Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/banana-pi-im-test-bananen-sind-keine-himbeeren-1408-108314.html    Veröffentlicht: 04.08.2014 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/108314

Banana Pi im Test

Bananen sind keine Himbeeren

Das Banana Pi verspricht bei kräftigerer Hardware weitgehende Kompatibilität zum Raspberry Pi. Ein Klon ist es aber nicht.

Aus China stammt ein Nachbau des Raspberry Pi mit dem etwas seltsam anmutenden Namen Banana Pi. Er allein erinnert schon an das erfolgreiche Raspberry Pi aus Großbritannien, ganz zu schweigen vom Aussehen und der Größe der Platine. Auf den ersten Blick sieht das Banana Pi also aus wie ein Klon des Raspberry Pi.

Wie die Raspberry Pi Foundation bemüht sich der chinesische Banana-Pi-Hersteller Lemaker um eine aktive Community und will Projekte rund um das Banana Pi fördern. Dabei setzt Lemaker weitgehend auf Open Source. Bildungsprojekte, Erweiterungen oder Dokumentationen sollen möglichst unter die GPL oder die CC BY-SA 3.0 gestellt werden. Die Informationen über den kleinen Rechner sind auf zwei Webseiten verteilt, was etwas verwirrend ist. Unter bananapi.org gibt es Links zu Downloads, die zum Sourcecode für den A20-SoC von Allwinner sowie diversen Konfigurationsdateien auf Github führen, mit denen der Linux-Kernel erstellt werden kann. Die dort vorhandenen Anleitungen sind spärlich, das Wiki lädt eher Dritte dazu ein, die wenigen Artikel dort zu ergänzen, während das Wiki auf der Webseite des Herstellers deutlich umfangreicher ausfällt.

Die Seite zu den Hardwarespezifikationen offenbart die ersten deutlichen Unterschiede zum Raspberry Pi: Statt eines Kerns, wie im Broadcom-SoC des Raspberry Pi vorhanden, hat der A20 von Allwinner zwei Cortex-A7-Kerne, die mit bis zu 1 GHz getaktet werden können. Für die 400MP2-GPU von Mali gibt es bereits offenen Quellcode. Den Arbeitsspeicher hat Lemaker im Vergleich zum Raspberry Pi auf 1 GByte verdoppelt.

Mehr Anschlüsse, höhere Leistungsaufnahme

Auch die Anschlüsse sind zahlreicher als beim Raspberry Pi. Statt eines 100-MBit- gibt es dort einen dezidierten GBit-LAN-Anschluss. Zusätzlich zu dem SD-Kartenslot lässt sich am Banana Pi auch eine SATA-Festplatte anschließen. Daneben hat Lemaker einen weiteren Micro-USB-Anschluss spendiert, der On-the-Go unterstützt. Außerdem gibt es noch ein Mikrofon, einen integrierten Infrarotempfänger und drei Schalter, mit denen das Banana Pi ein- und ausgeschaltet sowie neu gestartet werden kann. Über den dritten Schalter lässt sich auf den Universal Boot Loader (U-Boot) zugreifen. Bis auf den höheren Datendurchsatz des LAN-Anschlusses entspricht die Hardware des Banana Pi weitgehend der des Cubieboard 2. Damit sämtliche Komponenten mit genügend Leistung versorgt werden, empfiehlt der Hersteller ein Ladegerät mit 5 Volt und 2 A. Das Raspberry Pi begnügt sich mit 750 mA.

Läuft mit Linux - und Android

Für das Banana Pi gibt es bereits zahlreiche Linux-Distributionen und ein Android-Image, die auf SD-Karten aufgespielt und von dort gestartet werden können. Sie müssen an die ARMv7-Plattform des A20 von Allwinner angepasst sein. Diese sind aber nicht über bananapi.org, sondern über die Webseite des Herstellers unter lemaker.org verfügbar. Neben Opensuse, Fedora sowie Archlinux stehen dort auch Versionen von Ubuntu mit dem Lxde-Desktop namens Lubuntu zur Verfügung. Außerdem haben die Entwickler die Debian-Version für das Raspberry Pi, Raspbain, auf das Banana Pi portiert. Auch Android 4.2 steht für das Banana Pi zur Verfügung. Die versprochene Version 4.4 fehlt allerdings noch. Die Versionen werden aktiv aktualisiert, die letzte Version von Lubuntu stammt von Ende Juli 2014. Angepasste Versionen von Multimediavarianten wie Xbmc fehlen jedoch noch.

Wer Lubuntu installiert, sollte sich mit Linux allerdings etwas auskennen. Zumindest gibt es dort kein Skript, mit dem beispielsweise das Betriebssystem-Image auf den gesamten Speicher der SD-Karte ausgedehnt werden kann. Das liegt dem Raspbian-Image aber bei. Ansonsten verhält sich Lubuntu wie die herkömmliche Desktopvariante. Hier machen sich die kräftigeren CPUs und der größere Arbeitsspeicher deutlich bemerkbar. Selbst Firefox startet einigermaßen zügig, auf dem Raspberry Pi lässt sich der Browser kaum nutzen.

