Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-civilization-revolution-2-nicht-runderneuert-aber-fuer-das-iphone-1407-107719.html    Veröffentlicht: 08.07.2014 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/107719

Test Civilization Revolution 2

Nicht runderneuert, aber für das iPhone

Nach rund sechs Jahren veröffentlicht 2K Games einen Nachfolger für das erste Civilization Revolution, bisher exklusiv für iOS. Wie sich die Rundentaktik mit 3D-Grafik auf dem iPhone spielt, haben wir getestet.

Civilization Revolution 2 langweilt erfahrene Rundentaktiker und Serienfreunde bereits nach wenigen Zügen. Selten waren wir bei einem Civilization-Test so schnell ernüchtert. Dabei klingen die Neuerungen aus der Sicht von Publisher 2K Games durchaus sinnvoll: Civ Rev 2 ist anders als sein Vorgänger auf dem iPad nicht zweidimensional, sondern in einer 3D-Grafikengine realisiert. Zudem sind Spieler nicht mehr nur auf das Tablet angewiesen. Civ Rev 2 läuft auch auf dem iPhone, ab Hardwareversion 4.

Spielerisch erinnert die neue Episode stark an die Konsolenversion von Civilization Revolution von 2008 für Xbox 360 und Playstation 3. Auch sie war bereits in einer 3D-Grafikengine realisiert. Das erste Civ Rev für das iPad basierte dagegen auf der 2D-Portierung vom Nintendo DS.

Im Vergleich zu Civilization 5 wurden viele Ressourcen, Diplomatieoptionen, Religionsformen und Siegesstrategien gestrichen oder zusammengekürzt. Auch die Umweltverschmutzung oder Staatsformen spielen eine untergeordnete Rolle. Am Spielablauf wurden nur minimale Details verändert. Der Spieler startet mit einem Siedler, gründet seine erste Siedlung und vergrößert Runde für Runde sein Weltreich.

Die Dörfer baut der Spieler durch Gebäude, Weltwunder und Große Persönlichkeiten zu Metropolen aus und trimmt sie auf Produktion, Gold, Wachstum oder Forschung. In den ersten Runden klärt er die Weltkarte auf, trifft die anderen Zivilisation sowie Barbaren und versucht Ressourcen wie Wein oder Pferde zu annektieren. Im Kriegsfall treten repräsentative Militäreinheiten aus der jeweiligen Ära gegeneinander an.

Civilization Light 2

Der Technologiebaum der Zivilisationen ist in Civ Rev 2 übersichtlich. Viele bekannte Forschungsäste vom PC fehlen. Neu ist die Lasertechnik, die aber im Endeffekt auch nur Einheitentypen freischaltet, die PC-Spieler bereits seit Jahrzehnten kennen, zum Beispiel das Jet-Kampfflugzeug.

Neben dem altbekannten Endlosmodus bietet Civ Rev 2 zahlreiche Szenarien für die 16 Staatsoberhäupter. In Beta Centauri sind zum Beispiel bereits alle Forschungen freigeschaltet, so als käme die Zivilisation des Spielers auf einem neuen Planeten an. Das an sich interessante Konzept hat uns spielerisch aber enttäuscht. Auch auf dem "neuen" Planeten treffen wir auf altbekannte Barbaren, die Aliens darstellen sollen. Sie sind quer über die Karte in Massen verteilt, was den an sich schon zähen Spielbeginn noch kampflastiger und langatmiger werden lässt.

Am meisten Freude hatten wir mit dem Szenario Renaissance, in dem nur der Kultursieg zählt. Hier fehlen die Barbaren gänzlich und Große Persönlichkeiten erscheinen weitaus öfter. Kurz vor Spielende erklären uns aber alle anderen Völker trotz unserer kulturellen Überlegenheit den Krieg und wir müssen ewige Kampfanimationen betrachten. Das ist in den PC-Serienteilen viel eleganter gelöst, da der kulturelle Einfluss auf die anderen Völker komplexer und tiefgreifender ist und einen Krieg unter Umständen unmöglich macht.

Herausfordernd wird Civ Rev 2 nur auf den beiden höchsten Schwierigkeitsgraden. Dass das Spiel einsteigerfreundlich ist, ist sicher Absicht - wir hätten uns aber darüber gefreut, nicht stundenlang den richtigen Schwierigkeitsgrad für uns suchen zu müssen.

