Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-shovel-knight-hochklassige-schaufelschlacht-in-256-farben-1407-107935.html    Veröffentlicht: 17.07.2014 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/107935

Test Shovel Knight

Hochklassige Schaufelschlacht in 58 Farben

Beim Testen des Indie-Plattformers Shovel Knight haben wir uns nicht nur an zahlreiche Klassiker der 8-Bit-Ära erinnert, sondern auch gestaunt. Das Pixelabenteuer ist der beste Beweis für das Argument: High-End-Grafik ist nicht alles.

Warum sind nicht schon viel mehr Ritter auf die Idee gekommen, statt Schwert und Schild einfach zur Schaufel zu greifen? Wie effektiv die funktioniert, beweist nämlich der Shovel Knight in seinem gleichnamigen modernen Retro-Abenteuer. Mit seiner Werkzeugwaffe gräbt er sich nicht nur durch pixelige Welten im 8-Bit-Look, sondern zieht sie auch zahlreichen Oberschurken über und nutzt sie für akrobatische Sprung- und Geschicklichkeitseinlagen.

Shovel Knight war von der ersten Kickstarter-Minute an als Hommage an die besten Actionplattformer der 8-Bit-Ära gedacht. Am deutlichsten erkennen wir Anleihen aus den folgenden Spielen vom Nintendo Entertainment System (NES): Mega Man 1-3, Super Mario Bros. 3, Zelda 2: The Adventure of Link und Duck Tales.

Wie in Super Mario Bros. 3 laufen wir zwischen den primären Leveln auf einer Weltkarte umher und besiegen Zwischengegner. Aus Duck Tales erkennen wir Onkel Dagoberts Sprung auf dem Stock wieder, denn der Shovel Knight nutzt für ein ähnliches Manöver einfach seine Schaufel. Für etwas Ruhe und Abwechslung sorgen Besuche bei Händlern in Dörfern, wo wir plaudern, Gegenstände wie eine Angel oder Amulette kaufen sowie mehr Lebensenergie oder Mana erwerben. Das kennen wir aus Zelda 2.

Am meisten orientiert sich Shovel Knight aber an Mega Man. Wie der blaue Roboter kämpft sich auch unser Schaufelritter von Bildschirmabschnitt zu Bildschirmabschnitt, erledigt auf dem Weg möglichst alle Gegner und weicht Fallen aus. Das wichtigste Element ist das Timing. Es ist nicht nur wichtig, wie weit der Spieler seine Hauptfigur springen lässt, sondern auch, zu welchem Zeitpunkt er das tut. Eine Millisekunde zu früh, und die nächste rotierende Plattform ist noch nicht am richtigen Ort angekommen; eine Millisekunde zu spät und ein Gegner rückt uns so nah auf die Pelle, dass wir in den Abgrund stürzen.

Leicht zu spielen, schwer zu meistern

Die Steuerung erfolgt einzig mit dem Steuerkreuz und zwei Aktionsknöpfen. Der Start-Knopf pausiert das Geschehen und öffnet die Optionen, über Select bekommen wir Zugriff auf das Inventar. Shovel Knight steuert sich eingängig und sehr direkt. Fielen wir im Test in einen Abgrund oder schlugen Luftlöcher mit unserer Schaufel, statt den Monstern eins überzubraten, wussten wir, dass es an uns lag.

Das Spiel zieht im Schwierigkeitsgrad rasant an. Ab dem dritten Level ist viel Geschicklichkeit gefragt, vor allem bei den versteckten Bonuspassagen. Unter Stress komplexe Sprungketten und verschiedene Angriffsmanöver aneinanderzureihen, wird Anfänger frustrieren und ein Weiterkommen unter Umständen sogar unmöglich machen.

Der Tod nimmt nicht von den Bedürftigen

Ein zentrales Spielelement ist das Checkpoint System, das Shovel Knight in dieser Form derzeit exklusiv für sich beansprucht. In jedem Level sind mehrere Checkpoints verteilt, die sich automatisch aktivieren, sobald der Ritter an ihnen vorbeiläuft.