Nutzloses Android

Die Android-Version lässt sich nur unter Windows mit Hilfe der Software Phoenix Card auf eine SD-Karte spielen. Mangels Treiber für den LAN-Chip und den von uns verwendeten WLAN-Chip lässt sich Googles mobiles Betriebssystem aber nicht ohne großen Aufwand mit dem Netz verbinden und bleibt so weitgehend nutzlos. Außerdem lief Android alles andere als flüssig. Das Image wird von Dritten bereitgestellt, möglicherweise werden später optimierte Versionen nachgereicht.

Größer und mit mehr Schnittstellen

Dank des bereits für das Raspberry Pi entwickelten Anpassungsskriptes Raspi-Config dürfte Raspbian für das Banana Pi für Umsteiger noch am einfachsten zu konfigurieren sein. Zudem hat Lemaker in der aktuellen Version den Treiber für die GPIO-Schnittstelle angepasst, sie lässt sich jetzt weitgehend mit den Modulen Wiringpi v1 für C und Rpi.GPIO für Python ansprechen. Außerdem lassen sich jetzt I2C und SPI auf dem Banana Pi nutzen. Ferner kann das gleiche Image auch mit dem Raspberry Pi gestartet werden. Das Banana Pi hat im Vergleich zum Raspberry Pi aber noch einen CAN-Bus, einen Analog-Digital-Wandler (ADC) und unterstützt Pulse Width Modulation (PWM). Eine Real-Time-Clock fehlt auf dem Banana Pi ebenso wie auf dem Raspberry Pi.

Die GPIO-Schnittstelle des Banana Pi lässt sich also wie die auf dem Raspberry Pi nutzen. Das Banana Pi hat aber noch zehn zusätzliche PINs, die direkt neben der 26-poligen GPIO-Schnittstelle platziert sind. Dadurch könnte es Probleme mit Breakoutboards für das Raspberry Pi geben, denen die PINs auf dem Banana Pi im Weg sind. Die Platine des Banana Pi ist mit 92 x 60 mm etwas größer als die des Raspberry Pi mit 85 x 56 mm. Außerdem sind die USB-2.0-Buchsen und die LAN-Anschlüsse leicht versetzt. Wegen der zusätzlichen Komponenten wie dem SATA-Anschluss und dem Infrarotempfänger passt das Banana Pi nicht in die Gehäuse für das Raspberry Pi. Auch das Camera Serial Interface (CSI) und das Display Serial Interface (DSI) des Banana Pi sind physisch breiter und mit jeweils 40 statt 30 PINs ausgestattet. Somit lassen sich weder Kameras noch LCDs für das Rasperry Pi ohne weiteres nutzen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Platine ist inzwischen mit CE-Siegel auch in Deutschland über diverse Distributoren erhältlich und kostet mit etwa 70 Euro doppelt so viel wie das Raspberry Pi. Das fast vergleichbare Cubieboard 2 kostet ebenfalls etwa 70 Euro, enthält aber zusätzlich ein SATA-Kabel.

Fazit

Dass die Platine des chinesischen Herstellers ein "Pi" im Namen trägt, dürfte eher dem Marketing dienen, denn kompatibel sind das Banana Pi und das Raspberry Pi kaum. Softwareentwickler können zwar die GPIO-Schnittstelle ähnlich nutzen, für die Nutzung von Erweiterungshardware sind die Platinenlayouts aber zu unterschiedlich. Darin dürfte der chinesische Hersteller aber die Möglichkeit sehen, selbst Breakoutboards oder Kameramodule für das Banana Pi anzubieten, sollte das Projekt genügend Popularität bekommen. Immerhin ist das Banana Pi Open Source. Damit können auch Dritte entsprechende Hardware entwickeln und anbieten. Wer bereits eine große Sammlung an Erweiterungshardware für das Raspberry Pi erstanden hat, muss wohl bei dieser Platine bleiben.

Zumindest laufen sämtliche Linux-Distributionen deutlich flotter auf dem Banana Pi als auf dem Raspberry Pi. Das gilt nicht nur für die grafische Oberfläche, sondern beispielsweise auch für das Einspielen von Updates oder das Kompilieren an der Kommandozeile.

Die zusätzlichen Erweiterungen auf dem Banana Pi machen es zu mehr als nur einer Entwicklungsplatine. Der integrierte Infrarotempfänger dürfte beispielsweise diejenigen interessieren, die ein kleines Multimediacenter wollen. Es dürfte nicht lange dauern, bis entsprechende Software dafür auftaucht. Mit dem SATA-Anschluss eignet sich das Banana Pi auch als kleines NAS. Ein entsprechender Treiber für das NTFS-Dateisystem ist in der aktuellen Raspbian-Variante für das Banana Pi bereits integriert. Als Minirechner taugt das Banana Pi dennoch kaum, obwohl es kräftigere Hardware hat als das Raspberry Pi. Wegen des doppelt so hohen Preises dürfte es nur für diejenigen infrage kommen, die mit der Leistung des Raspberry Pi nicht zufrieden sind.  (jt)


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