Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/android-wear-pimp-my-watch-1407-107953.html    Veröffentlicht: 21.07.2014 08:20    Kurz-URL: https://glm.io/107953

Android Wear

Pimp my watch

Die ersten Android-Wear-Smartwatches sind seit kurzem auf dem Markt, im Test hat Googles neues Wearable-Konzept einen guten Eindruck gemacht. Golem.de stellt eine Auswahl von Apps und Programmen vor, die die Nutzung noch einmal deutlich verbessern.

Seit Anfang Juli 2014 werden die ersten Smartwatches mit Googles neuem Wearable-Betriebssystem Android Wear ausgeliefert. Google hat mit seinem neuen Betriebssystem das Android-Systems des Smartphones eng mit der Smartwatch verzahnt. Alle Benachrichtigungen der Statuszeile werden auch auf der Uhr angezeigt, ebenso wie Google-Now-Informationen - beispielsweise zum Wetter und dem aktuellen Standpunkt. Zudem gibt es bereits Ableger einiger wichtiger Programme für Android Wear, beispielsweise für einige Google-Apps oder Evernote.

Zusätzlich laufen auf einer Android-Wear-Smartwatch kleine Apps, die mit der Installation der Hauptapp auf dem Smartphone auf die Uhr gespielt werden. Dementsprechend sind diese Apps einfach in Googles Play Store zu finden. Bei der Auslieferung sind bereits einige Apps auf der Uhr installiert - beispielsweise der Schrittzähler Fit. Auf der Google I/O hat jeder Teilnehmer sowohl eine G Watch von LG als auch eine Galaxy Live von Samsung überreicht bekommen - das scheint sich für Google gelohnt zu haben: Bereits jetzt gibt es mehr Apps für Android Wear als für die Google Glass.

Golem.de hat sich die Auswahl der vorhandenen Apps angeschaut und einige der nützlichsten zusammengetragen. Außerdem lässt sich das Nutzungserlebnis einer Android-Wear-Smartwatch mit Hilfe eines bekannten Internetdienstes stark erweitern. Die von uns verwendete Uhr ist eine Galaxy Live von Samsung.

Bessere Bedienung dank Launcher

Der erste Schritt zur praktischeren Android-Wear-Smartwatch ist die Installation eines Launchers. Um Apps auf der Uhr zu starten, hat der Nutzer standardmäßig zwei Möglichkeiten: Per Spracheingabe mit "Starte..." - was nicht in jeder Situation angebracht ist -, oder durch umständliches Wischen durch die Menüs der Smartwatch. Ein Launcher erleichtert den App-Start sehr.

Wir haben den Wear Mini Launcher ausprobiert. Nach der Installation auf dem Smartphone können wir mit einem Wisch von oben links in das Display der Galaxy Live eine App-Übersicht aufrufen, über die sich die Anwendungen einfach starten lassen. Mit einem zweiten Wisch wird ein Einstellungsbildschirm aufgerufen. Hier können die Helligkeit der Uhr und die Klingeltonlautstärke des Smartphones reguliert werden. Zudem kann auf dem Smartphone ein Alarmton ausgelöst werden, falls der Nutzer das Gerät nicht findet.

Kleine Apps für den Alltag

Neben kleinen alltäglichen Helfern wie dem übersichtlichen Taschenrechner Android Wear Calculator, der Wasserwaage Spirit Level oder den zahlreichen Uhren-Skins gibt es auch speziellere Apps. Mit Bunting können beispielsweise über die Smartwatch Tweets bei Twitter abgesetzt werden - nachdem sie der Smartwatch diktiert wurden. Auch die Timeline kann eingesehen werden.

Wear Camera Remote zeigt das Sucherbild der Smartphone-Kamera auf dem Display der Smartwatch an. Per Fingertipp nimmt das Smartphone ein Bild auf. Drückt der Nutzer fünf Sekunden lang auf das Display der Uhr, wird der Selbstauslöser der Kamera gestartet. Google selbst bietet in der aktuellen Version seiner Kamera-App einen Fernauslöser auf der Smartwatch an.

Nie mehr das Smartphone vergessen

Mit Wear Aware - Phone Finder oder Android Wear Find My Phone werden Nutzer darauf hingewiesen, wenn sie sich zu weit von ihrem Smartphone entfernen. So wird verhindert, dass das Smartphone zu Hause vergessen wird. Anders herum kann mit den Apps von der Uhr aus das Mobiltelefon gesucht werden - praktisch, wenn das Smartphone partout nicht auffindbar ist.