Ist die Lebensenergie verbraucht, eine Falle zugeschnappt oder kein Boden mehr unter den Füßen, verliert Shovel Knight einen Teil seines angesparten Geldes in Form von drei Geldsäcken. Diese schweben ab diesem Zeitpunkt an jener Stelle im Level. Shovel Knight wird zum letzten Checkpoint zurückgesetzt und kann die Geldsäcke wieder aufsammeln, sofern er sie erreicht. Stirbt er vorher erneut, ist das zuvor verlorene Geld gänzlich weg und drei neue Geldsäcke schweben im Level.

Aus diesem Grund lohnt es sich, das Gesparte zwischen den Leveln auszugeben und in bessere Gegenstände und Verbesserungen zu investieren. Wer die Taschen voller Geld hat, kann auch viel verlieren. Etwas ärgerlich finden wir, dass die Geldsäcke an Stellen im Level schweben können, die unerreichbar sind.

Die Händler in Shovel Knight verkaufen viele interessante und teure Gegenstände, für die der Spieler Gold braucht. Aus diesem Grund lassen sich die Checkpoints alternativ auch zerstören, bevor sie aktiv werden. So wird der Shovel Knight zwar schnell wieder finanziell flüssig, allerdings muss er bei einem Bildschirmtod wieder zum Anfang des Levels zurück, was bis zu eine halben Stunde dauern kann.

Level-Vielfalt und Fazit

Jeder Level hat seinen eigenen Stil, individuelle Gegnertypen, ein pfiffiges musikalisches Thema und einzigartige Elemente in der Architektur. Die Themen der Level sind mit Feuer, Wasser, Gift oder Luft zwar altbekannt, aber sehr stimmig umgesetzt. Krabben können in der Unterwasserwelt zum Beispiel als Querschläger genutzt werden, wenn sie mit der Schaufel geschlagen werden. In der Industrieanlage der Giftwelt darf der Shovel Knight nicht zu lange an einem Ort stehen bleiben, da ihn sonst Flammen aus dem Boden verwunden.

In jedem Gebiet ist ein versteckter Händler auffindbar, der dem Ritter einen ganz besonders nützlichen Gegenstand anbietet. Recht früh nach Spielstart ergattern wir so einen Feuerball oder ein Amulett, das es uns ermöglicht, kurzzeitig über fiese Stacheln zu laufen.

Noch nicht vollständig

Alle Features, die in der Kickstarter-Kampagne angekündigt waren, sind noch nicht enthalten. So fehlt beispielsweise der Battle-Modus für bis zu vier Spieler und es gibt nicht die Möglichkeit, als weiblicher Ritter anzutreten. Laut den Entwicklern sollen aber alle angekündigten Features sowie Versionen für Mac und Linux nachgereicht werden.

Die Wii-U- und 3DS-Version von Shovel Knight ist in Amerika bereits erhältlich. Beide unterstützen das Miiverse von Nintendo. Aktuell befindet sich das Spiel für den Europastart der Versionen in der deutschen Lokalisierungsphase. Shovel Knight ist direkt beim Hersteller und über Gog.com ohne DRM für 15 Euro als Windows-Version erhältlich. Für den gleichen Preis ist es auch über Steam käuflich.

Fazit

Shovel Knight ist ein Muss für Retro-Fans und Freunde von Plattformern. Die Steuerung gehört zu den besten im Genre. Die Spielmechaniken bedienen sich nicht nur gelungen an zahlreichen 8-Bit-Klassikern, sie übertreffen sie sogar - und das in allen Belangen.

Besonders erwähnenswert ist das interessante Checkpoint-System, das ebenfalls eine hohe Motivationsquelle ist. Es lädt zum erneuten Spielen in und mit den Welten ein. Der Balanceakt zwischen Raffgier und Sicherheit ist von den Entwicklern außerordentlich gut durchdacht und dürfte künftig oft kopiert werden.

Dass Geldsäcke häufig an unerreichbaren Stellen im Level schweben, hat uns etwas genervt. Zudem ist es sicher suboptimal, dass noch nicht alle Versprechungen der Kickstarter-Kampagne umgesetzt wurden. Eine Speichermöglichkeit an den Checkpoints in den recht langen Levels hätten wir ebenfalls begrüßt. Das sind aber nur Kleinigkeiten, die wir an dieser ansonsten absolut gelungenen und inspirierten Hommage auszusetzen haben.  (mw)


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