.

Allerdings verbringt der Spieler die nächsten Stunden mit kaum etwas anderem als Bodenformungsübungen: Immer wieder müssen Ebenen vergrößert, kleine Seen geschlossen und Hindernisse wie Felsen oder Bäume entfernt werden, um das Land zugänglicher zu machen oder neuen Raum zu schaffen, auf dem die eigenen Schützlinge dann Häuser bauen können.

Die Formung der Welt per Finger gestaltet sich nicht so einfach und intuitiv, wie es etwa per Maus möglich wäre. Immer wieder kommt es vor, dass an der falschen Stelle Erde bewegt wird und korrigiert werden muss - die Bedienung ist teils hakelig und ungenau.

Ebenfalls unschön: Die göttliche Macht ist zu Beginn äußerst eingeschränkt. Rasenflächen etwa lassen sich erst nach einiger Zeit bearbeiten, weil dafür Glaube benötigt wird. Und den muss sich der Spieler erst erarbeiten, was im späteren Spielverlauf immer wieder zu sehr langen Wartezeiten führt. Einzige Möglichkeit, diese Zwangspausen zu umgehen, ist ein Besuch im Shop, wo echtes Geld in verschiedene Glaubenspakete investiert werden kann.

Echte Euros und das Fazit

Wer keine Euros investiert, muss sich damit abfinden, dass er in Godus nur sehr langsam vorwärtskommt. Es ist viel Durchhaltevermögen gefragt, um nach und nach die neuen Technologien, weitere Inseln und gar zusätzliche Stämme zu finden; vor den Erfolg haben Molyneux und Co. stundenlanges Bodenformen gesetzt - erst zum Siedeln, dann für die Landwirtschaft.

Dabei bietet das Spiel eine umfangreiche Lern- und Forschungskurve: Das eigene Volk beginnt sich zu vermehren, baut erst Holz-, dann Steinhütten, erlangt neues Wissen und zusätzliche Hilfsmittel, was wiederum in eine größere Hintergrundgeschichte eingebunden ist. Nur verlangen auch alle diese Aktionen viel Wartezeit, ablaufende Timer sind einer der Hauptbestandteile des Titels.

Godus entpuppt sich damit als relativ typischer Free-to-Play-Titel, der Spieler zum Geldausgeben bringen will. Das überrascht doch etwas - schließlich hatte Molyneux in Interviews mehrfach betont, wie wenig er von der mobilen Neuauflage des mit In-App-Käufen gespickten Dungeon Keeper hält.

Godus ist bei iTunes als kostenloser Download verfügbar und benötigt mindestens iOS 7.0. Eine Android-Umsetzung ist zwar in Planung, einen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Fazit

Godus ermuntert den Spieler schon nach kurzer Spielzeit, eine Bewertung bei iTunes abzugeben - wobei man dabei aber bitte berücksichtigen solle, dass das Spiel ja kontinuierlich weiterentwickelt werde und noch viele neue Inhalte dazukämen. Fraglich ist nur, wie viele Personen von den später hinzukommenden Erweiterungen wirklich etwas mitbekommen werden.

Trotz guter Ansätze stellt Godus mit seinen Wartezeiten, dem langsamen Spielfortschritt und den ausufernden Bodenformungsaktionen sehr schnell eine Belastungsprobe für die Ausdauer dar. Der Großteil derjenigen, die die Kickstarter-Kampagne mitfinanziert haben, hätte ein Premiumspiel ohne In-App-Käufe und Zwangspausen sicher bevorzugt.  (tw)


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