Eine sehr vielseitige App ist Wearable Widgets: Damit können beliebige Android-Widgets auf der Uhr angezeigt werden. So ist es beispielsweise möglich, den Twitter-Feed oder das Facebook-Widget auf der Uhr zu haben. Auch Widgets von Musik-Apps wie Spotify lassen sich problemlos auf der Uhr anzeigen. In der kostenlosen Version kann immer nur ein Widget an die Smartwatch geschickt werden. Gegen eine einmalige Zahlung von 1,50 Euro wird diese Beschränkung beseitigt. Aktuell befindet sich die App noch in einem recht frühen Stadium, die Lags sind mitunter sehr stark. Auf der Galaxy Live reagieren die Widgets auf der Uhr mitunter nicht auf Eingaben.

Android-Wear-Appstores bieten Übersicht

Wem die Suche nach Android-Wear-Apps im Play Store zu mühselig ist, der kann sich auch auf dem Smartphone eine App installieren, die eine Übersicht der verfügbaren Anwendungen gibt. Dazu zählt unter anderem Apps for Android Wear; hier können die verfügbaren Wear-Anwendungen auch nach kostenlosen und kostenpflichtigen Apps sortiert werden.

Neben den Apps, die auf der Smartwatch installiert werden, kann die Nützlichkeit einer Android-Wear-Uhr auch durch den Internet-Service IFTTT ("If This Than That") stark aufgewertet werden. Mit IFTTT lassen sich zahlreiche Aktionen von Internetdiensten mit Funktionen von Android-Smartphones sowie Smart-Home-Geräten verknüpfen. Diese sogenannten Rezepte reichen von bloßen Benachrichtigungen bis hin zu komplexen Aktionsketten. Zu den verfügbaren Internetdiensten zählen zahlreiche Social-Media-Plattformen und andere Dienste wie Evernote, Delicious, Digg, Dropbox und Flickr.

Mit IFTTT-Rezepten den Funktionsumfang erweitern

Bereits kurz nach der Vorstellung von Googles neuem Wearable-Betriebssystem hat IFTTT Android-Wear-Smartwatches in die Rezepterstellung eingebunden. Daher lassen sich verschiedene Benachrichtigungen auf die Uhr schicken, die normalerweise nicht über die Verbindung mit einem Smartphone erscheinen würden.

Nahezu unzählige Benachrichtigungsmöglichkeiten

Im Grunde lassen sich alle Benachrichtigungen, die IFTTT an ein Smartphone schicken kann, auch direkt an die Android-Wear-Smartwatch senden. Praktisch ist etwa die Benachrichtigung über neue Artikel einer RSS-Quelle: Über die IFTTT-Internetseite oder die Smartphone-App wird einfach die betreffende RSS-Adresse eingegeben, fortan erscheint bei jedem neuen Artikel eine Benachrichtigung auf der Uhr.

Auf diese Weise können sich Android-Wear-Nutzer unter anderem Benachrichtigungen über Facebook-Posts in bestimmten Gegenden, tägliche Fitbit-Zusammenfassungen, Foursquare-Checkins, neue Fotos bei Instagram oder Wetterberichte und -warnungen auf die Smartwatch schicken lassen. Die Möglichkeiten bei IFTTT sind beinahe unendlich, die Einbindung von Android Wear erweitert das Spektrum der Uhren erheblich.

Betriebssystem mit Potential

Bereits kurz nach dem Start von Android Wear zeigen die zahlreichen bereits verfügbaren Apps, welches Potential in dem Betriebssystem steckt. Dabei ist natürlich nicht jede App wirklich nützlich: Ein um die 1,65 Zoll großes Display eignet sich aufgrund der Größe eher für simple Anwendungen. Zwar gibt es schon erste Tastaturen wie die von Minuum, um bei folgenden Apps auch Texteingabe zu ermöglichen. Ob sich dieses Konzept aber durchsetzen wird, ist fraglich.

Eine echte Bereicherung für Android Wear sind die Möglichkeiten, die IFTTT bietet. Der Internetdienst erschließt Einsatzgebiete, die für eine Android-Wear-Smartwatch ansonsten nicht infrage kommen - zumindest noch nicht. Dazu zählt die direkte Einbindung von RSS-Feeds oder auch eines RSS-Clients wie Feedly.

Android Wear steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Noch ist nicht abzusehen, inwieweit Google das Betriebssystem entwickeln wird. Dass aber bereits so kurz nach dem Start zahlreiche Apps verfügbar sind und die Plattform insgesamt von Programmiererseite offenbar gut aufgenommen wird, ist erfreulich.  (tk)


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