Zeitgemäße Grafik, kein Mehrspielermodus

Die verbesserte Grafik sieht hübsch aus und ist nicht überfrachtet. Die Ressourcen auf der Weltkarte sind gut sichtbar und auch die Einheiten lassen sich auf einen Blick identifizieren. Ein echter Rückschritt ist aber das Sichtfeld. Maximal drei Städte können wir auf der Weltkarte gleichzeitig betrachten. Allgemein sind die 3D-Welten nicht sonderlich groß. Daher sind die Abstände zwischen den Städten gering und zwischendrin stehen meist mehrere Einheiten auf einem Feld.

Normalerweise wählt das Spiel automatisch die Reihenfolge aus, in der der Spieler seine Einheiten zieht. Wollen wir eine spezielle Einheit oder Stadt explizit aktivieren, müssen wir den Finger gedrückt halten. Richtig genervt haben uns die langatmigen Kampfanimationen samt ihrer Audio-Fanfare, die sich in den Optionen nicht deaktivieren lässt.

Absolut unverständlicherweise fehlt in der aktuellen Version der Mehrspielermodus. Alle Konkurrenten haben Modi für Online-Duelle, beispielsweise Siedler von Catan, Carcassonne oder Clash of Clans. Selbst der Vorgänger von Civilization Revolution 2 bekam den Mehrspielermodus als Patch. Ob er für Civ Rev 2 nachgereicht wird, ist noch unklar.

Civilization Revolution 2 startet zwar auf dem iPhone 4 oder iPad 2 - für spielbar halten wir es da aber nicht. Erst ab einem iPhone 5 oder dem iPad Air lässt sich das grafisch nett aufbereitete Strategiespiel flüssig bedienen. Auf den letztgenannten Plattformen sind auch die Ladezeiten angenehm, während Spieler selbst auf dem iPad 3 lange warten müssen, bis die Weltkarte geladen ist. Laut den Entwicklern war das iPhone 5 die primäre Entwicklungshardware.

Verfügbarkeit und Fazit

Civilization Revolution 2 ist für iOS erschienen und läuft auf dem iPhone ab Version 4, dem zweiten iPad oder neueren iPads sowie dem iPod Touch ab der fünften Generation. Der Strategietitel kostet 14 Euro. Eine Version für Android- Smartphones und -Tablets befindet sich in Entwicklung und soll bald folgen.

Fazit

Das erste Civilization Revolution hat es geschafft, eine neue Zielgruppe mit dem Civ-Virus zu infizieren. Dieses Kunststück gelingt dem neuen Serienteil erneut. Allerdings dürfte es sich nur um Spieler handeln, die ausschließlich ihr Smartphone zum Zocken benutzen. Auf nahezu allen weiteren Plattformen stehen ausgereiftere und komplexere Serienteile zur Verfügung.

Vor allem der Wechsel zur 3D-Grafik ist für uns nicht nachvollziehbar. In puncto Übersicht ist Civ Rev 2 ein Rückschritt. Vom essenziellen Terrain ist viel zu wenig zu sehen, die Kämpfe mit ihrem Animationstamtam nerven schnell.

Zuletzt fehlt in der aktuellen Version auch noch der Mehrspielermodus. Da helfen ein paar interessante Szenarien und gewitzte Bedienungskonzepte nichts: Eine klare Empfehlung gibt es von uns vielleicht wieder in der nächsten (Test-) Runde.  (mw)


Verwandte Artikel:
Civilzation Revolution 2: 2K veröffentlicht 64-Bit-Kompatibilitäts-Update für iOS 11   
(04.12.2017, https://glm.io/131467 )
Civilization 6 auf iPad angespielt: Rundenbasierte Spieltiefe erobert Flachdisplay   
(22.12.2017, https://glm.io/131833 )
Civilization 6: Erweiterung mit dunklen und goldenen Zeitaltern   
(30.11.2017, https://glm.io/131417 )
Bamboo Tip: Auch auf Tablets ohne Digitizer mit Wacoms Stift zeichnen   
(24.01.2018, https://glm.io/132354 )
Fortnite: Battle Royale auf der Playstation 4 gegen das iPhone   
(09.03.2018, https://glm.io/133246 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/